Hier sind wir, am Ende unserer zwei Monate in Indien. Unsere
Zeit in diesem Land war so facettenreich wie das Land selbst, daher ist es auch
ziemlich schwierig die richtige Stimmung für diesen Blogeintrag zu finden. Denn es
gab Tage, an denen waren wir so gut wie am Ende. Am Ende mit unserer Freude am
Reisen, mit unserer Geduld und mit unseren Nerven. An diesen Tagen hätte
ich vermutlich eiskalt mit Indien abgerechnet. Aber natürlich darf man
auch nicht die Tage vergessen, an denen wir tief beeindruckt, entspannt und
froh waren hier zu sein. Der Mensch ist schon ein kompliziertes Wesen, oft ist
man so in seine negativen Gedanken verstrickt, dass man gar nicht mehr bemerkt,
dass die Sachen über die man sich gerade ärgert eigentlich schon Tage oder gar
Wochen zurückliegen und man das schöne, das gerade um einen herum passiert
gar nicht mehr wahrnimmt.
Unsere Reise nach Indien begann gleich mal gut, nämlich
mit 2 Stunden Flugverspätung dank schlechtem Wetter. Also saßen
wir am Flughafen in Kathmandu, der bestimmt nicht für seinen
Komfort berühmt ist, mit einer vierköpfigen indischen Familie auf einem
verdreckten Sofa mit Platz für 2 Personen und spielten das Ratespiel:
Welches der beiden kleinen Kinder neben uns hat die Windel voll? Danach ging es
vom Sicherheitscheck in die Abflughalle, in der Bewegungsfreiheit ebenfalls ein
Fremdwort war und schlussendlich in den Flieger. In dieser Abflughalle bekamen wir schon mal einen kleinen Einblick
was uns in etwa erwarten sollte. Menschenmassen, brütende Hitze
und Chaos. Eines können wir gleich mal im Vorhinein abklären
–
was man über Indien je gehört oder gesehen hat –
es ist wahr.
Ja, Indien ist eine Erfahrung. Im Prinzip ist uns nichts
Schlimmes passiert. Wir wurden nicht ausgeraubt, aber halt immer wieder ein
klein wenig übers Ohr gehauen. Wir wurden von den Riksha-Fahrern erpresst,
wenn wir zu einem Zug oder Bus mussten. Wir wissen bis heute noch nicht ob wir
bei unserer Rajasthan-Tour die Kommission für die beiden gezahlt haben, die uns im
Restaurant in ein Gespräch verwickelt haben und nachher ganz
zwanglos noch zum Reisebüro begleitet haben. Aber falls es so
ist: Ihr habt euch das Geld redlich verdient, denn eure Masche hat gezogen! Wir
waren genervt, wenn wir zum hundertsten Mal nach unserem Land gefragt wurden,
weil die Leute an Karma glauben und daher den Touristen helfen wollten –
vor allem ihr Geld loszuwerden. Wir brauchten viele unserer Nerven auf um
das wirre Zugsystem Indiens zu durchschauen. Wir waren in diesen zwei Monaten öfter
krank als während unserer ganzen Reise durch Südamerika. Das
zehrt natürlich an einem und beeinflusst, wie wir uns den Menschen gegenüber
verhalten. Wir verloren nach und nach das Vertrauen in die Menschen und setzten
schon bei jeder Begegnung voraus, dass diejenige Person etwas von uns möchte.
Was uns das Ganze noch erschwerte, war, dass es oft schwierig war mit den „normalen“
Leuten ins Gespräch zu kommen, da die oft kein Interesse oder kaum
Englisch-Kenntnisse hatten.
Das Gute aber daran ist – man kann immer wieder positiv überrascht
werden! Zum Beispiel als wir zum ersten Mal aus dem Höllenschlund
Delhi ausgebrochen sind zum Goldenen Tempel nach Amritsar. Ein Nachtzug hin und
mit dem nächsten Nachtzug wieder zurück. Hört sich vielleicht an wie eine
Schnapsidee. Aber diese kleine Ausfahrt ins Blaue brachte uns die erste gute
Begegnung mit einem gebildeten Inder im Zug, einen tollen Einblick in die
Sikh-Gemeinschaft und natürlich zu der überaus
sehenswerten Tempelanlage mit einer Küche, die circa 220.000 Essen täglich
ausgibt. Und zwar umsonst. Jeder kann in der Küche helfen, abwaschen, Gemüse
schneiden, aufräumen, Besteck und Geschirr verteilen, wenn er will und es war
toll anzusehen wie Männer mit langen Bärten und
Turban am Boden sitzen und Knoblauch schneiden. Wir hatten die Gelegenheit,
Gebete aus ihrem heiligsten Buch zu hören, der Tempelmusik zu lauschen und ein
Mitglied der Sikhs setzte sich mit uns auf die Terrasse des Tempels und
beantwortete geduldig unsere Fragen zu ihrer Religion. Ein bisschen von unserem
verloren gegangenen Vertrauen wiedergefunden (dafür sind wir aber jeglichen Darminhalt
losgeworden), machten wir uns wieder auf nach Delhi um von dort dann die
zweifelhafte Rajasthan-Tour zu starten.
Unsere Reise nach Rajasthan führte uns mit unserem Fahrer Raj nach
Agra – Ranthambore – Jaipur – Pushkar – Jodhpur – Jaisalmer – Ranakpur –
Udaipur.
Die Beschreibung der Sehenswürdigkeiten in den jeweiligen Städten
erspare ich euch – wunderschön –
schaut euch die Bilder an!
Die Tour erwies sich trotz unserer Zweifel als gute Wahl,
denn wir sahen viel, wirklich viel und mussten uns um nichts kümmern.
Raj war ein einfacher, ehrlicher Kerl, der die Gewohnheiten der Inder selbst
oft komisch fand, aber sich vieles ebenso wenig erklären konnte wie
wir. Er fuhr wie ein typischer Inder, aber langsam genug, dass er noch sehen
konnte, was sich draußen so tut. Er lachte über
Babies auf Motorrädern, über Tiere, die über die Straße
gingen, über Leute, die sich ständig vordrängten. Er sagte: „In Indien will
jeder immer der Erste sein, ich weiß nur nicht bei was.“
Er erklärte uns in seinem fragwürdigen Englisch mit Wörtern
wie „item, client, service, uniform“ seine Welt. Er betete zu seiner Tigergöttin
als wir während der Tour krank wurden und gab mir den gut gemeinten Rat,
ich solle bei einer 5-tägigen Erkältung mit 39 Grad Fieber 4 Eier mit viel
„black
spicy“ essen, was wohl Pfeffer bedeuten sollte und alles wäre
wieder gut. Er erweckte unsere Liebe zu Chai, schwarzem Tee mit Milch und viel,
viel Zucker aufgekocht. Und obwohl er sich die Schuhe seines Sohnes ausleihen
musste, weil er selbst keine annehmbaren hatte, verschenkte er seine
Winterjacke an einen der Köche im Hotel, weil er ja eh zwei Jacken
hatte. Er putzte jeden Tag den Wagen, aber für die Reparatur hatte er erst Geld als
wir ihm sein Trinkgeld überreichten, das er breit grinsend in
Empfang nahm. Er umsorgte uns wie seine Kinder und machte keinen Unterschied
zwischen den Geschlechtern.
Was in diesem Land nicht selbstverständlich ist.
Denn der Großteil der Frauen zeigt auch bei der größten Hitze
weder Bein noch Schulter, manche hängen sich auch noch ein Tuch übers
Gesicht um so den Blicken der Männer zu entgehen. Die Probleme zwischen
Mann und Frau werden hier nicht behandelt; sie werden umgangen. Es gibt
getrennte Warteschlangen an Schaltern, getrennte Zugwaggons, U-Bahnabteile. Das
Verhalten am Strand ist nochmal ein Kapitel für sich. Die Männer sitzen in
der Unterhose im Meer und ihre Frauen stehen in voller Montur am Strand. Wir
haben keine einzige Inderin im Bikini oder zumindest im Badeanzug gesehen, dafür
aber unzählige Inder, die dann mit ihrem Handy „ganz unauffällig“
Fotos von Touristinnen in Bikinis gemacht haben oder sogar versuchen, diese „unabsichtlich“
anzufassen. Man sieht kaum, dass Mann und Frau sich auf offener Straße
berühren. Und wenn dann bei so viel „Geheimnis“, das um die Frauen gemacht wird, dann
mal eine Touristin in normaler Kleidung vorbeiläuft, wird diese dann eben angestarrt.
Bei Männern ist es jedoch üblich, dass sie sich an den Händen
halten oder mit dem Arm auf der Schulter durch die Straßen schlendern.
Generell: Männer untereinander verhalten sich oft wie Liebespaare daheim,
was aber hier anscheinend ein Zeichen von „Brüderlichkeit“ ausdrücken
soll. Ungewöhnlich anzusehen, wenn zwei 50-jährige Männer in einem rockähnlichem
Tuch Händchen haltend die Straße entlang gehen. Aber naja, hier ganz
normal.
Was hier auch „normal“ ist, was heißt, dass es
fast von allen praktiziert wird, ist die Ellbogentechnik und das ruppige
Verhalten zueinander. Vielleicht liegt es an der riesigen Population von 1,2
Milliarden Menschen, dass sich die Leute überall vordrängen und die
Leute, die einen bedienen, unhöflich behandelt und niedergemacht werden.
Vielleicht ist es eine Frage der Erziehung, dass weder andere Menschen noch die
Umwelt respektiert und wahrscheinlich liegt es auch in unserer Erziehung, dass
es uns jedes Mal sauer aufstößt, wenn sich schon kleine Kinder am
Kiosk vor einen drängen, mit dem Geld winken und schreien:
Give me chocolate! Oder wenn wieder jemand achtlos seinen Müll
auf die Straße wirft; was oft passieren muss, wenn man sich die Berge von Müll
ansieht in denen dann Kühe, Hunde, Ziegen und manchmal auch halb
nackte Kinder umherstöbern.
Vielleicht war auch einmal Michael aus Bonn, den wir im Bus kennen lernten, eines solcher
Kinder. Der 30-Jährige stammt aus Kalkutta, wurde aber als Baby von einem
deutschen Ehepaar adoptiert. Nun reist er für ein paar Monate durch Indien um seine
Wurzeln zu entdecken und um ein Gefühl für das Land zu bekommen. Er besuchte das
Waisenhaus aus dem er stammt, blieb einige Wochen in Kalkutta und fühlte
sich trotz der immensen Unterschiede zu Deutschland nicht als Fremder. Es gibt
eben tausend verschiedene Ansichtssachen ein Land oder eine Kultur zu erleben,
kein Richtig oder Falsch. Wir erlebten Indien einfach so, wie wir es hier
darstellen – aber niemand soll davon abgehalten werden, sich seine eigene
Meinung über dieses vielfältige Land zu bilden!
Trotz vieler Defizite in allem Möglichen, was für
uns unvorstellbar erscheint, leidet Indien manchmal an Selbstüberschätzung.
Wir wurden oft gefragt, wie uns Indien gefällt und wir wussten oft nicht was wir
sagen sollten. Gefällt uns der Müll, der
Gestank,? Gefällt es mir als Frau entweder angestarrt oder wie Luft
behandelt zu werden? Wie die Leute miteinander und den Touristen umgehen? Gefällt
uns, dass die Leute versuchen mit allen Mitteln an Geld zu gelangen? Was halten
wir denn jetzt von Incredible India? Unglaublich ja, aber nicht immer im
Positiven. Unsere Antwort (oder besser gesagt, Rudis Antwort, denn ich wurde
selten gefragt) fiel je nach Konsens mehr oder weniger diplomatisch aus. Ein
paar haben es vertragen bzw. verstanden und manche wiederum nicht. Denn im
Fernsehen und auf Werbungen wird oft ein Bild vermittelt bei dem man sich als
Nicht-Inder fragt, ob das wirklich deren Ernst sein soll. Denn in Bollywood
gibt es keine verschleierten Frauen, keine Berührungsängste zwischen Mann und Frau, keinen Müll
und natürlich sind alle Menschen so bleich wie der Durchschnittsösterreicher
zwischen November und April. Mittelmäßige Universitäten rühmen
sich mit „Oxford Indiens“, ein Ort mit 2 Schiffskanälen
nennt sich „Venedig des Ostens“. Den westlichen Werten wird fleißig
nachgeeifert, nur leider an den falschen Stellen. Fast jeder hat ein Handy,
aber die Leute waschen sich, ihre Wäsche und ihr Geschirr im Fluss, in jeder
noch so kleinen Bruchbude gibt es meist einen Fernseher, aber oft keine
Toilette und Leute verrichten ihr Geschäft überall im Freien. Hier dominieren die
Gegensätze. Schilder mit „Keep your city clean“
die fast im Müll versinken, Plakate mit Regeln für den
gepflegten Umgang in einer Menge anrempelnder Leute, „I make you a
good price, my friend“ – für dich heute nur das Doppelte, in
Chennai wohnen Leute in Zeltern auf dem versifftesten Strand unserer bisherigen
Reise, eine Straße weiter gibt’s einen Lacoste-Shop.
Hm, hört sich doch fast an wie eine Abrechnung
mit Indien, und das obwohl der letzte schlechte Tag schon sicher einige Wochen
her ist. Aber kommen wir nun zu den schönen Seiten Indiens. Was wir im ersten
Monat von Indien gesehen haben, war weder landschaftlich noch menschlich das
Gelbe vom Ei. Sicher, es werden einem unvergleichliche Monumente aus alten
Kulturen geboten, aber auf einer Reise wie unserer geht’s nicht um Gebäude
und ohne wirklichen Zugang zu den Menschen, bleibt es eine fremde Kultur.
Doch ab Mumbai gings dann endlich bergauf –
wenn auch weiter nach Süden. Mumbai präsentierte sich
uns als moderne Stadt mit weltoffenen Menschen. Wir waren überrascht,
und dieses Mal im positiven Sinne. Relativ sauber (in Indien ist alles
relativ), breite Straßen mit Gehwegen, man hatte selten das
Gefühl von der Meute und dem Verkehr erdrückt zu werden,
gepflegte Gebäude, junge Paare, die sich gemeinsam den Sonnenuntergang über
dem Meer anschauten. Außerdem ganz ungewohnt für
uns: in drei Tagen hat nur einer versucht uns etwas anzudrehen!
Trotzdem – es war Zeit für eine
Verschnaufpause. Also ab nach Goa! Goa, einst als Hippieparadies bekannt, ist
nun im Begriff das neue Lignano der Russen, Israelis und dank dem neuen
Condor-Direktflug von München aus auch der Bayern und Österreicher
zu werden. Wir machten uns auf den Weg nach Benaulim, wo es noch beschaulicher
zugehen sollte. Die Mischung war kurios, russische Werbung auf indischen
Beach-Shacks, Pensionisten, sonnenbadende Russinnen und natürlich
fotografierende Inder, die sich rundherum scharten wie bei uns daheim
Schaulustige um ein brennendes Haus. Und trotzdem war die Zeit am Meer sehr
erholsam. Nach ein paar Tagen Strand machten wir wieder ein bisschen
Kulturprogramm, denn jeder sagte: „Ihr müsst nach Hampi!“
Eine fast schlaflose Nacht in einem rumpelnden Volvo Sleeper Bus später
waren wir auch schon dort. Die Leute hatten Recht: Hampi muss man wirklich
erlebt haben!
Wir haben schon einige Fotos gesehen, daher wussten wir
schon in etwa was uns dort erwarten würde, doch trotzdem hat uns der Anblick
der Steinhaufen, des Flusses, der sattgrünen Reisfelder, Bananenbäume
und Kokospalmen fast umgehauen. Diese halb bewohnte, halb zerfallene
Tempelstadt zieht ihre Besucher relativ leicht in den Bann. Nicht umsonst gibt
es gefühlte hundert Yoga-Tempel und Ashrams für den Ansturm
von Karma-Suchenden aus aller Welt.
Zum Thema Selbstüberschätzung müssen wir fairerweise noch einen außergewöhnlichen
Landsmann erwähnen. Ein Klagenfurter, den wir im Bus nach Hampi getroffen
haben und der uns mit stolz geschwellter Brust erklärt hat, dass
er mit dem Gedanken spielt, im Mai den Mount Everest zu erklimmen, weil er halt
„motiviert“
sei. Als wir ihn daraufhin fragten, ob er denn irgendwelche Vorbereitungen dazu
getroffen hat, antwortete er ganz lässig: „Ja, ich bin Profitänzer,
also mit der Ausdauer müsste das schon so passen.“
Nachdem wir ihm aber als „alte Himalaya-Fexe“
erklärten, dass es im Mai dank der Wetterbedingungen unmöglich
ist, den Everest zu besteigen und er außerdem gute 100.000 Dollar allein für
die Trekkingerlaubnis + weiß Gott wie viel für die gesamte
Expedition auslegen müsste, haben wir in ihm wahrscheinlich
erste Zweifel gesät.
Mehr und mehr wird uns etwas klar: Indien gibt den Touristen
was sie suchen. Wir wollten einen Einblick in die Kultur, das Leben und die
Leute. Und wir sahen eben auf den Straßen, in den Holzklassezügen,
auf den Märkten und an den Sehenswürdigkeiten wie es leibt und lebt, schön,
vielfältig, interessant, bunt, pulsierend, aber halt auch dreckig,
laut, überfüllt und korrupt. Touristen, die nach
Indien kommen um in ein Ashram zu gehen und anschließend ein paar
Tage an einem der wunderschönen Strände zu verbringen, werden mit hoher
Wahrscheinlichkeit ein anderes Indien erleben als wir. Keine Ahnung, ob denen
jemals von einer alten Frau mit Nasenring absichtlich der Ellbogen in die
Rippen gestoßen wird, ihnen jemand mit einem vermeintlich ehrlichen Grinsen
ein Busticket verkauft, das eigentlich nur die Hälfte wert wäre und ob
versucht wurde, ihnen eine kostenpflichtige Segnung mitsamt rotem Punkt auf der
Stirn zu verkaufen. Diese Liste könnte noch viel länger sein, wir
ersparen sie euch aber gern.
Vom Süden Indiens wurden wir dafür
jedoch so richtig verwöhnt. Erstaunliche Landschaften, Ruhe,
freundliche Leute, gutes Essen – also so wie richtiger Urlaub sein
sollte. Wem Meer, Strände, Palmen in Goa und Karnataka jemals
zu langweilig oder zu heiß werden sollte, kann die kühlen,
dunkelgrünen Teeberge in Munnar in den Western Ghats von Kerala und
malerische Flusslandschaften in den Backwaters bestaunen. Besonders Munnar war
für
uns wie eine Oase. Die Spaziergänge durch die friedlichen Teeplantagen,
Grün soweit das Auge reicht, frische Luft und angenehmes Klima.
Das quirlige Städtchen mit seinem abendlichen Gottesdienst (Kerala ist großteils
christlich) und die Orgelmusik, die man auch noch auf den Teebergen hört,
schenkte uns ein paar ganz besondere Momente. Immer wieder mussten wir unsere
Vorurteile und unsere bisherigen Erfahrungen neu aufrollen, denn nichts war so
wie vorher.
Wir trafen weltoffene, gebildete Persönlichkeiten
sowie Menschen, die nie eine Chance auf Bildung hatten; freundliche,
hilfsbereite Leute und welche, die uns nur zu ihrem Vorteil ausnutzen wollten.
Manche haben es geschickt angestellt und manche haben uns für
völlig
dumm erklärt und versuchten so manche seichte Masche. Wir entdeckten
Kulturunterschiede, die uns schockierten oder amüsierten, aber immer zum Nachdenken
brachten. Wir haben ALLES gegessen und jedes einzelne Essen war auf seine Weise
einzigartig und lecker. Das meiste haben wir gut vertragen, manches so gar
nicht. Wir sahen Menschen in teuren Autos und welche die mit ausgeliehenen
Kindern betteln gingen. Oft verstanden wir die Welt nicht mehr. Wir haben
einiges gelernt. Zum Beispiel wie man eine sechsspurige, voll befahrene Straße
zur Rush Hour überquert. Dass Manche gar nichts und Manche alles besitzen.
Dass der Mensch in seinem Überlebenskampf manchmal wie ein
verzweifeltes Tier wirkt. Dass Kinder schnell erwachsen werden können,
wenn sie müssen – und das hat uns oft das Herz gebrochen.
Dass es nicht viel braucht um glücklich zu sein und viele trotzdem zu
wenig haben. Dass es uns daheim extrem gut geht und wir oft nichts davon haben,
weil wir immer mehr wollen. Und dass die gelangweilten Genderbeauftragten
gemeinsam mit den Feministinnen sich mal das Leben einer Durchschnittsinderin
ansehen sollen und sich dann vielleicht nochmal fragen, ob ihre Energie nicht
woanders besser aufgehoben wäre als bei der Österreichischen
Bundeshymne.
In den zwei Monaten durchliefen wir die ganze Gefühlspalette
von beschissen bis beeindruckt und wieder retour. Hinter uns liegt eine prägende
Zeit, die wir nicht missen, aber so schnell nicht wiederholen wollen.
Incredible India!
Faces of India Part 1 (Indien)
Mumbai, Goa, Hampi (Indien)
Gokarna, Kerala (Indien)
Faces of India Part 2 (Indien)
Mumbai, Goa, Hampi (Indien)
Gokarna, Kerala (Indien)
Faces of India Part 2 (Indien)
























































































