Freitag, 17. Januar 2014

Halbzeit!

Wir melden uns mit einem schlechtem Gewissen zurück. Gerade sitzen wir im chaotischen und völlig andersartigen Kathmandu, verdauen die Eindrücke des letzten Monats, die wir mit unseren Freunden quer durch Nepal gesammelt haben und zählen die Tage bis zu unserem Flug nach Delhi. Aber dazu später....


Also wo sind wir stehen geblieben?! Ah ja, Buenos Aires… liegt inzwischen schon weit hinter uns, aber zum Glück funktioniert unser Gedächtnis noch ziemlich gut. Nach 3 Nächten Couchsurfen bei Bartolome sind wir aufgrund eines neuen Gastes in ein Hostel/Hotel umgezogen. Die Besitzer waren ein relativ betagtes und ein wenig verwirrtes, dafür aber sehr herzliches Paar. Dank ihm machten wir die Entdeckung der Woche: Cordon Bleu für 30 Pesos (ca. 3€) gleich um die Ecke! Somit war unser Speiseplan in Buenos Aires fix. Mittags Cordon Bleu, abends Steak und dazwischen Maracuya-Eis im Viertelkilo-Kübel. Und nein – wir sind dort nicht fett geworden!

Außerdem verbrachten wir einen sehr netten Abend mit Lukas (oder Torben, wir wissen noch immer nicht genau wie er heißt) aus Berlin, der in Buenos Aires sein Auslandssemester absolviert. Kennengelernt haben wir den netten Deutschen in Cordoba und weil beide Seiten erfreut waren einen „Nachbarn“ zu treffen hat er uns kurzerhand zu einem Asado mit seinen Eltern und seinen Freunden eingeladen hat. So weit weg von der Heimat sind eben auch die deutsch-österreichischen Streitigkeiten beiseite gelegt. J

 
Doch die sehr entspannte Zeit in Buenos Aires hatte ein sehr unentspanntes Ende. Am Tag unserer Abreise per Bus nach Puerto Iguazu hat unerklärlicherweise die Metro-Linie zum Busbahnhof des Geist aufgegeben, die Busse waren daher mehr als überfüllt, es war Freitag, Rush Hour und ein bisschen spät waren wir natürlich auch wieder mal dran. Tja, nach  ca. dreißig Minuten verzweifelter Taxisuche mit anschließend schweißgetränkten Kleidern haben wir den EINEN Taxifahrer gefunden. Quasi den Taxidriver des wahren Lebens.  Der sichtlich motivierte Herr beförderte uns ohne Rücksicht auf Verkehrsschilder, Ampeln oder sonstigen seiner Meinung nach unnötigen Einrichtungen auf direktem Weg zum Busbahnhof in Buenos Aires. Nach einer fünfzehn-minütigen hollywoodreifen Fahrt durch Downtown Buenos Aires, schafften wir es doch noch rechtzeitig zum Bus. Ganze 2 Minuten vor Abfahrt. Phu, das war knapp!

Eine Nacht und 21 Stunden später im Bus kamen wir ausgeruht im tropisch heißen Puerto Iguazu an. Dieser kleine Ort ist der Ausgangspunkt für die Iguazu-Fälle auf der argentinischen Seite und hat sonst nicht viel mehr zu bieten. Klein, touristisch und natürlich alles ein bisschen teurer als sonst. Das für Argentinien unübliche tropische Klima in Iguazu bringt einen nach 100 Metern zu Fuß zum Schwitzen als ob man einen Marathon läuft. Willkommen zurück in den Tropen!


Die Wasserfälle halten jedoch auf jeden Fall was sie versprechen. Wir hatten Sehenswürdigkeiten, die uns ein wenig enttäuschten, aber Iguazu gehört auf keinen Fall dazu. Man weiß, was einen erwartet, weil man sie schon auf tausend Bildern gesehen hat, aber wenn man davorsteht, ist es trotzdem so beeindruckend, dass man erstmal für ein paar Minuten sprachlos ist. Also definitiv ein HIGHLIGHT unserer Reise!



Am nächsten Tag machten wir den ersten Abstecher nach Brasilien um uns den Itaipu-Damm in der Nähe von Foz de Iguazu anzusehen. Das leistungsmäßig größte Wasserkraftwerk der Welt hat mit der vierzigfachen Wasserdurchflussmenge der Iguazu Wasserfälle eine Energieausbeute von 98 Millionen MWh pro Jahr. Das entspricht der Leistung von 7 Atomkraftwerken! Ebenfalls beeindruckend und sehr sehenswert!



Einen Tag später ging es dann endgültig nach Brasilien, das letzte Land unseres Südamerika-Abenteuers. Brasilien begrüßte uns gleich mal auf Deutsch, in der Gestalt von Oldimar, unserem Couchsurfing-Host in Sao Paulo.

Oldimar ist ein sehr freundlicher, großzügiger und vor allem beeindruckender Mensch mit vielen verschiedenen Facetten und Talenten. Der Aufenthalt bei ihm hat uns sehr viel Freude bereitet – besonders während er mit seiner 5-jährigen Tochter Clara musiziert hat. Sao Paulo selbst hat uns eher ein bisschen eingeschüchtert. Eine Stadt mit 20 Millionen Einwohnern ist trotz unseren Erfahrungen doch ein wenig zu groß für uns Landeier. Es gibt zwar viele Straßenmusiker, Graffiti, schöne Parks und eine tolle Kunstszene – Oldimar hat uns viel gezeigt und gute Tipps gegeben,  jedoch das Ausmaß der Stadt und die Sprache hat uns trotzdem ein wenig zugesetzt. Oldimar blickt mit kritischen Augen auf Sao Paulo und Brasilien und hat uns Dinge erzählt, die einem Touristen gleich mal die rosa Brille abnehmen. Zum Beispiel über das alte wunderschöne Zentrum, das langsam verfällt und von den Einheimischen Cracklandia genannt wird, weil sich dort nur noch die in Decken eingehüllten Drogensüchtigen herumtreiben. Alle anderen machen einen großen Bogen darum. Auch wir mussten dieses Spektakel nicht live sehen und begnügten uns mit einem YouTube-Video. Wir hatten keine schlechten Erfahrungen dort, aber so richtig warm geworden sind wir nicht mit Sao Paulo, dafür haben wir einen besonderen Menschen kennengelernt, der uns hoffentlich mal besuchen kommt!


Auf den Rat von Oldimar hin, machten wir uns auf den Weg zur Ilha Grande, einer wunderschönen Insel nahe der brasilianischen Küste. Nach einem zweitägigen Zwischenstopp im veregneten Parati, das bei gutem Wetter eigentlich auch sehr schön sein soll (was bei uns aber leider nicht der Fall war), machten wir uns auf die Suche nach Sonnenschein und daher auf nach Ilha Grande. Eine Stunde Bootsfahrt und schon waren wir im karibischen Paradies. Drei Nächte blieben wir im Hauptort Abraao um den nahe gelegenen Strand Lopez Mendes , eine Bootsfahrt um die halbe Insel und das deftige Essen unserer Hostelbesitzerin Christina zu genießen. Diese karibische Perle ist den ganzen Tag in der Küche gestanden um die hungrigen Backpackermäuler zu stopfen, leider hat sie dabei ganz auf das Putzen vergessen. Oder sie wollte die Leute damit ein wenig bestechen. Auf jeden Fall war das Essen wirklich gut und hat uns tatsächlich für die schwülen, moskitogeplagten Nächte in einem  heruntergekommenen Zimmer ein wenig entschädigt. Wahrscheinlich muss ich nicht erwähnen, dass dieses Hostel das billigste auf der Insel war.


Da wir jedoch auch den unberührteren Teil dieser Insel sehen wollten, fragten wir uns von „Tourismusbüro“ zu „Tourismusbüro“ durch, ob es denn eine Möglichkeit gibt in den kleineren Orten rund um die Insel zu campen. Wir bekamen keine eindeutige Antwort, manche vermuteten, dass es schon einen Campingplatz gibt, andere haben schon von Leuten gehört, die gecampt haben, andere haben uns empfohlen auf einem Fischerboot per Anhalter  einen Strand zu überqueren… Tja, und natürlich wusste niemand weder einen Preis, noch einen Namen oder ob man sich da auch ein Zelt ausleihen kann. Da aber die Mehrheit meinte, dass es auf diesem Strand etwas gibt, haben wir unsere kleinen Rucksäcke gepackt und sind mit Schlafsack, Moskitonetz und Essen versorgt aus der Touristenfalle ins Inselparadies gewandert. 16 km und 6 Stunden später sind wir am Strand Parnaioca angelangt  – und uns wurde zuerst ein wenig mulmig, weil es dort nur ein paar verlassene Häuschen gab. Nach ein bisschen Suchen fanden wir dann doch eine kleine Fischbraterei, die von einem Ehepaar betrieben wurde – für den Fall, dass sich doch mal jemand hierher verirrte. Die Frau war vom ersten Moment an sehr herzlich, sie hat geredet und geredet und geredet – und das Ganze in schönstem Portugiesisch, von dem wir kaum ein Wort verstanden. Unser Teil der Unterhaltung bestand hauptsächlich aus Nicken und Lächeln, aber somit waren wir uns wenigstens immer einig. Wir dachten zuerst, wir hatten Glück gleich auf die Richtige zu treffen, da sie auch für den Campingplatz gleich daneben zuständig war. Aber da an diesem Strand, wie wir später erfuhren, insgesamt nur 5 Leute wohnten, hatte das Ganze wahrscheinlich wenig mit Glück zu tun. Nachdem wir uns auf dem leeren Campingplatz als alleinige Herrscher häuslich gemacht hatten und den Strand erkundeten, auf dem wir ebenfalls alleine waren, kochte Marta am Abend ihr Spezialgericht (ihr einziges Gericht) für uns – Fisch mit Reis, Bohnen und Salat in rauen Mengen – und wir haben zugeschlagen als ob wir 5 Tage lang zu Fuß gegangen wären. Sie hatte sichtlich Freude daran, dass wir den ganzen Berg aufgegessen haben und wir hatten ebenfalls unsere Freude, weil das Essen einfach umwerfend gut und zudem noch billig war. Am nächsten Tag machten wir uns gleich frühmorgens auf den Weg in das angrenzende Naturreservat, da Marta uns VERMUTLICH geraten hat, gleich am Morgen zu gehen (so genau konnten wir uns das dank der Sprachbarriere nicht zusammenreimen, wann wir jetzt wohin gehen sollten). Wir wussten nur, dass es eigentlich verboten war, das Reservat zu betreten und es laut Marta einen Trampelpfad dorthin gibt. Nach 2 Stunden schweißtreibendem Morgensport durch das Dickicht und vorbei an dem Schild auf dem stand, dass man gefälligst umkehren soll, waren wir wieder einmal allein an einem verlassenen Strand, mit dem einzigen Unterschied, dass man sich hier eigentlich nicht aufhalten durfte und niemand den angeschwemmten Plastikmüll entsorgte. Wir liefen also den Strand auf und ab, empörten uns über das ganze Plastik, sagten: „Ja, schon schön hier“ und machten uns wieder auf den Weg zurück zu unserem Campingplatz. Auch der zweite Tag nahm seinen geregelten Lauf bestehend aus Karten spielen, Strandspaziergang, Martas gebackenen Fisch verputzen und sich währenddessen von ihren 2 Hunden, dem famosen Nick, einem aufgeweckten Pudel und Miau (?!), einer jungen Shih Tzu-Dame unterhalten lassen. So entspannt die Tage waren, so unentspannt war ich während der Nächte in unserem Zelt. Denn die Geräuschumgebung des angrenzenden Dschungels mit seinen Brüllaffen und Wetterkapriolen raubten mir fast vollständig den Schlaf während Rudi gemütlich vor sich hin schlummerte. Schon seltsam wie man sich in so einer „ruhigen“ Gegend so beunruhigt fühlen kann, wenn es dunkel ist. Irgendwann in der Nacht nachdem ich circa 2 Stunden lang paranoid mit meiner Stirnlampe auf dem Kopf beim Zelt rausgeleuchtet habe um eventuelle Gefahren zu „vertreiben“ (tolle Idee, ich weiß!), habe ich dann doch noch ein wenig Schlaf gefunden. Am nächsten Morgen packten wir unsere Sachen und gingen zu Marta um dort zu frühstücken. Der Plan war, dass wir nur kurz eine Tasse Kaffee mit geschätzten 4 Löffeln Zucker, wie es in Brasilien so üblich ist und den Kuchen essen, den wir von Marta bekommen haben und uns danach gleich auf den Rückweg machen. Der Plan hielt solange bis Marta mit den Fotos ihrer Enkel, Töchter, Urlaube und Lernunterlagen ankam. Letztere gehörten einer Österreicherin, die vor 7 Jahren für ein Monat bei Marta wohnte und die sie ins Herz geschlossen hatte wie eine Tochter. Wir hörten uns also die Geschichte von Marta und Julia Berger an, von ihren Töchtern, die leider viel zu selten zu Besuch kamen, weil sie in Rio arbeiteten und sahen uns dutzende Fotos von ihren niedlichen Enkeltöchtern an, bei denen sie ganz wehmütig wurde. Gute 3 Stunden später als geplant verabschiedeten wir uns mit einem dicken Kloß im Hals und einer sehr herzlichen Umarmung, ließen uns von ihr segnen und mussten ihr versprechen, dass wir bald heiraten, denn wir werden ja schließlich nicht jünger.

Nach einem beschwerlichen Rückweg blieben wir noch eine Nacht in Abraao bevor wir uns am nächsten Morgen zum letzten Punkt unseres Südamerikaabenteuers aufmachten – Rio de Janeiro!


Aufgrund einer Empfehlung anderer Reisender haben wir ein Hostel in Lapa, einem Viertel Rios gebucht. Das Hostel war top, die Leute freundlich, die Caipirinhas gut und günstig, doch wir mussten erkennen, dass Lapa nicht zu den besten Vierteln Rios zählt, außer man ist Crack süchtig und schläft gerne in Unterhosen auf dem Gehsteig. Daher haben wir unsere Erkundungen auf andere Viertel verlegt und das übliche Touristen-Programm absolviert. Zuckerhut, Corcovado, Copacabana, Ipanema. Wir haben nichts ausgelassen. Die Stadt ist von einem der höhergelegenen Aussichtspunkte wunderschön, der Nationalpark rundherum sorgt für den nötigen Auslauf aus der Betonhölle und auf den weißen Stränden zeigen die Cariocas was sie unter ihrer Kleidung zu bieten haben. Ja, und manche zeigen fast alles! Wir haben selten so viel unbedeckte Haut gesehen, obwohl niemand oben ohne oder nackt war. Die Sonnenanbeterinnen in Ipanema kaufen Bikinis wie sich die Leute bei uns im Freibad ein Eis kaufen, und das Motto lautet: Je kleiner, umso besser. Doch das genaue Gegenteil gilt für Hinterteile. Die brasilianischen Frauen tragen ihre Rundungen mit einem unvergleichlichen Selbstbewusstsein, und die brasilianischen Männer in ihren knappen Speedos sind sichtlich begeistert.


Nach 4 Nächten im heruntergekommenen Lapa sind wir ein paar Viertel weitergezogen, diesmal nach Tijuca zu Felipe und Lais, unseren nächsten Couchsurfing-Hosts. Das nette Paar mit ihrem etwas verwirrten Hund Anita hat uns ein Rio gezeigt, das wir bisher noch nicht gesehen hatten. So gingen wir zuerst auf einen gemütlichen Freiluft-Samba auf einem kleinen Platz umsäumt irgendwo in einem älteren Teil Rios, wo sich die Leute einen oder zwei Caipirinhas gönnen, der Musik lauschen und ein wenig tanzen. Der zweite Teil des Abends drehte sich auch um Samba, jedoch war der mit dem ersten Teil nicht zu vergleichen. Eine riesige Sambaschule, die samstags in einen Pfuhl aus Sambarhythmen und wackelnden Hinterteilen aller Größen, Formen und Farben verwandelt wird. Auch hier fanden wir sofort wieder die brasilianische Vorliebe für knapp bedeckte und üppige Bäckchen vor, der Ausdruck „etwas ins Auge springen“ bekam eine etwas andere aber durchaus passende Bedeutung. Zum Abschluss eines gelungenen Abends haben wir auch noch gleich einen unserer Begleiter verloren, der zu späterer Stunde an einem Paar Backen und deren Inhaberin hängen geblieben ist.

Am nächsten Tag (aber nicht zu früh nach der vorherigen Nacht) machten wir zusammen mit Felipe eine spontane Fahrt ins Grüne. Der Nationalpark rund um Rio ist mit einer halbstündigen Busfahrt von Zentrum zu erreichen. Hier hat sich die Metropole wieder von einer ganz anderen Seite präsentiert. Von der Großstadt in den Dschungel mit Wanderwegen, Flüssen und versteckten Wasserfällen in einem Katzensprung. Man fühlt sich so ganz und gar nicht mehr wie in einer Millionenstadt und auch die Ausblicke zeigten weder Hochhäuser noch Smog, sondern einfach nur Natur. Vielfältiges Rio!



Unser Aufenthalt in Rio und somit auch auf diesem Kontinent neigte sich schön langsam dem Ende zu, doch ein Highlight für Rudi sparten wir uns auf den letzten Tag vor dem Abflug. Ein Fußballspiel im Maracana-Stadion. Dafür haben wir 2 unserer Bekanntschaften aus der Salar de Uyuni kontaktiert und die beiden eingefleischten Botafogo-Fans Miguel und Victor haben sich sofort dazu bereiterklärt, sich mit uns am Nachmittag beim Maracana zu treffen, vorher noch ein Bier zu trinken und dann mit uns das Spiel anzusehen. Gesagt, getan, Zeit- und Treffpunkt waren verabredet und auch die Vorfreude war auf Rudis Gesicht kaum mehr zu übersehen. Diese trübte sich jedoch fatal nach fast 2 Stunden des Wartens auf die beiden am verabredeten Eingang zum Stadion, denn sie hatten unsere Karten und Spielbeginn war bereits in gut 30 Minuten, doch noch immer keine Spur von den beiden. Rudis Teint spielte schon alle Farben, von nervös-bleich bis verärgert-rot war auf der Farbpalette alles dabei, und trotzdem wollten wir uns noch nicht eingestehen, dass uns die beiden versetzt hatten. Und tatsächlich, plötzlich kamen die beiden angerannt, schweißgebadet und gehetzt, und erklärten uns, dass sie bereits seit 2 Stunden auf uns warteten – nur eben auf der anderen Seite des Stadions, die quasi der eineiige Zwilling unseres Einganges war. Victor hat vermutlich in diesem Moment eingesehen, dass es doch nicht die beste Methode war, ein Bild vom Eingang zu schicken, um uns zu beschreiben, wo wir uns treffen sollten, nachdem es 2 gleiche gibt. So, dachten wir, endlich kanns losgehen – doch falsch gedacht. Denn aufgrund eines Kreditkartenproblems haben die beiden nur zwei Karten im Voraus kaufen können. Also noch kurz einen Abstecher auf den Schwarzmarkt, zwei Karten zum doppelten Preis gekauft – und dann haben wir es endlich ins Stadion geschafft. Das Spiel ließ uns jedoch alle vorangegangenen Strapazen vergessen, die Fans waren gut gelaunt, die Teams motiviert und Botafogo siegte über Criciuma mit einem vernichtenden 3:0. Danach machten wir uns zu viert auf in eine typische „Bar“, eine Art Garagenraum neben der Straße, wo sich die Bierkisten stapeln und die Leute auf Plastikmöbeln draußen am Gehsteig sitzen und sich unterhalten. Nach Stunden voll von angeregten Gesprächen und Tränen in den Augen vor Lachen, haben wir uns von den beiden verabschiedet – mit einem „hoffentlich auf Wiedersehen“.




Der nächste und letzte Tag begann mit dem Gefühl alles unter Kontrolle zu haben. Frisch geduscht, frische Kleidung und trotz der Hitze kaum schweißgetränkt, kamen wir über 2 Stunden vor dem Abflug am Flughafen an. Doch beim Check-In wurde zum zweiten Mal innerhalb von 2 Tagen die ganze Farbpalette unserer Gesichter abgespielt. Denn geplant war, dass wir nicht Rio-Paris-München anfliegen wie vor gut einem Jahr gebucht, sondern in Paris aussteigen und den Flug nach München verfallen lassen. Laut unserem Reisebüro kein Problem, doch anscheinend waren sie sich da nicht mit den Mitarbeitern von AirFrance in Rio einig. Denn diese haben uns klargemacht, dass wir in Paris 275 Euro pro Person zahlen müssen, wenn wir dort aussteigen und unser Gepäck haben wollen. Hm, somit war das Gefühl von frisch geduscht zu einem Schlag in den Magen gewechselt. Und da es am internationalen Flughafen von Rio weder funktionierendes WLAN, funktionierende Münztelefone oder hilfreiche Mitarbeiter von AirFrance gibt, tauchten kurzerhand nochmals neue Gefühle auf – schweißgebadet, gestresst und ziemlich angefressen. Nachdem man uns zuerst mit „das Gepäck geht ohne euch nach München, wenn ihr nicht zahlt“ verängstigt, dann mit „man könnte umbuchen, dann würds nur 120 Euro kosten, aber, ach, leider geht das jetzt nicht“ verärgert, mit „wenn ihr sagt, ihr könnt nicht nach München fliegen, weil irgendwer von euch krank ist, dann müsst ihr vielleicht nicht zahlen“ versucht zu beruhigen und zu guter Letzt mit „kein Gepäck geht ohne Passagier an Board eines Flugzeugs“ wirklich beruhigt hat, sind wir dann eben ins Flugzeug eingestiegen und haben uns gesagt, wie‘s kommt, so kommt‘s. 8 Uhr morgens in Paris, der Flieger landet, wir befragen uns, wo wir wegen unseres Gepäckes hinmüssen. Die Damen sehen uns ungläubig an: „Ihr wollt wirklich zahlen? Geht zum Ticketschalter, vielleicht kann man den Flug noch umbuchen.“ Der Mann vom Ticketschalter hatte ebenfalls sichtlich Mitleid mit uns, doch leider – keine Chance, man kann nicht mehr umbuchen. Wir mussten uns also wohl oder übel mit der Situation abfinden und konnten nur auf eine Rückerstattung unseres Reisebüros hoffen. Ein wenig niedergeschlagen kamen wir wieder bei den Damen von der Gepäckreklamation an, die Kreditkarte bereits gezückt um unsere Gepäckgeiseln freizukaufen. Die beiden schauten uns an, dann einander und sagten schließlich: „Wir lassen die Rucksäcke holen, nehmt sie und geht, aber sagt keinem was, das ist unser Weihnachtsgeschenk.“ 
Trotz des Wirbels ums Gepäck, hatte das Ganze auch etwas Gutes – wir konnten unsere Eltern, die fast 3 Stunden später ankamen, gleich am Flughafen empfangen.


Eigentlich ist es schon schade, so etwas sagen zu müssen, aber es ist so. Die schönste Stadt unserer bisherigen Reise ist eindeutig Paris! Vielleicht war es auch die Mischung aus Wiedersehensfreude, dem Überfluss an Kunst, Kultur und alten Gebäuden, dem wunderschönen Weihnachtsmarkt an der Champs Elysees und unserem gemütlichen Quartier, in dem man sich über die vergangenen Erlebnisse daheim und auf Reise ausgetauscht hat. Etwas Besonderes war auch das herzliche Wiedersehen mit Aurelie und Aurelien, die uns in Guatemala für einige Zeit begleitet haben und uns sofort ans Herz gewachsen sind. MERCI! J


Für allgemeine Erheiterung bzw. in manchen Fällen leichte Entrüstung sorgte die freizügige Gestaltung der Toiletten in manchen Lokalen.
Tja, hier in Nepal geht es schon ein wenig konservativer zu. Da wäre es wirklich undenkbar, wenn das Waschbecken für beide Geschlechter gleich neben dem Pissoir platziert ist. Denn erstens gibt es hier keine Pissoirs, sondern nur ein Keramik-Loch im Boden, das für jegliche Bedürfnisse verwendet wird und das Waschbecken ist meist nur ein Wasserhahn mit Eimer neben besagtem Loch, der gleichzeitig die Spülung darstellt. J

Die 3 Tage vergingen wie im Flug und der Abschied kam fast ein wenig zu schnell. Doch gemeinsam das vorweihnachtliche Paris zu erkunden war ein Punkt unserer Reise, den wir um keinen Preis missen möchten. Danke für die gelungene, wenn auch kurze Rückkehr nach Europa!

So, das war unser Halbzeitbericht aus Kathmandu!
Der nächste Eintrag über unsere Zeit in Nepal lässt nicht so lange auf sich warten - VERSPROCHEN! J