Montag, 9. September 2013

Tapetenwechsel

Wir sitzen gerade in Cusco, verdauen die Eindrücke von Machu Picchu und es ist wieder mal höchste Eisenbahn für den nächsten Bericht.

In La Fortuna (Costa Rica) haben wir außer einer Canopy-Tour mit anschließendem Spa-Tag, noch den halben Tag den Hund vom Hostel gestreichelt, uns bei dem mürrischen Hostelbesitzer Pete eingeschleimt, damit er uns nicht auch wie die anderen rauswirft und uns zwischen den dicken Ami-Familien bei Burger King durchgekämpft. Sautrawe, also!

In dem kleinen Städtchen sieht man gleich mal, was Costa Rica vom restlichen Zentralamerika deutlich unterscheidet: Massen von Touristen. Was natürlich zu besserer Infrastruktur führt, aber auch zu weitaus höheren Preisen.

Aber natürlich versuchen wir auch hier wieder unser Budget nicht unnötig zu strapazieren und haben uns daher gleich mal in Orotina bei dem Verwandten einer Verwandten eines Verwandten... also bei Christoph und dessen Familie eingenistet. Hier wurden wir wie alte Freunde empfangen, obwohl wir uns noch nie vorher gesehen hatten. Diese Liebenswürdigkeit zog sich durch die ganze Familie durch bis hin zu Gogy, ihrem Pudel. Auch auf diesem Weg nochmals Danke an die Nussi Collecion  und natürlich auch ein großes Dankeschön an Manu, die sofort die Vermittlerin gespielt hat - alles Gute für euer bevorstehendes Ereignis!!!


Nach einem langen Wochenende als Schmarotzer in Orotina, haben wir uns auf den Weg ins Hilton Hotel in Puntarenas begeben… aber nur um unseren Mietwagen abzuholen um mal für 2 Wochen Abstand von den elendslangen Busfahrten zu gewinnen und Costa Rica mit dem Auto zu erkunden.

Die erste Fahrt ging Richtung Meer. Irgendwie komisch, wenn man nach über 2 Monaten wieder zu zweit in einem Auto sitzt. Für einen kurzen Moment war es eine Mischung aus „wie daheim“ und ungewohnt, aber eine schöne Alternative zu einem vollgestopften Bus mit einem Parasitenproblem. Natürlich ums Vielfache teurer, aber man gönnt sich ja sonst nichts!

 Jaco wurde als nächster Zwischenstopp für eine Nacht auserkoren. Und diese Nacht reichte vollkommen aus. Das Surfer-Lignano von Zentralamerika. Sauteuer, überlaufen mit Amis und echt nix besonderes. Muss man irgendwie nicht unbedingt gesehen haben.

Nach Jaco gings dann in die nächste Metropole, Quepos. Quepos ist ein Städtchen, das fast genauso viel zu bieten hat wie Jaco. Der einzige Unterschied: weniger Surfer, weil nicht am Meer. Dafür liegt der wunderschöne, aber auch sehr touristische Nationalpark Manuel Antonio gleich daneben. Manuel Antonio ist bekannt für seine weißen Sandstrände, das türkisblaue Meer und das ganze umgeben von Wegen durch den Dschungel voll mit Waschbären, Leguanen, Faultieren und Affen. Wobei man zwischen den Affen mit und ohne Kameras unterscheiden muss. Zugegeben, der Park ist echt schön, aber das bekommt man natürlich auch wieder deutlich in der Geldtasche zu spüren.



Der Park ist also erkundet, es fängt wie so oft an der Pazifikküste, wieder einmal um Punkt 15 Uhr an zu regnen. Nachdem man bei uns daheim oft nicht sagen kann wie das Wetter in zwei Stunden aussieht, ist es hier in der Regenzeit erstaunlich einfach: zwischen halb 3 und 3 fängts zu schütten an, jeden Tag. Da wir mit dem Auto so schön flexibel sind, geht’s nach einem Tag wieder weiter südlich der Pazifikküste, in das verschlafene Nestchen Dominical. Verschlafen deshalb, weil die Hälfte der Hostels leersteht und schön langsam alles zerfällt. Und die andere Hälfte ist auch nicht ganz einwandfrei. Der Strand ist nicht sooo schön, der Ort ein bisschen heruntergekommen, das Essen nicht soo gut, unser Hotel ist zwar schön, aber es stinkt als ob jemand schon eine Zeit lang unterm Bett gelegen wäre. Nachdem es aber ein guter Ausgangspunkt für die Erkundung der rundum gelegenen schöneren Strände ist, haben wir das einzig Sinnvolle getan: Uns eine Flasche Rum gekauft und getrunken bis uns der Geruch egal war.


Zum zweiten und letzten Mal genossen wir das Frühstücksbuffet, das im Zimmerpreis inkludiert war (der ausschlaggebende Grund für 2 Nächte dort) und nachdem wir kaum mehr gehen konnten, weil wir so vollgefressen waren, schleppten wir unsere Rucksäcke erneut ins Auto und starteten ins Ungewisse. Schön langsam hatten wir die Nase gestrichen voll vom Regen an der Pazifikküste und das Einzige was wir wussten, war, dass wetter.com für Puerto Viejo an der Karibikküste strahlenden Sonnenschein und 30 Grad voraussagte, jeden Tag.


Also auf nach Puerto Viejo, schauen wir halt mal, wie das Meer auf der anderen Seite ist. Unser Weg führte uns über Berge, Täler, Kaffeeplantagen, durch Nebel, Regen und Sonne, und das alles in 8 Stunden. Natürlich darf man auch nicht die 2 ungewollten Stadtrunden durch Limón vergessen, aber was tut man nicht alles für ein schnelles Essen beim Schachtelwirt seines Vertrauens. Kurz vorm Abfallen unserer Hintern sind wir dann endlich in Puerto Viejo angekommen. Dort kam wieder Leben in unser Sitzfleisch– es musste ein Quartier für die anstehende Nacht her und das Hostel, das wir im Auge hatten war leider voll. Nach einer ausgiebigen Suche entschieden wir uns für das Billigste – vom Preis und auch von der Ausstattung. Unser Zimmer bestand aus einer Tür, einer Holztreppe und einer Matratze auf einem Holzbrett in Betthöhe. Das Positive war: es hat nicht gestunken. Aber wie auch, wenn die Wände aus Holzgittern mit Moskitonetzen bestehen. Es war ok für eine Nacht, wir fühlten uns ein bisschen wie Abenteurer und wir haben auch erstaunlich gut geschlafen (wahrscheinlich dank der frischen Luft!). Aber nachdem ich die Matratze nur mit meinem Hüttenschlafsack berühren wollte, weil es mich nur beim Anblick alleine schon überall gejuckt hat, sind wir am nächsten Morgen auch schon wieder umgezogen. Und dieses Mal hatten wir Glück, das Hostel auf unserer Wunschliste war frei. Yeah!


Bald stellte sich heraus, wie viel Glück wir damit wirklich hatten, denn nicht nur Zimmer, Küche, Bad waren schön und sauber, sondern auch zwei der Leute, die wir dort kennengelernt haben, machten aus dem Aufenthalt was besonderes. Erstens, der Michi, der Eigentümer – so ein entspannter Typ und als halb Bayer, halb Jordanier, der in Costa Rica wohnt, hatte er einiges zu erzählen und „an guadn Schmäh“ hat er auch  Zweitens, da Hons-Koarl (eigentlich Jean-Charles), ein kreativer, lustiger Bursche aus Frankreich, der schon gut ein Jahr durch die Welt zieht und mit seinen Zeichnungen ganze Geschichten erzählt – der gemeinsame Roadtrip nach Bribri, Bratsi und Manzanillo wird uns noch länger in Erinnerung bleiben – vielleicht sehen wir uns nochmal auf der Reise!



Erwähnenswert ist vielleicht auch, was wir in Puerto Viejo alles gegessen haben. Nämlich viel! Nach fast 3 Monaten auswärtiger Kost, haben wir mal so richtig aufgekocht. Zigeunerschnitzel, Rindsrouladen, frisches Fischsteak, Rindersteak, Spaghetti Carbonara, Nudelsalat – da ist den Toast- und Eierspeisköchen förmlich das Wasser im Mund zusammengelaufen. Und der Michi hat immer nur den Kopf geschüttelt, weil wir solche Riesenportionen verdrückt haben, aber jeden Tag an einem anderen Strand liegen macht eben hungrig!




Schweren Herzens haben wir dann Puerto Viejo nach 10 Tagen verlassen, obwohl wir eine so schöne Zeit hatten, freuten wir uns auf was Neues. 3 Monate lang jeden Tag so schwitzen – irgendwann ist es genug. Also ab nach San Jose, Auto zurückgeben, 2 Tage lang die Stadt besichtigen – erstaunlich schön für eine Hauptstadt in Zentralamerika – und auf geht’s nach Lima.

kurze Zusammenfassung unserer Route in Zentralamerika
Lima – wir erwarteten eine dreckige, laute, chaotische Stadt – und fanden eine saubere, schöne Stadt mit vielen Parks und wahnsinnig gutem Essen vor! Aus den 2 gebuchten Nächten in unserem „Hostel“ wurden 5 und selbst da gingen wir nur ungern. Wahrscheinlich kann aber jede Stadt so schön sein, wenn man einen Gastgeber wie Marco hat. Marco teilt seine Wohnung mit maximal 8 Gästen und verlangt ein bisschen Geld dafür. Dafür bekamen wir ein außergewöhnlich gutes Frühstück, eine Einführung in die Ess- und Trinkkultur Limas und eine atemberaubende Stadtführung bei Nacht. Und jeden Abend eine andere Cocktail-Variante mit Pisco – dem Nationalgetränk Perus. Wir sehnen uns heute noch nach Ceviche im La Red del Pescador und den freundlichen alten Männern im Markt, die Platz machen, damit die Touris auch was Gutes zu essen kriegen!


Wir lassen Lima hinter uns und steuern das nächste Ziel an. Die Oase Huacachina. Wir sind gewarnt: es wird touristisch! Nach NUR 4 Stunden Busfahrt (das ist für uns tatsächlich schon wenig!) gibt es wieder das übliche Gehetze am Busbahnhof: Hee, Amigo, Taxi?? tönt es von allen Seiten. Wir gehen wie immer mit dem seriösesten (oder billigsten) mit. Und eine Jacke mit der Aufschrift “TURISTICO” hat er auch noch, da kann ja schon gar nichts mehr schief gehen. Nach 5 Minuten Taxifahrt in dem ca. kleinsten Taxi der Welt sind wir da. Mitten in der Wüste und darin ein kleiner See, der von Hostels, Hotels und Restaurants umringt ist. Kaum eine halbe Stunde angekommen, werden wir schon in einen Dünenbuggy reingeschubst und auf gehts zum Sandboarden. Wobei das Board eher ein gewöhnliches Holzbrett mit 2 Schlaufen ist, aber es genügt voll und ganz um damit bei einer Düne runterzuschießen. Das Berufsprofil solches Buggyfahrers beinhaltet sicher Lebensmüdigkeit, aber es macht total viel Spaß mit diesem Gefährt durch die Sandberge zu ziehen. Das Kilo Sand, das man nach der Fahrt und dem Sandboarden in Mund, Nase, Ohren und auch in Unterwäsche und Schuhen findet, ist sogar im Preis inkludiert. Das wars aber auch schon was man in Huacachina tun kann. Also wird am nächsten Morgen nochmal die Düne raufgeklettert, den einheimischen Familien ein wenig beim Sandboarden zugeschaut und danach gehts auf nach Arequipa.


Der Nachtbus nach Arequipa bestätigt wieder einmal das Klischee der südamerikanischen Gelassenheit. Er kommt 2 Stunden zu spät und kein Mensch sagt von sich aus ein Wort. Aber naja, schlussendlich steigen wir doch ein, ein bisschen durchgefroren und angefressen, aber eigentlich müssten wir es ja schon gewohnt sein. Nach 12 Stunden im Bus und einem Mann, der 11 Stunden davon lauthals geschnarcht hat, sind wir auch schon am nächsten Stop unserer Reise. Wieder die Taxifahrer am Busbahnhof, wir sind wie immer ein bisschen genervt an den Reisetagen, weil ein Nachtbus trotz allem kein Bett ist, wir sagen dem Taxifahrer die Adresse des gewünschten Hostels und die Fahrt beginnt. Nur endet sie nicht dort wo wir hin wollten. Sondern bei einem Hostel, von dem die Taxifahrer bezahlt werden, damit sie Gäste bringen. Und dann wollten sie uns noch allen Ernstes erzählen, dass es sich um das selbe Hostel handelt, nur der Name wurde geändert. Haha, echt witzig nach 12 Stunden im Bus. Naja, nächstes Taxi, auf zum richtigen Hostel, ist aber leider voll und wir haben nicht reserviert. Tja, nach gründlicher Recherche im Internet lässt sich dann doch noch ein anderes passables finden und wir machen uns auf den Weg. In der Posada del Kuraka werden wir dann sogleich nett empfangen, alles sauber, mit Dachterrasse und auch noch billig. Besser gehts ja kaum. Sie sind zwar alle ganz schön schusselig, können einem kein gutes Restaurant nennen und auch keine wirkliche Auskunft geben, aber menschlich gibt es nichts auszusetzen. Der Besitzer Jose schläft jede Nacht auf einem Gästebett in der Rezeption, damit er die Leute rein und raus lassen kann! Wir entschließen uns für einen 2-Tages-Trek durch den Colca Canyon, damit wir schon einmal ein bisschen für Machu Picchu üben können. Und dieses Training hatten wir auch bitter nötig. Nach 3 Stunden Abstieg in einen Canyon haben uns die Knie schon ziemlich wehgetan. Danach Essen, Swimmingpool, Karten spielen  und bald ins Bett gehen, da wir am ersten Tag um 3 Uhr gestartet sind und am nächsten Tag um 5 Uhr loslegen. Die Runde ist wieder mehr als gemütlich, bestehend aus Emelie und Francois, einem jungen Arztpaar aus der Bretagne, Arthur, einem Brasilianer und uns. Wir kämpfen uns (im wahrsten Sinne des Wortes) wieder die Schlucht rauf, die Luft wird nach oben hin immer dünner, doch schließlich ist es soweit und wir stehen mit zitternden Beinen wieder dort wo wir am Vortag gestartet sind. Nach dem Frühstück (oder wie unser Guide so schön sagte: Breastfast) gehts ab in die wohlverdienten heißen Quellen um unsere beleidigten Muskeln wieder ein bisschen zu beruhigen. Auf dem Weg zurück bleiben wir an dem bisher höchsten Punkt unserer Reise stehen. 4910 Meter. Arthur, der eine Woche zuvor zum ersten Mal in seinem Leben Schnee gesehen hat, wäre fast nicht mehr in den Bus eingestiegen. Wir sind eher schnell wieder drinnen, weil es einfach saukalt ist! Diese Fahrt bot uns dermaßen atemberaubende Ausblicke, dass selbst nach den Anstrengungen der letzten Tage niemand geschlafen hat!



Nach einer Nacht in Arequipa gehts wieder weiter, diesmal an ein ganz besonderes Ziel: Cusco, dem Ausgangspunkt schlechthin für einen Trek nach Machu Picchu. Die Fahrt im Nachtbus ist trotz der couchartigen Ledersitze die Hölle. Bei solch schlechten Strassen wird auch der gemütlichste Sessel zum Schleudersitz. Nach 10 Stunden im Bus (keine Ahnung wie viele davon schlaflos waren) erreichen wir Cusco. Dieses Mal ist zum Glück ein Quartier reserviert und wir müssen unsere müden Körper nur noch dorthin schleifen. Anscheinend sieht man uns die Müdigkeit an, denn der Besitzer des Hostels verweist uns gleich in unser Zimmer, damit wir noch ein bisschen Schlaf bekommen, es ist ja auch erst halb 7 Uhr morgens. Paar Stunden später sieht die Welt schon ganz anders aus und die Erkundung Cuscos kann beginnen. Wir ziehen durch die Stadt um einen Touranbieter für Machu Picchu zu finden. Und kommen zurück mit der Erkenntnis, dass circa jedes zweite Gebäude in dieser Stadt Machu Picchu Treks anbietet. Wir treffen die Entscheidung nach gewohnter Manier: MORGEN. Schlussendlich hätten wir uns all das Gerenne sparen können, wir haben die Tour über unser Hostel gebucht. Obwohl man meinen möchte, dass wir den ganzen Tag Zeit haben, so ein Tag auf unserer Reise kommt uns immer halb so kurz vor wie daheim. Man steht morgens auf, macht Pläne für den Tag, oder auch nicht und wenn man das nächste Mal auf die Uhr sieht, ist es schon abends. Und es gibt immer etwas, das einen aufhält. Manchmal ist es die eigene Faulheit, aber meistens ist es einfach nur Südamerika.


Wieder einmal ein kleines Beispiel zur Veranschaulichung:

 Als wir die Tour für Machu Picchu gebucht haben, sind wir um 8 Uhr morgens in die empfohlene Agentur, weil wir am selben Tag noch eine Ruine eine Stunde außerhalb der Stadt besichtigen wollten. Aber da die Agentur unsere Ausweise braucht um die Eintrittskarten kaufen zu können, und wir die Ausweise auch für die andere Ruine brauchen, wird halt wieder einmal auf morgen verschoben. Wir bringen unsere Wäsche am selben Vormittag zur Wäscherei und es heißt, wir können sie am Abend holen. Gut, denken wir, da wir in 2 Tagen den Trek starten. Tja, der Tag wird dann in einer anderen Ruine verbracht, die wir zu Fuß erreichen können, es gibt ja genug hier. Sagsayhuaman bietet uns einen tollen Blick über die Stadt, das Gefühl durch richtig alte Mauern zu wandern und zuletzt treffen wir noch 5 Kinder mit einem Esel, die Kinder sehen unsere Kamera und rufen: Una foto, una foto! Wir freuen uns über das Foto, die Kinder freuen sich über den einen Sol (umgerechnet 0.27 EUR), den sie für das Foto verlangen. Man kann eben nie früh genug anfangen, die Touris auszubeuten! Später begegnen wir noch Perez, dem Lamm mit Hut und Halskette, das mir gleich in die Hand gedrückt wird, natürlich auch gegen die allgemeine Aufwandsentschädigung von einem Sol. Es wird also den ganzen Tag an der Höhenluft erkundet, was das Zeug hält, denn Cusco liegt auf 3300 Meter und da hat man anfangs schon ein bisschen mit der Luft zu kämpfen. Abends gehen wir dann wieder bei der Wäscherei vorbei (alles andere war noch offen!), die Wäscherei ist geschlossen. Hm, man hört Musik, das Licht ist an. Auf Empfehlung der Nachbarin klopfen wir laut an der Tür. Nichts. Hm, denken wir, schei*e. Naja, hilft nicht, holen wir die Wäsche morgen früh bevor wir nach Pisaq und Ollantaytambo fahren. Wir stehen um halb 9 Uhr vor der Tür, geschlossen. Wir fragen wieder die Nachbarin, derselbe Rat - klopfen. Die Tür ist schon fast durchgeklopft, es tut sich aber nichts. Laut der Nachbarin wird “meistens” zwischen 9 und halb 10 geöffnet. Wir gehen ziemlich sauer, weil wir wieder nicht wie geplant wegkommen. 45 Minuten später stehen wir wieder vor der Tür, dieses Mal ist sie offen! Juhu! Doch zu früh gefreut. Wir müssen nochmal fast eine Stunde auf unsere Wäsche warten, weil es in der Strasse wegen Bauarbeiten gestern kein Wasser gab und sie erst heute waschen konnten! Die Leute wussten es natürlich gestern schon, aber wer schickt den schon gern zahlende Kundschaft weg. Also machen wir uns 3 Stunden später als geplant mit einer Mischung aus Frust und Wut auf den Weg nach Pisaq, Ollantaytambo wird wieder gestrichen. So vergeht die Zeit.



Pisaq ist eine Inkaruine im Heiligen Tal ca. 40 Minuten von Cusco entfernt. Wir wussten wieder einmal nicht wirklich was uns erwartet. Das sind meistens die besten Überraschungen. Die Stadt Pisaq ist klein, sauber und gemütlich und die Ruinen sind riesig! Wir fahren mit dem Taxi zum  Eingang der Ruinen, der auf einem Berg liegt. Den ganzen Weg ins Tal runter wird man begleitet von Ruinen, Terrassen und einem fantastischen Ausblick auf die Berge, die Stadt und den Fluss. Wir genießen das ganze Rundherum, lassen uns die Sonne ins Gesicht scheinen und machen uns langsam wieder auf in die Stadt um dort für 2 Soles den besten Apfelstrudel seit langer Zeit zu erstehen. Mit einem kleinen Stück Heimat und dem ganzen Gesicht voller Staubzucker sitzen wir glücklich im Bus nach Cusco und versuchen zu verdrängen, dass wir daheim noch packen müssen, weil am nächsten Morgen der Trek nach Machu Picchu beginnt.



Wir haben uns beim Trek aus verschiedenen Gründen für den Inka Jungle Trek entschieden. Vor allem ich hatte Schiss, dass mir die Höhe und der scheinbar harte Trek des Salkantays zu viel wird. Außerdem musste eine Woche vorher eine Gruppe umkehren, weil es so geschneit hatte, dass sie nicht weiter konnten. Also haben wir uns für den Weichei-Trek entschieden. Dafür wollten wir aber soviel wie möglich gehen, denn es gab immer noch überall optionale Erleichterungen für die Ober-Touris. Der erste Tag war selbst mir zu langweilig - mit Mountainbikes (!) eine asphaltierte Bergstraße runterfahren, und das nicht einmal zur Gänze. Naja, die anderen waren dankbar für die Busfahrt. Den zweiten Tag sind wir insgesamt 8 Stunden gegangen. Es war heiß, aber der Weg selber war “Peruvian Flat” wie unser Guide sagte. Ein bisschen rauf, ein bisschen runter, manchmal wieder ein kurzes Stück Treppen, aber meistens eher easy, auch für Nicht-Bergsteiger wie wir. Abends ein Bad in den heißen Quellen gleich in der Nähe des zweiten Quartiers. Dritter Tag, Eduardo, der Guide und wir sind gut 5 Stunden gelaufen, die anderen gingen ziplinen mit anschließender Busfahrt und haben uns für 2,5 Stunden lang beim gehen durch die peruanische Ebene begleitet. (Manche werden nämlich schon ab 1500 Metern höhenkrank, obwohl die Luft erst ab 3000 Meter dünner wird!) Angekommen in Aguas Calientes gings in das dritte und letzte Quartier. Anfangs waren noch alle davon überzeugt, am nächsten Morgen den restlichen Weg nach Machu Picchu zu laufen, ein steiler Weg, der großteils aus Treppen besteht, dafür aber nur eine Stunde lang dauert. Schlussendlich waren es jedoch wieder nur Eduardo und wir, die um halb 5 Uhr früh aufbrachen um zu Fuß zu gehen. Die anderen kauften sich ein Busticket. Der Weg war tatsächlich hart, aber wir schafften es in 43 Minuten die Treppen rauf und waren die dritten, die an diesem Tag die riesige Inkastadt betreten durften, gefolgt von der faulen Meute, die sich mit dem Bus raufkutschieren ließ. Kaum konnten wir den Ausblick genießen und uns ein bisschen von dem Aufstieg erholen, mussten wir auch schon auf den nächsten Berg. Wir haben das limitierte Ticket für Huaynapicchu bekommen und man darf dort nur zwischen 7 und 8 Uhr rein. Also sind wir auch auf diesen Berg gestartet um vom 300 Meter höheren Gipfel auf das Areal zu starren. Auch diesen Aufstieg haben wir gut gemeistert, bis wir auf die blöde Idee gekommen sind, die beschilderte Höhle auf der anderen Seite des Berges anzuschauen. Was wir nämlich nicht wussten, war, dass diese Höhle fast ganz unten war, nur auf der Rückseite. Nachdem ich während des ganzen Abstiegs gebetet habe, dass es einen Rundweg gibt, der danach flach zu Machu Picchu führt, wurden wir nach Besichtigung der Höhle, die meiner Meinung nach diese Qualen nicht wert war, eines Besseren belehrt. Also noch einmal rauf UND runter um zurück nach Machu Picchu zu gelangen, wo wir uns dann einen kurzen Schönheitsschlaf auf einer der ehemaligen Anbauterrassen genehmigt haben, denn die Beine waren leer und der Tag war eindeutig zu lang. Zurück nach Aguas Calientes ging es dann mit dem Bus, denn auf unsere Beine war kein Verlass mehr. Von dort aus trafen wir auch wieder auf unsere Gruppe, von denen alle mit dem Bus rauf und wieder runtergefahren sind, aber dafür die Ersten waren, die auf Facebook gepostet haben: Ich habs geschafft - ich war auf Machu Picchu!



So, der nächste Roman ist fertig, jetzt gibts einen Feierabend-Pisco!

Salud!



Donnerstag, 1. August 2013

Breaking News

Ein neues Blogupdate ist fällig, denn seit dem letzten Eintrag hat es uns von Guatemala über El Salvador nach Nicaragua und schlussendlich nach Costa Rica verschlagen. Wenn ich mir das Ganze mal so richtig durch den Kopf gehen lasse, heißt das, dass wir ganz schön flott waren!

Den Spanisch-Kurs und das Hostel mit der ganz speziellen „Wärme“ haben wir gut überstanden. Diese verrückte Woche in Antigua erreichte am Samstag ihren Höhepunkt. Wir durften eine Band in unserem Innenhof genießen, anscheinend war einer der Band auch beim Buena Vista Social Club beteiligt, aber nachdem uns das der Inhaber des Hostels erzählt hat und wir Sergio nach ein paar Tagen nicht mehr alles abkauften, was er so erzählt… Naja, kann man glauben oder auch nicht, auf jeden Fall war es ein schöner Auftakt für den bevorstehenden Samstagabend. Danach war wieder einmal gratis Salsa-Stunde angesagt und mit zunehmendem Alkoholpegel wurden auch die Bewegungen geschmeidiger J Nur Sergio fühlte sich anscheinend unterfordert und kompensierte seine Langeweile indem er munter weitertrank während wir alle tanzten. Nachdem wir gut aufgewärmt noch ein wenig im Innenhof saßen, sorgte der Inhaber dieses Mal unfreiwillig für unsere Belustigung  indem er auf der Toilette einschlief und so laut schnarchte, dass wir es bis in den Innenhof hören konnten… Ja ja, so geht’s zu auf der Welt J




Außerhalb des Hostels haben wir in Antigua natürlich auch noch etwas unternommen, abgesehen von dem Spanisch-Kurs haben wir mit unseren alten Bekannten, dem Pärchen aus Frankreich und Marc aus Hong Kong (eigentlich Ming-Yo – aber die haben TATSÄCHLICH auch einen englischen Namen, damit die „Westler“ sich nichts neues merken müssen!!!) die Stadt erkundet und haben den aktiven Vulkan Pakaya erklommen. Manche haben sich für diesen Aufstieg ein Pferd + Führer gekauft, damit sie die knapp 90 Minuten Aufstieg nicht schwitzen müssen…


Nach 8 Tagen in Antigua haben wir uns per Shuttle auf den Weg nach El Salvador an den Surfspot „El Tunco“ gemacht. Dort hat uns dann der Fluch des fremden Essens Teil 2 besucht und dieses Mal hatte er sein Hauptaugenmerk auf mir. Rudi’s Geburtstagstorte für mich zählt zu den Hauptverdächtigen – vielleicht wollte er auch einfach mal einen Tag alleine unterwegs sein, da ich völlig außer Gefecht gesetzt war. Naja, nach einem „gemütlichen“ Tag zwischen Bad und Bett war ich wieder halbwegs bereit für die Zivilisation. Andere zahlen einen Haufen Geld für ein paar Tage Entschlackungs- und Fastenkur – hier war das ganze für einen Preis von 9 Euro inkludiert! Alles in allem haben wir jedoch nicht sehr viel von El Salvador gesehen, eine Woche an einem Surfspot verrät nicht wirklich viel über ein Land… Aber nachdem es nicht den besten Ruf hat, wollten wir es ja gar nicht anders. Nichtsdestotrotz erhascht man immer wieder ein paar Eindrücke der Einheimischen und findet nette Leute aus allen möglichen Ländern mit denen man sich austauschen kann.


Eine kleine Geschichte, damit ihr ein Bild von der Mentalität bekommt:
Wir hätten geplant an einem Sonntag von El Tunco nach Leòn, Nicaragua zu reisen. Der Bus dorthin fährt alle 2 Tage, der letzte ist an einem Freitag gefahren. Also müsste alles passen. Rudi fragt also am Freitag den Typen in der 2x2m Wellblechhütte, die sich als Tourismusbüro ausgibt, ob es noch Plätze gibt für Sonntag, Preis, usw. Und zuletzt, ob er am Samstag auch da ist, da ich noch krank war und wir nicht wussten, ob ich am Sonntag schon reisefähig bin oder nicht. Er gibt ihm die Infos, alles kein Problem, morgen um diese Zeit ist er auch da, da können wir es ihm dann sagen. Nächster Tag um dieselbe Zeit – kein Mensch da. Eine Stunde später auch nicht. Hm, naja, den ganzen Tag kommt keiner. Bis dann einer vom Hostel angerufen hat – naja, der Bus für Sonntag ist voll, der nächste geht am Dienstag um 9.30 Uhr und um 9 Uhr sollen wir spätestens da sein. Ok, bleiben wir also noch bis Dienstag – auch kein Problem. Dienstag 9 Uhr, wir sind natürlich Vorzeigetouris und sind um Punkt 9 Uhr dort, ein paar andere auch schon und es kommen immer mehr. Und da El Tunco ein bekannter Surfspot ist, haben fast alle außer uns auch ihre Surfboards dabei. Wir fangen schon langsam an zu überlegen wie 20 Leute und ca 15 Surfboards in einen Bus für 20 Personen ohne Dachhalterung reinpassen sollen. Naja, der Busfahrer wird auch immer nervöser, es wird 9.30 Uhr – 9.45 Uhr – 10.00 Uhr… es ist ziemlich heiß, die Surfboards liegen auf der Straße, dem Busfahrer rinnt der Schweiß von der Stirn und uns natürlich auch. Bis dann mal jemand sagt: Wir müssen auf den Typen von dem Reisebüro warten, weil wegen der vielen Surfboards ein zweiter Bus gebraucht wird und außerdem muss für die Boards noch eine zusätzliche Gebühr verlangt werden, was aber beim Ticketverkauf kein Mensch erwähnt hat. Den Surfern schmeckts nicht unbedingt, jeder schwitzt wie ein Schwein und die bevorstehende 10-Stunden-Fahrt machts auch nicht besser. Naja, irgendwann ist dann endlich alles verstaut und die Fahrt kann also nach nur ca 90 Minuten Verspätung losgehen – und wir sind uns ziemlich sicher, dass sich diese kleine Inszenierung sicher jeden zweiten Tag abspielt. Die Busfahrt selbst ist dann echt problemlos gelaufen – natürlich war die musikalische Untermalung wieder einmal perfekt – der Busfahrer war offensichtlich schwerhörig und ein riesiger Fan von David Guetta und den Backstreet Boys.



Tja, so weit, so gut. In Leòn angekommen, haben wir uns zuerst auf die Suche nach einem Hostel und etwas Essbarem gemacht. Auf Empfehlung des Rezeptionisten sind wir in eine Karaoke-Bar und wurden Zeugen von einem ganzen Lokal voll mit schwulen Shakira- und Schlager-Fans, die lautstark und mit sexy Hüftschwung ihre Hits zum Besten gaben. Erwähnenswert war auch das Museum der Revolution in Nicaragua. Das Museum selbst war nicht das Highlight, aber die älteren Herren, die dort arbeiten und selbst dabei waren, machen das ganze umso interessanter. Juan, unser Guide, hat selbst mit 14 Jahren an vorderster Front mitgekämpft und uns alles bis ins kleinste Detail erzählt (auf Spanisch!) Wer jetzt genau wen ermordet hat und wer der wirkliche Böse war, haben wir zwar nicht gleich gepeilt (wofür gibt’s Wikipedia?), aber als er uns dann seine Einschusswunde am Hintern präsentiert hat, konnten wir dem Museum getrost das Prädikat „sehenswert“ verleihen.



 Nach Leòn ging es dann weiter dann nach Matagalpa. Eine Stadt, die nicht vom Tourismus abhängig ist. So hat es sich zumindest für uns angefühlt. Die Leute im Hostel waren nett, aber das wars eigentlich schon mit den netten Leuten. Irgendwie fühlten wir uns ein bisschen fehl am Platz, da wir in den Restaurants und Cafès immer ein wenig wie Aussätzige behandelt wurden. Außer die eine Frau, die in einer Bar an unseren Tisch gekommen ist und uns zu sich nach Hause eingeladen hat, weil ihr Mann bei Nestlè arbeitet und sie einen Pool haben (!?) „hey, we don’t rape people…not really.“ Das Schöne an Matagalpa ist, dass man aus der Stadt ca. 15 Minuten lang steil bergauf geht und man steht mitten im grünen Nirgendwo und hat einen tollen Ausblick. Außerdem hätte es 2 Seen gegeben, aber nachdem wir über 2 Stunden bergauf durch Wälder und Wiesen gewandert sind und dann nur ganz kurz eine Obstplantage kreuzen wollten… sind wir prompt mit einem Gewehr verjagt worden und mussten wieder umkehren. Naja, schön war‘s trotzdem und an der frischen Luft waren wir auch. J


Nachdem wir noch ein paar Tage bis zum Wiedersehen mit Boris und Barbara hatten und noch nicht nach Granada, den angekündigten Treffpunkt, wollten, sind wir nach Laguna de Apoyo. Einem schönen, klaren Kratersee in einem Naturreservat und einem gemütlichen Hostel namens Peace Project umzingelt von Bäumen voll mit Brüllaffen, Eichhörnchen, Papageien.  Nach 2 Nächten, einer langen Partie „Cards against Humanity“ und Bauchschmerzen vor Lachen, geht’s wieder weiter. Rein in den nächsten Chickenbus – PROXIMA ESTACION Granada!



Die Fahrten im Chickenbus werden einfach nicht langweilig, immer wieder gibt es was Lustiges, Interessantes oder auch Ekliges zu entdecken. Meist ganz schön anstrengend, da die Busse oft hoffnungslos überfüllt sind und die Leute alles von Spanplatten über riesige Körbe bis hin zu Topfpflanzen mittransportieren. Dazwischen sind wir irgendwo mit unseren großen Rucksäcken eingezwängt und trotzdem gibt es noch irgendwo Platz für eine Verkäuferin mit ihrem Korb voll mit klebrigen Getränken oder irgendwelchen Süßigkeiten und einen Mann, der ein riesiges Plastiksackerl voller kleiner Plastiksackerl mit Wasser auf der Schulter balanciert . Die Leute beißen ein Loch in diese Sackerl rein und saugen das Wasser raus, danach wird der Müll beim Fenster rausgeworfen. Aber hier gibt es kein Problem mit Müll. Liegt zu viel davon herum, gibt’s ein kleines Lagerfeuer und schon ist alles wieder „sauber“. Sauberkeit ist hier auch so ein Thema. Sauber bedeutet hier meist nicht dasselbe wie daheim. Die Wäsche wird mit kaltem Wasser gewaschen, Raumsprays ersetzen oftmals das wirkliche Putzen und es gibt in Hostelküchen generell keine Geschirrspülmittel oder Geschirrtücher. Es gibt einen Schwamm, der schon lange nicht mehr neu ist und einen Plastikbecher voll „Axion“. Ich glaube, der Hauptzweck von „Axion“ ist, dass der Schwamm nicht so stinkt. Die Eingänge und Terrassen werden gewischt, wenn es regnet, weil dann ist ja praktischerweise schon alles nass. Dreck verteilen, dafür gründlich.

Ich hoffe, es wird nicht zu negativ aufgefasst was ich hier alles schreibe. Es ist wunderschön hier und um euch das zu zeigen, bemüht sich Rudi fast täglich um Fotos, die den Ländern, den Menschen und unseren Impressionen  gerecht werden. Und ich vergleiche oft gerne. Unsere Traditionen, Mentalitäten, Gewohnheiten mit deren. Und es gibt soviele Unterschiede, oft einfach nur Kleinigkeiten, die jedoch dermaßen anders sind, dass ich das einfach irgendwie festhalten möchte. Es gibt soviele Momente, die wir nicht mit der Kamera festhalten können oder auch wollen, da es uns einfach als unpassend erscheinen würde. Kinder, die draußen mit Murmeln spielen; Männer, die eine Herde von Kühen, Pferden, Hunden und Schweinen auf den Straßen herumtreiben; Frauen, die die Wäsche einer ganzen Familie mit einem Waschbrett waschen; Jugendliche, die am Fußballplatz zwischen Schweinen, Kühen und Pferden hin und her rennen; Verkäuferinnen, die mitten im Geschäft lautstark singen; eine 4-köpfige Familie auf einem Motorrad – um nur ein paar Beispiele aufzuzählen.


So… genug mit den Eindrücken – es geht also weiter nach Granada. Wir kommen dort an, suchen unser Hostel, checken ein und brechen zur Futtersuche auf. Wer kommt in diesem Moment im Taxi daher? Ganz genau – Boris und Barbara. Granada geht irgendwie in der Wiedersehensfreude unter. Ein schönes Gefühl, wenn man in dem ganzen Neuen auch was Vertrautes hat. Es werden Erfahrungen ausgetauscht, Tipps gegeben und keine Ahnung wie oft der Satz gefallen ist: Jo, genau, des is uns a aufgfoin!



Nach ein paar Tagen geht’s weiter an den Strand Popoyo/Guasacate – die beiden Beachboys werden schon von den Wellen gerufen! Nach einer Nacht in einem Hostel ziehen wir um in ein Haus am Strand. 2 Schlafzimmer, 2 Badezimmer, Küche im Freien und eine riesige Terrasse mit Grill um ganze 8 USD pro Nase. Danke! Eine Woche Ruhe, Meer, Surfen, mit einem etwas lädierten Motorrad die Gegend erkunden, Mahlzeiten mit Blick aufs Meer und jeden Abend wunderschöne Sonnenuntergänge. Schon fast kitschig. Genauso wie das WAHNSINNS Lagerfeuer, für das sich Rudi ohne Rücksicht auf Verluste aufgeopfert hat und das am nächsten Tag am Morgen noch vor sich hin geglüht hat.


Bevor sich unsere Wege wieder trennen, führen sie uns nochmal gemeinsam auf die Isla de Ometepe im Lago Nicaragua. Eine Insel mit 2 Vulkanen in einem See in Nicaragua – das muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen. Rudi und Boris, die beiden Partylöwen, wurden in Moyogalpa  Zeugen einer denkwürdigen Szene. Es war der Abend vor einem Feiertag. Auf den Straßen war mehr los als gewöhnlich. Kirtag quasi. Fast wie in Diersbach, nur ohne Schmiedleitner ;-) (Anmerkung von Rudi). Nur reiten die Leute in Diersbach nicht auf Pferden daher, binden diese mitten am Gelände zusammen, lassen sie einfach dort stehen, setzen sich auf der nächsten Gartengarnitur und bestellen ein paar Liter Bier. Beim Reiten gibt’s keine Promillegrenze.


Wir haben zwar keine Pferde, sind jedoch auch sehr mobil. 2 Ausfahrten mit dem Fahrrad, Motorradtour und perfekt funktionierendes Hitchhiking machen uns die Erkundung der Insel relativ einfach. Nach ein paar Tagen in Moyogalpa geht’s dann auf der Ladefläche eines Pickups auf die andere Seite der Insel nach Santa Cruz, wieder mit eigenem Hausvulkan und einer Unterkunft, die seinesgleichen sucht. Schönes Zimmer mit Terrasse und ein Garten davor, der jeden Naturliebhaber zum Staunen bringt.


Doch genau dieser Vulkan hat mir ein kleines Andenken beschert. Nachdem wir uns zu viert durch einen malerischen Weg aus Kühen, Bananen- und Mangobäumen und Reisfeldern bishin zum Aussichtspunkt des Vulkanes gekämpft haben, fing es – wie so häufig um diese Zeit – an, ziemlich stark zu regnen. Und irgendwann am Weg hinunter, hat es mir „die Haxn ausgrissen“ und mein Kopf hat sich mit einem großen Stein angefreundet. Zum Glück hatte ich ein ganzes Team aus fähigen und kreativen Ersthelfern dabei. Klopapier und Unterleiberl – ein super Druckverband! Naja, hab ich also ein nicaraguanisches Krankenhaus auch von innen gesehen, 2 Stiche und eine Spritze umsonst bekommen und Rudi trägt mir nun für ein paar Tage meinen Rucksack – es hätte also durchaus schlimmer kommen können J



Nach 4 Tagen Santa Cruz und 2 Tagen mit Pflaster am Kopf ist es langsam wieder Zeit, dass sich unsere Wege trennen. Boris und Barbara bleiben noch ein wenig auf Ometepe, für uns gehts mit einer Nachtfähre Richtung Costa Rica. Kaum zu glauben, wie gemütlich diese Art zu Reisen ist! Ein Boot, das die ganze Nacht ein wenig schaukelt und eine lange, gepolsterte Bank für einen ganz alleine. Eine angenehme Alternative zum Nachtbus. Zwischen der Fähre und einer Bootsfahrt auf dem Rio Frío nach Costa Rica wird kurz gefrühstückt, vor 2 langen Busfahrten zu Mittag gegessen und irgendwann nach 30 langen Stunden des Reisens, ist man dann endlich dort angelangt, wo man hin wollte  – La Fortuna, Costa Rica.


Der Kulturschock sitzt zunächst tief, aber diesmal ganz anders. Hier gibt es tatsächlich richtige Supermärkte, Fast Food-Ketten, große Hotels und statt den Schweinen tummeln sich „Massen“ von amerikanischen Familien auf den Straßen und schlemmen sich durch die „sauteuren“ Restaurants. Zum ersten Mal auf unserer Reise kommen wir in Kontakt mit dem Pauschaltourismus. Leute reden mit uns in fließendem Englisch (nachdem wir ihnen erklären, dass wir nicht aus Argentinien kommen) und dank den vielen Amis, ist im Supermarkt das Wasser teurer als irgendwelche klebrig-süßen Farbstoffgetränke. Hier zahlt man für 2 Liter Wasser soviel wie in Nicaragua für 25 Liter!

Aber nachdem nicht alles am Pauschaltourismus schlecht ist, haben wir es uns heute mal gut gehen lassen um die Anstrengungen der letzten Tage abzuwaschen.  Ausgiebige Canopy-Tour mit anschließendem Badeaufenthalt in den heißen Vulkanquellen in einem der großen Ressorts. Super touristisch, zugegeben – aber eine Wohltat!



So, unser schlechtes Gewissen ist bereinigt, die Finger wundgetippt, der Blog auf dem neuesten Stand!

 Also bis bald – und PURA VIDA! J

Bilder:

Antigua