Montag, 9. September 2013

Tapetenwechsel

Wir sitzen gerade in Cusco, verdauen die Eindrücke von Machu Picchu und es ist wieder mal höchste Eisenbahn für den nächsten Bericht.

In La Fortuna (Costa Rica) haben wir außer einer Canopy-Tour mit anschließendem Spa-Tag, noch den halben Tag den Hund vom Hostel gestreichelt, uns bei dem mürrischen Hostelbesitzer Pete eingeschleimt, damit er uns nicht auch wie die anderen rauswirft und uns zwischen den dicken Ami-Familien bei Burger King durchgekämpft. Sautrawe, also!

In dem kleinen Städtchen sieht man gleich mal, was Costa Rica vom restlichen Zentralamerika deutlich unterscheidet: Massen von Touristen. Was natürlich zu besserer Infrastruktur führt, aber auch zu weitaus höheren Preisen.

Aber natürlich versuchen wir auch hier wieder unser Budget nicht unnötig zu strapazieren und haben uns daher gleich mal in Orotina bei dem Verwandten einer Verwandten eines Verwandten... also bei Christoph und dessen Familie eingenistet. Hier wurden wir wie alte Freunde empfangen, obwohl wir uns noch nie vorher gesehen hatten. Diese Liebenswürdigkeit zog sich durch die ganze Familie durch bis hin zu Gogy, ihrem Pudel. Auch auf diesem Weg nochmals Danke an die Nussi Collecion  und natürlich auch ein großes Dankeschön an Manu, die sofort die Vermittlerin gespielt hat - alles Gute für euer bevorstehendes Ereignis!!!


Nach einem langen Wochenende als Schmarotzer in Orotina, haben wir uns auf den Weg ins Hilton Hotel in Puntarenas begeben… aber nur um unseren Mietwagen abzuholen um mal für 2 Wochen Abstand von den elendslangen Busfahrten zu gewinnen und Costa Rica mit dem Auto zu erkunden.

Die erste Fahrt ging Richtung Meer. Irgendwie komisch, wenn man nach über 2 Monaten wieder zu zweit in einem Auto sitzt. Für einen kurzen Moment war es eine Mischung aus „wie daheim“ und ungewohnt, aber eine schöne Alternative zu einem vollgestopften Bus mit einem Parasitenproblem. Natürlich ums Vielfache teurer, aber man gönnt sich ja sonst nichts!

 Jaco wurde als nächster Zwischenstopp für eine Nacht auserkoren. Und diese Nacht reichte vollkommen aus. Das Surfer-Lignano von Zentralamerika. Sauteuer, überlaufen mit Amis und echt nix besonderes. Muss man irgendwie nicht unbedingt gesehen haben.

Nach Jaco gings dann in die nächste Metropole, Quepos. Quepos ist ein Städtchen, das fast genauso viel zu bieten hat wie Jaco. Der einzige Unterschied: weniger Surfer, weil nicht am Meer. Dafür liegt der wunderschöne, aber auch sehr touristische Nationalpark Manuel Antonio gleich daneben. Manuel Antonio ist bekannt für seine weißen Sandstrände, das türkisblaue Meer und das ganze umgeben von Wegen durch den Dschungel voll mit Waschbären, Leguanen, Faultieren und Affen. Wobei man zwischen den Affen mit und ohne Kameras unterscheiden muss. Zugegeben, der Park ist echt schön, aber das bekommt man natürlich auch wieder deutlich in der Geldtasche zu spüren.



Der Park ist also erkundet, es fängt wie so oft an der Pazifikküste, wieder einmal um Punkt 15 Uhr an zu regnen. Nachdem man bei uns daheim oft nicht sagen kann wie das Wetter in zwei Stunden aussieht, ist es hier in der Regenzeit erstaunlich einfach: zwischen halb 3 und 3 fängts zu schütten an, jeden Tag. Da wir mit dem Auto so schön flexibel sind, geht’s nach einem Tag wieder weiter südlich der Pazifikküste, in das verschlafene Nestchen Dominical. Verschlafen deshalb, weil die Hälfte der Hostels leersteht und schön langsam alles zerfällt. Und die andere Hälfte ist auch nicht ganz einwandfrei. Der Strand ist nicht sooo schön, der Ort ein bisschen heruntergekommen, das Essen nicht soo gut, unser Hotel ist zwar schön, aber es stinkt als ob jemand schon eine Zeit lang unterm Bett gelegen wäre. Nachdem es aber ein guter Ausgangspunkt für die Erkundung der rundum gelegenen schöneren Strände ist, haben wir das einzig Sinnvolle getan: Uns eine Flasche Rum gekauft und getrunken bis uns der Geruch egal war.


Zum zweiten und letzten Mal genossen wir das Frühstücksbuffet, das im Zimmerpreis inkludiert war (der ausschlaggebende Grund für 2 Nächte dort) und nachdem wir kaum mehr gehen konnten, weil wir so vollgefressen waren, schleppten wir unsere Rucksäcke erneut ins Auto und starteten ins Ungewisse. Schön langsam hatten wir die Nase gestrichen voll vom Regen an der Pazifikküste und das Einzige was wir wussten, war, dass wetter.com für Puerto Viejo an der Karibikküste strahlenden Sonnenschein und 30 Grad voraussagte, jeden Tag.


Also auf nach Puerto Viejo, schauen wir halt mal, wie das Meer auf der anderen Seite ist. Unser Weg führte uns über Berge, Täler, Kaffeeplantagen, durch Nebel, Regen und Sonne, und das alles in 8 Stunden. Natürlich darf man auch nicht die 2 ungewollten Stadtrunden durch Limón vergessen, aber was tut man nicht alles für ein schnelles Essen beim Schachtelwirt seines Vertrauens. Kurz vorm Abfallen unserer Hintern sind wir dann endlich in Puerto Viejo angekommen. Dort kam wieder Leben in unser Sitzfleisch– es musste ein Quartier für die anstehende Nacht her und das Hostel, das wir im Auge hatten war leider voll. Nach einer ausgiebigen Suche entschieden wir uns für das Billigste – vom Preis und auch von der Ausstattung. Unser Zimmer bestand aus einer Tür, einer Holztreppe und einer Matratze auf einem Holzbrett in Betthöhe. Das Positive war: es hat nicht gestunken. Aber wie auch, wenn die Wände aus Holzgittern mit Moskitonetzen bestehen. Es war ok für eine Nacht, wir fühlten uns ein bisschen wie Abenteurer und wir haben auch erstaunlich gut geschlafen (wahrscheinlich dank der frischen Luft!). Aber nachdem ich die Matratze nur mit meinem Hüttenschlafsack berühren wollte, weil es mich nur beim Anblick alleine schon überall gejuckt hat, sind wir am nächsten Morgen auch schon wieder umgezogen. Und dieses Mal hatten wir Glück, das Hostel auf unserer Wunschliste war frei. Yeah!


Bald stellte sich heraus, wie viel Glück wir damit wirklich hatten, denn nicht nur Zimmer, Küche, Bad waren schön und sauber, sondern auch zwei der Leute, die wir dort kennengelernt haben, machten aus dem Aufenthalt was besonderes. Erstens, der Michi, der Eigentümer – so ein entspannter Typ und als halb Bayer, halb Jordanier, der in Costa Rica wohnt, hatte er einiges zu erzählen und „an guadn Schmäh“ hat er auch  Zweitens, da Hons-Koarl (eigentlich Jean-Charles), ein kreativer, lustiger Bursche aus Frankreich, der schon gut ein Jahr durch die Welt zieht und mit seinen Zeichnungen ganze Geschichten erzählt – der gemeinsame Roadtrip nach Bribri, Bratsi und Manzanillo wird uns noch länger in Erinnerung bleiben – vielleicht sehen wir uns nochmal auf der Reise!



Erwähnenswert ist vielleicht auch, was wir in Puerto Viejo alles gegessen haben. Nämlich viel! Nach fast 3 Monaten auswärtiger Kost, haben wir mal so richtig aufgekocht. Zigeunerschnitzel, Rindsrouladen, frisches Fischsteak, Rindersteak, Spaghetti Carbonara, Nudelsalat – da ist den Toast- und Eierspeisköchen förmlich das Wasser im Mund zusammengelaufen. Und der Michi hat immer nur den Kopf geschüttelt, weil wir solche Riesenportionen verdrückt haben, aber jeden Tag an einem anderen Strand liegen macht eben hungrig!




Schweren Herzens haben wir dann Puerto Viejo nach 10 Tagen verlassen, obwohl wir eine so schöne Zeit hatten, freuten wir uns auf was Neues. 3 Monate lang jeden Tag so schwitzen – irgendwann ist es genug. Also ab nach San Jose, Auto zurückgeben, 2 Tage lang die Stadt besichtigen – erstaunlich schön für eine Hauptstadt in Zentralamerika – und auf geht’s nach Lima.

kurze Zusammenfassung unserer Route in Zentralamerika
Lima – wir erwarteten eine dreckige, laute, chaotische Stadt – und fanden eine saubere, schöne Stadt mit vielen Parks und wahnsinnig gutem Essen vor! Aus den 2 gebuchten Nächten in unserem „Hostel“ wurden 5 und selbst da gingen wir nur ungern. Wahrscheinlich kann aber jede Stadt so schön sein, wenn man einen Gastgeber wie Marco hat. Marco teilt seine Wohnung mit maximal 8 Gästen und verlangt ein bisschen Geld dafür. Dafür bekamen wir ein außergewöhnlich gutes Frühstück, eine Einführung in die Ess- und Trinkkultur Limas und eine atemberaubende Stadtführung bei Nacht. Und jeden Abend eine andere Cocktail-Variante mit Pisco – dem Nationalgetränk Perus. Wir sehnen uns heute noch nach Ceviche im La Red del Pescador und den freundlichen alten Männern im Markt, die Platz machen, damit die Touris auch was Gutes zu essen kriegen!


Wir lassen Lima hinter uns und steuern das nächste Ziel an. Die Oase Huacachina. Wir sind gewarnt: es wird touristisch! Nach NUR 4 Stunden Busfahrt (das ist für uns tatsächlich schon wenig!) gibt es wieder das übliche Gehetze am Busbahnhof: Hee, Amigo, Taxi?? tönt es von allen Seiten. Wir gehen wie immer mit dem seriösesten (oder billigsten) mit. Und eine Jacke mit der Aufschrift “TURISTICO” hat er auch noch, da kann ja schon gar nichts mehr schief gehen. Nach 5 Minuten Taxifahrt in dem ca. kleinsten Taxi der Welt sind wir da. Mitten in der Wüste und darin ein kleiner See, der von Hostels, Hotels und Restaurants umringt ist. Kaum eine halbe Stunde angekommen, werden wir schon in einen Dünenbuggy reingeschubst und auf gehts zum Sandboarden. Wobei das Board eher ein gewöhnliches Holzbrett mit 2 Schlaufen ist, aber es genügt voll und ganz um damit bei einer Düne runterzuschießen. Das Berufsprofil solches Buggyfahrers beinhaltet sicher Lebensmüdigkeit, aber es macht total viel Spaß mit diesem Gefährt durch die Sandberge zu ziehen. Das Kilo Sand, das man nach der Fahrt und dem Sandboarden in Mund, Nase, Ohren und auch in Unterwäsche und Schuhen findet, ist sogar im Preis inkludiert. Das wars aber auch schon was man in Huacachina tun kann. Also wird am nächsten Morgen nochmal die Düne raufgeklettert, den einheimischen Familien ein wenig beim Sandboarden zugeschaut und danach gehts auf nach Arequipa.


Der Nachtbus nach Arequipa bestätigt wieder einmal das Klischee der südamerikanischen Gelassenheit. Er kommt 2 Stunden zu spät und kein Mensch sagt von sich aus ein Wort. Aber naja, schlussendlich steigen wir doch ein, ein bisschen durchgefroren und angefressen, aber eigentlich müssten wir es ja schon gewohnt sein. Nach 12 Stunden im Bus und einem Mann, der 11 Stunden davon lauthals geschnarcht hat, sind wir auch schon am nächsten Stop unserer Reise. Wieder die Taxifahrer am Busbahnhof, wir sind wie immer ein bisschen genervt an den Reisetagen, weil ein Nachtbus trotz allem kein Bett ist, wir sagen dem Taxifahrer die Adresse des gewünschten Hostels und die Fahrt beginnt. Nur endet sie nicht dort wo wir hin wollten. Sondern bei einem Hostel, von dem die Taxifahrer bezahlt werden, damit sie Gäste bringen. Und dann wollten sie uns noch allen Ernstes erzählen, dass es sich um das selbe Hostel handelt, nur der Name wurde geändert. Haha, echt witzig nach 12 Stunden im Bus. Naja, nächstes Taxi, auf zum richtigen Hostel, ist aber leider voll und wir haben nicht reserviert. Tja, nach gründlicher Recherche im Internet lässt sich dann doch noch ein anderes passables finden und wir machen uns auf den Weg. In der Posada del Kuraka werden wir dann sogleich nett empfangen, alles sauber, mit Dachterrasse und auch noch billig. Besser gehts ja kaum. Sie sind zwar alle ganz schön schusselig, können einem kein gutes Restaurant nennen und auch keine wirkliche Auskunft geben, aber menschlich gibt es nichts auszusetzen. Der Besitzer Jose schläft jede Nacht auf einem Gästebett in der Rezeption, damit er die Leute rein und raus lassen kann! Wir entschließen uns für einen 2-Tages-Trek durch den Colca Canyon, damit wir schon einmal ein bisschen für Machu Picchu üben können. Und dieses Training hatten wir auch bitter nötig. Nach 3 Stunden Abstieg in einen Canyon haben uns die Knie schon ziemlich wehgetan. Danach Essen, Swimmingpool, Karten spielen  und bald ins Bett gehen, da wir am ersten Tag um 3 Uhr gestartet sind und am nächsten Tag um 5 Uhr loslegen. Die Runde ist wieder mehr als gemütlich, bestehend aus Emelie und Francois, einem jungen Arztpaar aus der Bretagne, Arthur, einem Brasilianer und uns. Wir kämpfen uns (im wahrsten Sinne des Wortes) wieder die Schlucht rauf, die Luft wird nach oben hin immer dünner, doch schließlich ist es soweit und wir stehen mit zitternden Beinen wieder dort wo wir am Vortag gestartet sind. Nach dem Frühstück (oder wie unser Guide so schön sagte: Breastfast) gehts ab in die wohlverdienten heißen Quellen um unsere beleidigten Muskeln wieder ein bisschen zu beruhigen. Auf dem Weg zurück bleiben wir an dem bisher höchsten Punkt unserer Reise stehen. 4910 Meter. Arthur, der eine Woche zuvor zum ersten Mal in seinem Leben Schnee gesehen hat, wäre fast nicht mehr in den Bus eingestiegen. Wir sind eher schnell wieder drinnen, weil es einfach saukalt ist! Diese Fahrt bot uns dermaßen atemberaubende Ausblicke, dass selbst nach den Anstrengungen der letzten Tage niemand geschlafen hat!



Nach einer Nacht in Arequipa gehts wieder weiter, diesmal an ein ganz besonderes Ziel: Cusco, dem Ausgangspunkt schlechthin für einen Trek nach Machu Picchu. Die Fahrt im Nachtbus ist trotz der couchartigen Ledersitze die Hölle. Bei solch schlechten Strassen wird auch der gemütlichste Sessel zum Schleudersitz. Nach 10 Stunden im Bus (keine Ahnung wie viele davon schlaflos waren) erreichen wir Cusco. Dieses Mal ist zum Glück ein Quartier reserviert und wir müssen unsere müden Körper nur noch dorthin schleifen. Anscheinend sieht man uns die Müdigkeit an, denn der Besitzer des Hostels verweist uns gleich in unser Zimmer, damit wir noch ein bisschen Schlaf bekommen, es ist ja auch erst halb 7 Uhr morgens. Paar Stunden später sieht die Welt schon ganz anders aus und die Erkundung Cuscos kann beginnen. Wir ziehen durch die Stadt um einen Touranbieter für Machu Picchu zu finden. Und kommen zurück mit der Erkenntnis, dass circa jedes zweite Gebäude in dieser Stadt Machu Picchu Treks anbietet. Wir treffen die Entscheidung nach gewohnter Manier: MORGEN. Schlussendlich hätten wir uns all das Gerenne sparen können, wir haben die Tour über unser Hostel gebucht. Obwohl man meinen möchte, dass wir den ganzen Tag Zeit haben, so ein Tag auf unserer Reise kommt uns immer halb so kurz vor wie daheim. Man steht morgens auf, macht Pläne für den Tag, oder auch nicht und wenn man das nächste Mal auf die Uhr sieht, ist es schon abends. Und es gibt immer etwas, das einen aufhält. Manchmal ist es die eigene Faulheit, aber meistens ist es einfach nur Südamerika.


Wieder einmal ein kleines Beispiel zur Veranschaulichung:

 Als wir die Tour für Machu Picchu gebucht haben, sind wir um 8 Uhr morgens in die empfohlene Agentur, weil wir am selben Tag noch eine Ruine eine Stunde außerhalb der Stadt besichtigen wollten. Aber da die Agentur unsere Ausweise braucht um die Eintrittskarten kaufen zu können, und wir die Ausweise auch für die andere Ruine brauchen, wird halt wieder einmal auf morgen verschoben. Wir bringen unsere Wäsche am selben Vormittag zur Wäscherei und es heißt, wir können sie am Abend holen. Gut, denken wir, da wir in 2 Tagen den Trek starten. Tja, der Tag wird dann in einer anderen Ruine verbracht, die wir zu Fuß erreichen können, es gibt ja genug hier. Sagsayhuaman bietet uns einen tollen Blick über die Stadt, das Gefühl durch richtig alte Mauern zu wandern und zuletzt treffen wir noch 5 Kinder mit einem Esel, die Kinder sehen unsere Kamera und rufen: Una foto, una foto! Wir freuen uns über das Foto, die Kinder freuen sich über den einen Sol (umgerechnet 0.27 EUR), den sie für das Foto verlangen. Man kann eben nie früh genug anfangen, die Touris auszubeuten! Später begegnen wir noch Perez, dem Lamm mit Hut und Halskette, das mir gleich in die Hand gedrückt wird, natürlich auch gegen die allgemeine Aufwandsentschädigung von einem Sol. Es wird also den ganzen Tag an der Höhenluft erkundet, was das Zeug hält, denn Cusco liegt auf 3300 Meter und da hat man anfangs schon ein bisschen mit der Luft zu kämpfen. Abends gehen wir dann wieder bei der Wäscherei vorbei (alles andere war noch offen!), die Wäscherei ist geschlossen. Hm, man hört Musik, das Licht ist an. Auf Empfehlung der Nachbarin klopfen wir laut an der Tür. Nichts. Hm, denken wir, schei*e. Naja, hilft nicht, holen wir die Wäsche morgen früh bevor wir nach Pisaq und Ollantaytambo fahren. Wir stehen um halb 9 Uhr vor der Tür, geschlossen. Wir fragen wieder die Nachbarin, derselbe Rat - klopfen. Die Tür ist schon fast durchgeklopft, es tut sich aber nichts. Laut der Nachbarin wird “meistens” zwischen 9 und halb 10 geöffnet. Wir gehen ziemlich sauer, weil wir wieder nicht wie geplant wegkommen. 45 Minuten später stehen wir wieder vor der Tür, dieses Mal ist sie offen! Juhu! Doch zu früh gefreut. Wir müssen nochmal fast eine Stunde auf unsere Wäsche warten, weil es in der Strasse wegen Bauarbeiten gestern kein Wasser gab und sie erst heute waschen konnten! Die Leute wussten es natürlich gestern schon, aber wer schickt den schon gern zahlende Kundschaft weg. Also machen wir uns 3 Stunden später als geplant mit einer Mischung aus Frust und Wut auf den Weg nach Pisaq, Ollantaytambo wird wieder gestrichen. So vergeht die Zeit.



Pisaq ist eine Inkaruine im Heiligen Tal ca. 40 Minuten von Cusco entfernt. Wir wussten wieder einmal nicht wirklich was uns erwartet. Das sind meistens die besten Überraschungen. Die Stadt Pisaq ist klein, sauber und gemütlich und die Ruinen sind riesig! Wir fahren mit dem Taxi zum  Eingang der Ruinen, der auf einem Berg liegt. Den ganzen Weg ins Tal runter wird man begleitet von Ruinen, Terrassen und einem fantastischen Ausblick auf die Berge, die Stadt und den Fluss. Wir genießen das ganze Rundherum, lassen uns die Sonne ins Gesicht scheinen und machen uns langsam wieder auf in die Stadt um dort für 2 Soles den besten Apfelstrudel seit langer Zeit zu erstehen. Mit einem kleinen Stück Heimat und dem ganzen Gesicht voller Staubzucker sitzen wir glücklich im Bus nach Cusco und versuchen zu verdrängen, dass wir daheim noch packen müssen, weil am nächsten Morgen der Trek nach Machu Picchu beginnt.



Wir haben uns beim Trek aus verschiedenen Gründen für den Inka Jungle Trek entschieden. Vor allem ich hatte Schiss, dass mir die Höhe und der scheinbar harte Trek des Salkantays zu viel wird. Außerdem musste eine Woche vorher eine Gruppe umkehren, weil es so geschneit hatte, dass sie nicht weiter konnten. Also haben wir uns für den Weichei-Trek entschieden. Dafür wollten wir aber soviel wie möglich gehen, denn es gab immer noch überall optionale Erleichterungen für die Ober-Touris. Der erste Tag war selbst mir zu langweilig - mit Mountainbikes (!) eine asphaltierte Bergstraße runterfahren, und das nicht einmal zur Gänze. Naja, die anderen waren dankbar für die Busfahrt. Den zweiten Tag sind wir insgesamt 8 Stunden gegangen. Es war heiß, aber der Weg selber war “Peruvian Flat” wie unser Guide sagte. Ein bisschen rauf, ein bisschen runter, manchmal wieder ein kurzes Stück Treppen, aber meistens eher easy, auch für Nicht-Bergsteiger wie wir. Abends ein Bad in den heißen Quellen gleich in der Nähe des zweiten Quartiers. Dritter Tag, Eduardo, der Guide und wir sind gut 5 Stunden gelaufen, die anderen gingen ziplinen mit anschließender Busfahrt und haben uns für 2,5 Stunden lang beim gehen durch die peruanische Ebene begleitet. (Manche werden nämlich schon ab 1500 Metern höhenkrank, obwohl die Luft erst ab 3000 Meter dünner wird!) Angekommen in Aguas Calientes gings in das dritte und letzte Quartier. Anfangs waren noch alle davon überzeugt, am nächsten Morgen den restlichen Weg nach Machu Picchu zu laufen, ein steiler Weg, der großteils aus Treppen besteht, dafür aber nur eine Stunde lang dauert. Schlussendlich waren es jedoch wieder nur Eduardo und wir, die um halb 5 Uhr früh aufbrachen um zu Fuß zu gehen. Die anderen kauften sich ein Busticket. Der Weg war tatsächlich hart, aber wir schafften es in 43 Minuten die Treppen rauf und waren die dritten, die an diesem Tag die riesige Inkastadt betreten durften, gefolgt von der faulen Meute, die sich mit dem Bus raufkutschieren ließ. Kaum konnten wir den Ausblick genießen und uns ein bisschen von dem Aufstieg erholen, mussten wir auch schon auf den nächsten Berg. Wir haben das limitierte Ticket für Huaynapicchu bekommen und man darf dort nur zwischen 7 und 8 Uhr rein. Also sind wir auch auf diesen Berg gestartet um vom 300 Meter höheren Gipfel auf das Areal zu starren. Auch diesen Aufstieg haben wir gut gemeistert, bis wir auf die blöde Idee gekommen sind, die beschilderte Höhle auf der anderen Seite des Berges anzuschauen. Was wir nämlich nicht wussten, war, dass diese Höhle fast ganz unten war, nur auf der Rückseite. Nachdem ich während des ganzen Abstiegs gebetet habe, dass es einen Rundweg gibt, der danach flach zu Machu Picchu führt, wurden wir nach Besichtigung der Höhle, die meiner Meinung nach diese Qualen nicht wert war, eines Besseren belehrt. Also noch einmal rauf UND runter um zurück nach Machu Picchu zu gelangen, wo wir uns dann einen kurzen Schönheitsschlaf auf einer der ehemaligen Anbauterrassen genehmigt haben, denn die Beine waren leer und der Tag war eindeutig zu lang. Zurück nach Aguas Calientes ging es dann mit dem Bus, denn auf unsere Beine war kein Verlass mehr. Von dort aus trafen wir auch wieder auf unsere Gruppe, von denen alle mit dem Bus rauf und wieder runtergefahren sind, aber dafür die Ersten waren, die auf Facebook gepostet haben: Ich habs geschafft - ich war auf Machu Picchu!



So, der nächste Roman ist fertig, jetzt gibts einen Feierabend-Pisco!

Salud!



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