Donnerstag, 1. August 2013

Breaking News

Ein neues Blogupdate ist fällig, denn seit dem letzten Eintrag hat es uns von Guatemala über El Salvador nach Nicaragua und schlussendlich nach Costa Rica verschlagen. Wenn ich mir das Ganze mal so richtig durch den Kopf gehen lasse, heißt das, dass wir ganz schön flott waren!

Den Spanisch-Kurs und das Hostel mit der ganz speziellen „Wärme“ haben wir gut überstanden. Diese verrückte Woche in Antigua erreichte am Samstag ihren Höhepunkt. Wir durften eine Band in unserem Innenhof genießen, anscheinend war einer der Band auch beim Buena Vista Social Club beteiligt, aber nachdem uns das der Inhaber des Hostels erzählt hat und wir Sergio nach ein paar Tagen nicht mehr alles abkauften, was er so erzählt… Naja, kann man glauben oder auch nicht, auf jeden Fall war es ein schöner Auftakt für den bevorstehenden Samstagabend. Danach war wieder einmal gratis Salsa-Stunde angesagt und mit zunehmendem Alkoholpegel wurden auch die Bewegungen geschmeidiger J Nur Sergio fühlte sich anscheinend unterfordert und kompensierte seine Langeweile indem er munter weitertrank während wir alle tanzten. Nachdem wir gut aufgewärmt noch ein wenig im Innenhof saßen, sorgte der Inhaber dieses Mal unfreiwillig für unsere Belustigung  indem er auf der Toilette einschlief und so laut schnarchte, dass wir es bis in den Innenhof hören konnten… Ja ja, so geht’s zu auf der Welt J




Außerhalb des Hostels haben wir in Antigua natürlich auch noch etwas unternommen, abgesehen von dem Spanisch-Kurs haben wir mit unseren alten Bekannten, dem Pärchen aus Frankreich und Marc aus Hong Kong (eigentlich Ming-Yo – aber die haben TATSÄCHLICH auch einen englischen Namen, damit die „Westler“ sich nichts neues merken müssen!!!) die Stadt erkundet und haben den aktiven Vulkan Pakaya erklommen. Manche haben sich für diesen Aufstieg ein Pferd + Führer gekauft, damit sie die knapp 90 Minuten Aufstieg nicht schwitzen müssen…


Nach 8 Tagen in Antigua haben wir uns per Shuttle auf den Weg nach El Salvador an den Surfspot „El Tunco“ gemacht. Dort hat uns dann der Fluch des fremden Essens Teil 2 besucht und dieses Mal hatte er sein Hauptaugenmerk auf mir. Rudi’s Geburtstagstorte für mich zählt zu den Hauptverdächtigen – vielleicht wollte er auch einfach mal einen Tag alleine unterwegs sein, da ich völlig außer Gefecht gesetzt war. Naja, nach einem „gemütlichen“ Tag zwischen Bad und Bett war ich wieder halbwegs bereit für die Zivilisation. Andere zahlen einen Haufen Geld für ein paar Tage Entschlackungs- und Fastenkur – hier war das ganze für einen Preis von 9 Euro inkludiert! Alles in allem haben wir jedoch nicht sehr viel von El Salvador gesehen, eine Woche an einem Surfspot verrät nicht wirklich viel über ein Land… Aber nachdem es nicht den besten Ruf hat, wollten wir es ja gar nicht anders. Nichtsdestotrotz erhascht man immer wieder ein paar Eindrücke der Einheimischen und findet nette Leute aus allen möglichen Ländern mit denen man sich austauschen kann.


Eine kleine Geschichte, damit ihr ein Bild von der Mentalität bekommt:
Wir hätten geplant an einem Sonntag von El Tunco nach Leòn, Nicaragua zu reisen. Der Bus dorthin fährt alle 2 Tage, der letzte ist an einem Freitag gefahren. Also müsste alles passen. Rudi fragt also am Freitag den Typen in der 2x2m Wellblechhütte, die sich als Tourismusbüro ausgibt, ob es noch Plätze gibt für Sonntag, Preis, usw. Und zuletzt, ob er am Samstag auch da ist, da ich noch krank war und wir nicht wussten, ob ich am Sonntag schon reisefähig bin oder nicht. Er gibt ihm die Infos, alles kein Problem, morgen um diese Zeit ist er auch da, da können wir es ihm dann sagen. Nächster Tag um dieselbe Zeit – kein Mensch da. Eine Stunde später auch nicht. Hm, naja, den ganzen Tag kommt keiner. Bis dann einer vom Hostel angerufen hat – naja, der Bus für Sonntag ist voll, der nächste geht am Dienstag um 9.30 Uhr und um 9 Uhr sollen wir spätestens da sein. Ok, bleiben wir also noch bis Dienstag – auch kein Problem. Dienstag 9 Uhr, wir sind natürlich Vorzeigetouris und sind um Punkt 9 Uhr dort, ein paar andere auch schon und es kommen immer mehr. Und da El Tunco ein bekannter Surfspot ist, haben fast alle außer uns auch ihre Surfboards dabei. Wir fangen schon langsam an zu überlegen wie 20 Leute und ca 15 Surfboards in einen Bus für 20 Personen ohne Dachhalterung reinpassen sollen. Naja, der Busfahrer wird auch immer nervöser, es wird 9.30 Uhr – 9.45 Uhr – 10.00 Uhr… es ist ziemlich heiß, die Surfboards liegen auf der Straße, dem Busfahrer rinnt der Schweiß von der Stirn und uns natürlich auch. Bis dann mal jemand sagt: Wir müssen auf den Typen von dem Reisebüro warten, weil wegen der vielen Surfboards ein zweiter Bus gebraucht wird und außerdem muss für die Boards noch eine zusätzliche Gebühr verlangt werden, was aber beim Ticketverkauf kein Mensch erwähnt hat. Den Surfern schmeckts nicht unbedingt, jeder schwitzt wie ein Schwein und die bevorstehende 10-Stunden-Fahrt machts auch nicht besser. Naja, irgendwann ist dann endlich alles verstaut und die Fahrt kann also nach nur ca 90 Minuten Verspätung losgehen – und wir sind uns ziemlich sicher, dass sich diese kleine Inszenierung sicher jeden zweiten Tag abspielt. Die Busfahrt selbst ist dann echt problemlos gelaufen – natürlich war die musikalische Untermalung wieder einmal perfekt – der Busfahrer war offensichtlich schwerhörig und ein riesiger Fan von David Guetta und den Backstreet Boys.



Tja, so weit, so gut. In Leòn angekommen, haben wir uns zuerst auf die Suche nach einem Hostel und etwas Essbarem gemacht. Auf Empfehlung des Rezeptionisten sind wir in eine Karaoke-Bar und wurden Zeugen von einem ganzen Lokal voll mit schwulen Shakira- und Schlager-Fans, die lautstark und mit sexy Hüftschwung ihre Hits zum Besten gaben. Erwähnenswert war auch das Museum der Revolution in Nicaragua. Das Museum selbst war nicht das Highlight, aber die älteren Herren, die dort arbeiten und selbst dabei waren, machen das ganze umso interessanter. Juan, unser Guide, hat selbst mit 14 Jahren an vorderster Front mitgekämpft und uns alles bis ins kleinste Detail erzählt (auf Spanisch!) Wer jetzt genau wen ermordet hat und wer der wirkliche Böse war, haben wir zwar nicht gleich gepeilt (wofür gibt’s Wikipedia?), aber als er uns dann seine Einschusswunde am Hintern präsentiert hat, konnten wir dem Museum getrost das Prädikat „sehenswert“ verleihen.



 Nach Leòn ging es dann weiter dann nach Matagalpa. Eine Stadt, die nicht vom Tourismus abhängig ist. So hat es sich zumindest für uns angefühlt. Die Leute im Hostel waren nett, aber das wars eigentlich schon mit den netten Leuten. Irgendwie fühlten wir uns ein bisschen fehl am Platz, da wir in den Restaurants und Cafès immer ein wenig wie Aussätzige behandelt wurden. Außer die eine Frau, die in einer Bar an unseren Tisch gekommen ist und uns zu sich nach Hause eingeladen hat, weil ihr Mann bei Nestlè arbeitet und sie einen Pool haben (!?) „hey, we don’t rape people…not really.“ Das Schöne an Matagalpa ist, dass man aus der Stadt ca. 15 Minuten lang steil bergauf geht und man steht mitten im grünen Nirgendwo und hat einen tollen Ausblick. Außerdem hätte es 2 Seen gegeben, aber nachdem wir über 2 Stunden bergauf durch Wälder und Wiesen gewandert sind und dann nur ganz kurz eine Obstplantage kreuzen wollten… sind wir prompt mit einem Gewehr verjagt worden und mussten wieder umkehren. Naja, schön war‘s trotzdem und an der frischen Luft waren wir auch. J


Nachdem wir noch ein paar Tage bis zum Wiedersehen mit Boris und Barbara hatten und noch nicht nach Granada, den angekündigten Treffpunkt, wollten, sind wir nach Laguna de Apoyo. Einem schönen, klaren Kratersee in einem Naturreservat und einem gemütlichen Hostel namens Peace Project umzingelt von Bäumen voll mit Brüllaffen, Eichhörnchen, Papageien.  Nach 2 Nächten, einer langen Partie „Cards against Humanity“ und Bauchschmerzen vor Lachen, geht’s wieder weiter. Rein in den nächsten Chickenbus – PROXIMA ESTACION Granada!



Die Fahrten im Chickenbus werden einfach nicht langweilig, immer wieder gibt es was Lustiges, Interessantes oder auch Ekliges zu entdecken. Meist ganz schön anstrengend, da die Busse oft hoffnungslos überfüllt sind und die Leute alles von Spanplatten über riesige Körbe bis hin zu Topfpflanzen mittransportieren. Dazwischen sind wir irgendwo mit unseren großen Rucksäcken eingezwängt und trotzdem gibt es noch irgendwo Platz für eine Verkäuferin mit ihrem Korb voll mit klebrigen Getränken oder irgendwelchen Süßigkeiten und einen Mann, der ein riesiges Plastiksackerl voller kleiner Plastiksackerl mit Wasser auf der Schulter balanciert . Die Leute beißen ein Loch in diese Sackerl rein und saugen das Wasser raus, danach wird der Müll beim Fenster rausgeworfen. Aber hier gibt es kein Problem mit Müll. Liegt zu viel davon herum, gibt’s ein kleines Lagerfeuer und schon ist alles wieder „sauber“. Sauberkeit ist hier auch so ein Thema. Sauber bedeutet hier meist nicht dasselbe wie daheim. Die Wäsche wird mit kaltem Wasser gewaschen, Raumsprays ersetzen oftmals das wirkliche Putzen und es gibt in Hostelküchen generell keine Geschirrspülmittel oder Geschirrtücher. Es gibt einen Schwamm, der schon lange nicht mehr neu ist und einen Plastikbecher voll „Axion“. Ich glaube, der Hauptzweck von „Axion“ ist, dass der Schwamm nicht so stinkt. Die Eingänge und Terrassen werden gewischt, wenn es regnet, weil dann ist ja praktischerweise schon alles nass. Dreck verteilen, dafür gründlich.

Ich hoffe, es wird nicht zu negativ aufgefasst was ich hier alles schreibe. Es ist wunderschön hier und um euch das zu zeigen, bemüht sich Rudi fast täglich um Fotos, die den Ländern, den Menschen und unseren Impressionen  gerecht werden. Und ich vergleiche oft gerne. Unsere Traditionen, Mentalitäten, Gewohnheiten mit deren. Und es gibt soviele Unterschiede, oft einfach nur Kleinigkeiten, die jedoch dermaßen anders sind, dass ich das einfach irgendwie festhalten möchte. Es gibt soviele Momente, die wir nicht mit der Kamera festhalten können oder auch wollen, da es uns einfach als unpassend erscheinen würde. Kinder, die draußen mit Murmeln spielen; Männer, die eine Herde von Kühen, Pferden, Hunden und Schweinen auf den Straßen herumtreiben; Frauen, die die Wäsche einer ganzen Familie mit einem Waschbrett waschen; Jugendliche, die am Fußballplatz zwischen Schweinen, Kühen und Pferden hin und her rennen; Verkäuferinnen, die mitten im Geschäft lautstark singen; eine 4-köpfige Familie auf einem Motorrad – um nur ein paar Beispiele aufzuzählen.


So… genug mit den Eindrücken – es geht also weiter nach Granada. Wir kommen dort an, suchen unser Hostel, checken ein und brechen zur Futtersuche auf. Wer kommt in diesem Moment im Taxi daher? Ganz genau – Boris und Barbara. Granada geht irgendwie in der Wiedersehensfreude unter. Ein schönes Gefühl, wenn man in dem ganzen Neuen auch was Vertrautes hat. Es werden Erfahrungen ausgetauscht, Tipps gegeben und keine Ahnung wie oft der Satz gefallen ist: Jo, genau, des is uns a aufgfoin!



Nach ein paar Tagen geht’s weiter an den Strand Popoyo/Guasacate – die beiden Beachboys werden schon von den Wellen gerufen! Nach einer Nacht in einem Hostel ziehen wir um in ein Haus am Strand. 2 Schlafzimmer, 2 Badezimmer, Küche im Freien und eine riesige Terrasse mit Grill um ganze 8 USD pro Nase. Danke! Eine Woche Ruhe, Meer, Surfen, mit einem etwas lädierten Motorrad die Gegend erkunden, Mahlzeiten mit Blick aufs Meer und jeden Abend wunderschöne Sonnenuntergänge. Schon fast kitschig. Genauso wie das WAHNSINNS Lagerfeuer, für das sich Rudi ohne Rücksicht auf Verluste aufgeopfert hat und das am nächsten Tag am Morgen noch vor sich hin geglüht hat.


Bevor sich unsere Wege wieder trennen, führen sie uns nochmal gemeinsam auf die Isla de Ometepe im Lago Nicaragua. Eine Insel mit 2 Vulkanen in einem See in Nicaragua – das muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen. Rudi und Boris, die beiden Partylöwen, wurden in Moyogalpa  Zeugen einer denkwürdigen Szene. Es war der Abend vor einem Feiertag. Auf den Straßen war mehr los als gewöhnlich. Kirtag quasi. Fast wie in Diersbach, nur ohne Schmiedleitner ;-) (Anmerkung von Rudi). Nur reiten die Leute in Diersbach nicht auf Pferden daher, binden diese mitten am Gelände zusammen, lassen sie einfach dort stehen, setzen sich auf der nächsten Gartengarnitur und bestellen ein paar Liter Bier. Beim Reiten gibt’s keine Promillegrenze.


Wir haben zwar keine Pferde, sind jedoch auch sehr mobil. 2 Ausfahrten mit dem Fahrrad, Motorradtour und perfekt funktionierendes Hitchhiking machen uns die Erkundung der Insel relativ einfach. Nach ein paar Tagen in Moyogalpa geht’s dann auf der Ladefläche eines Pickups auf die andere Seite der Insel nach Santa Cruz, wieder mit eigenem Hausvulkan und einer Unterkunft, die seinesgleichen sucht. Schönes Zimmer mit Terrasse und ein Garten davor, der jeden Naturliebhaber zum Staunen bringt.


Doch genau dieser Vulkan hat mir ein kleines Andenken beschert. Nachdem wir uns zu viert durch einen malerischen Weg aus Kühen, Bananen- und Mangobäumen und Reisfeldern bishin zum Aussichtspunkt des Vulkanes gekämpft haben, fing es – wie so häufig um diese Zeit – an, ziemlich stark zu regnen. Und irgendwann am Weg hinunter, hat es mir „die Haxn ausgrissen“ und mein Kopf hat sich mit einem großen Stein angefreundet. Zum Glück hatte ich ein ganzes Team aus fähigen und kreativen Ersthelfern dabei. Klopapier und Unterleiberl – ein super Druckverband! Naja, hab ich also ein nicaraguanisches Krankenhaus auch von innen gesehen, 2 Stiche und eine Spritze umsonst bekommen und Rudi trägt mir nun für ein paar Tage meinen Rucksack – es hätte also durchaus schlimmer kommen können J



Nach 4 Tagen Santa Cruz und 2 Tagen mit Pflaster am Kopf ist es langsam wieder Zeit, dass sich unsere Wege trennen. Boris und Barbara bleiben noch ein wenig auf Ometepe, für uns gehts mit einer Nachtfähre Richtung Costa Rica. Kaum zu glauben, wie gemütlich diese Art zu Reisen ist! Ein Boot, das die ganze Nacht ein wenig schaukelt und eine lange, gepolsterte Bank für einen ganz alleine. Eine angenehme Alternative zum Nachtbus. Zwischen der Fähre und einer Bootsfahrt auf dem Rio Frío nach Costa Rica wird kurz gefrühstückt, vor 2 langen Busfahrten zu Mittag gegessen und irgendwann nach 30 langen Stunden des Reisens, ist man dann endlich dort angelangt, wo man hin wollte  – La Fortuna, Costa Rica.


Der Kulturschock sitzt zunächst tief, aber diesmal ganz anders. Hier gibt es tatsächlich richtige Supermärkte, Fast Food-Ketten, große Hotels und statt den Schweinen tummeln sich „Massen“ von amerikanischen Familien auf den Straßen und schlemmen sich durch die „sauteuren“ Restaurants. Zum ersten Mal auf unserer Reise kommen wir in Kontakt mit dem Pauschaltourismus. Leute reden mit uns in fließendem Englisch (nachdem wir ihnen erklären, dass wir nicht aus Argentinien kommen) und dank den vielen Amis, ist im Supermarkt das Wasser teurer als irgendwelche klebrig-süßen Farbstoffgetränke. Hier zahlt man für 2 Liter Wasser soviel wie in Nicaragua für 25 Liter!

Aber nachdem nicht alles am Pauschaltourismus schlecht ist, haben wir es uns heute mal gut gehen lassen um die Anstrengungen der letzten Tage abzuwaschen.  Ausgiebige Canopy-Tour mit anschließendem Badeaufenthalt in den heißen Vulkanquellen in einem der großen Ressorts. Super touristisch, zugegeben – aber eine Wohltat!



So, unser schlechtes Gewissen ist bereinigt, die Finger wundgetippt, der Blog auf dem neuesten Stand!

 Also bis bald – und PURA VIDA! J

Bilder:

Antigua







Freitag, 21. Juni 2013

Manches kommt anders als "geplant"

Es wird wieder mal Zeit für ein Update, denn seit dem letzten Eintrag haben wir etliche Kilometer sowie Mexiko hinter uns gelassen und sind nun in Guatemala angekommen.

Hm.. was war da alles inzwischen?

Tja,  in Puerto Escondido haben wir mit den Wellen gekämpft, die von Tag zu Tag höher wurden. Am Ende so um die 6 Meter, die idealen Bedingungen für Surfanfänger sozusagen ;-)

Wir hatten unvergessliche Momente dort, vor allem wegen den Leuten, mit denen wir dort unsere Zeit verbringen durften. Da wären zunächst der „Herr des Hauses“ bei dem wir Surfunterricht hatten, und seine beiden anderen Surflehrer Jesús und Oscar.  Jesús hat alle möglichen Reisepläne, wie viele davon wahr sind, weiß keiner genau, nicht mal er, denke ich. Dann waren da noch Aaron, ein angehender Anwalt aus Kanada, aufgrund seiner Hingabe für eine mit Rum getränkte, brennende Ananas auch „Pinaron“ genannt und Claudia, eine Chilenin, die im Winter Skilehrerin und im Sommer als Segellehrerin arbeitet. Claudia hat uns ihre Heimat derart schmackhaft gemacht, dass wir sie wahrscheinlich auf unserer Reise Richtung Buenos Aires besuchen werden.



Von Puerto Escondido sind wir per Collectivo nach Zipolite gefahren, das als „Hippiestrand“ bekannt ist. Naja, Hippies haben wir keine gesehen, dafür war alles sehr runtergekommen und einige komische Gestalten sind uns auch begegnet und so haben wir Zipolite nach einer Nacht auch schon wieder verlassen.

Der nächste und unserer Meinung nach unverzichtbare Punkt auf unserer Reise war Pochutla. Pochutla ist ein wichtiger Umstiegspunkt für Busse von der Küste ins Landesinnere. Und das wars auch schon, was diese Stadt zu bieten hat. Wir hatten das Glück einen ganzen Sonntagnachmittag dort zu verbringen, wo es nichts, rein gar nichts, zu tun gab. Es gibt kein Cafe, keinen Park, keinen Markt. Nur 2 Betrunkene, die einer Gruppe von Kindern die ganze Zeit auf den Geist gegangen sind und Leute, die in die Kirche gehen

Nach diesem entspannten Nachmittag haben wir uns dann mit dem Nachtbus auf den Weg nach San Cristobal de las Casas gemacht. Wir dachten schon, jetzt kommt die erste Busfahrt, die wirklich komfortabel wird. Das war sie auch, bis der Bus dann plötzlich im 10-Minuten-Takt neu gestartet werden musste, weil die gesamte Elektronik ständig ausgefallen ist und sich das durch permanentes und lautstarkes Piepsen bemerkbar machte. So haben wir nach ca 3 Stunden piepsender Fahrt den nächsten größeren Busbahnhof angesteuert und um 1 Uhr nachts den Bus gewechselt. Dann hat aber wirklich alles geklappt und wir sind am nächsten Morgen fast ausgeschlafen in San Cristobal angekommen. 



San Cristobal ist eine wunderschöne alte Kolonialstadt mit großteils indigener Bevölkerung. Es ist wirklich sehr schön anzuschauen, weil es einfach so anders ist als alles was wir in Österreich kennen. Die meisten Leute tragen jeden Tag ihre traditionelle Tracht, egal ob kleine Kinder, Teenager oder Omas. Die Frauen mit ihren langen geflochtenen Zöpfen und den bunten Blusen und Röcken und die Männer immer in Hemd und Hose. Was wir ein wenig befremdlich fanden waren die Kinder, die um 11 Uhr abends noch (zum Teil) allein in den Straßen rumrannten. Aber wie wir später erfuhren, wird das hier mit den Schulen nicht so genau genommen. Wenn die Familie eine Arbeitskraft mehr benötigt, wird halt mal gestrichen. Oder vielleicht haben sie auch einfach wieder einmal ohne Grund für eine oder zwei Wochen frei. Was uns am meisten in San Cristobal beeindruckt hat, war jedoch das Hostel in dem wir wohnten. Wir haben bei einer 3-köpfigen Familie gewohnt, die für sich 1 Zimmer haben in dem sie schlafen und wohnen. Den Rest ihres Hauses teilen sie mit ihren Gästen und das auf eine Art und Weise bei der sich so mancher Europäer über seine Engstirnigkeit schämen darf. Und das ganze sauber, freundlich, witzig, familiär und für 10 Euro für ein Zimmer, das größer ist als ihres und mit Frühstück.


Während unseres Aufenthalts in San Cristobal buchten wir einen Ganztagesausflug nach Palenque um das Touriprogramm nicht ganz zu vernachlässigen. Nur stellte sich heraus, dass der Termin nicht ganz glücklich gewählt war, da wir genau an diesem Tag und die Nacht zuvor zum ersten Mal dem Fluch fremden Essens zum Opfer gefallen waren. So konnten wir die Ruinen und die beiden Wasserfälle Agua Azul und Misol-Ha nicht recht genießen, aber zumindest sind die Fotos ganz gut geworden ;-)



Nach 5 Tagen San Cristobal und insgesamt 22 Tagen Mexiko haben wir also wieder einmal unsere Rucksäcke gepackt und machten uns auf den Weg ins wunderschöne, grüne, gebirgige Guatemala, in das wir am Anfang unseres Trips ja gar nicht wollten, das wir aber bis jetzt keine Sekunde bereuen.

Der erste Grenzübergang unserer Reise wird uns auch bestimmt lang in Erinnerung bleiben. Wir sitzen also in diesem Kleinbus mit der Vorstellung, das wir an der Grenze unsere Pässe herzeigen müssen, vielleicht wird das Gepäck noch gescannt , wir bekommen einen Stempel in den Pass und das wars. Naja, denkste. 50 Meter vor dem Grenzübergang sagt der Busfahrer: „so, alles aussteigen, nehmt euer Gepäck und geht über die Grenze.“ Ok, gesagt, getan. Wir haben uns gedacht, ok, dann steigen wir halt aus, gehen rüber und danach geht’s weiter im selben Bus. So sind wir dann mit unserem Gepäck zu dieser Grenzübergangs-Hütte marschiert, haben uns brav den Pass stempeln lassen und schauten uns nach unserem Bus um. Es hat eine Weile gedauert, bis wir überrissen haben, dass es in einem anderen Bus weitergeht…  Man lernt also nie aus. Auf Reisen schon gar nicht.

In Panajachel am Lago Atitlan bekommen wir  die ersten Eindrücke von Guatemala außerhalb des Busses. Vielleicht nicht typisch guatemaltekisch, da dieser Ort sehr touristisch ist, aber trotzdem, nicht schlecht. Das Hostel ist super,  die Besitzer wahnsinnig relaxt, die anderen Gäste sehr nett und das Nachtleben auch ganz ok. Besonders nett waren Rachael und Daniela, beide aus Boston, die in Guatemala als Volunteers arbeiten und am Atitlan-See ein Wochenende verbringen. Es gibt wieder mal interessante Gespräche über die Unterschiede unserer Herkünfte und die verschiedenen Ansichten und Klischees, die oft gar nicht so weit hergeholt sind.




Am nächsten Tag geht’s mit einem Boot über den See nach San Pedro. Auch touristisch, aber irgendwie auf eine andere Art und das Hotel mit Blick auf den See und Dachterrasse ist seine 7 Euro pro Person wert. Ein gemütlicher Platz!  Kajak fahren, den Ausblick genießen, mit Leuten aus aller Welt essen gehen, Erfahrungen austauschen und Mojitos um einen Euro trinken!


Nach ein paar Tagen des süßen Nichtstuns machten wir uns um 5 Uhr morgens auf den Weg um einen Vulkan zu besteigen. Der Vulkan San Pedro hat uns ganz schön mit einem steilen Aufstieg mit gefühlten 10.000 Stufen gequält, aber die Mühe wurde mit einem wunderschönen wolkenlosen Ausblick über den ganzen See mit seinen anderen beiden Vulkanen belohnt! Sogar meine aufgerissenen Blasen an beiden Fersen waren für die Stunde am Gipfel des Vulkans vergessen. Und der Muskelkater, den ich fast 3 Tage später noch immer spüre, ist mir auch wurscht ;-)


So, Lago Atitlan wäre also abgehakt, es geht weiter nach Antigua. Wir sind hier in einem Hostel, sowas hat die Welt noch nicht gesehen… Das Hostel an sich ist sehr gut, sauber, günstig, sicher. Aber der Besitzer schlägt alles. Sergio ist mit einem Schweizer verheiratet und für ihn ist jeden Tag Party. The bar is open!  Die erste Nacht hat gleich mal alles übertroffen, was wir bisher erlebt haben. Als wir vom Essen gehen noch einen kleinen Umweg in ein Irish Pub gemacht haben, eine Flasche des besten Rums gekauft haben und danach zu einem „Freund“ von Sergio in dessen Bar, in die er nur Leute reinlässt, die er kennt und mag. Sowas Verrücktes haben wir noch nie gesehen. Ein erwachsener Mann, der zu Madonna tanzt, mit Perücken auf dem Kopf, der Schmuck für die spanische Königin designt, der fremden Leuten einen Film von sich zeigt wie er auf seiner eigenen Geburtstagsfeier für seine Gäste strippt…  und Tequila-Longdrinks gratis! Naja, irgendwann haben wir auch mit diversen Perücken auf dem Kopf getanzt …  Verrücktes Antigua. Und da wir heute mit einer Sprachschule begonnen haben, werden wir hier noch ein wenig Zeit verbringen.

Salut!




Samstag, 1. Juni 2013

Vamos a la playa…

Vor einigen Tagen sind wir in Puerto Escondido angekommen – endlich am Strand. Aber da wir in unserem Blog zeitlich ein wenig nachhinken, fangen wir da an, wo wir zuletzt aufgehört haben.

Mexico City haben wir wider Erwartens ohne größere Gehörprobleme überstanden. Es ist aber nicht leiser geworden und gewöhnen konnten wir uns auch nicht wirklich an die 24/7 Beschallung, aber es waren doch Tage, die wir nicht missen möchten. Die Leute dort sind fröhlich, verrückt und ausgelassen und so kann es auch schon mal vorkommen, dass plötzlich um 11 Uhr abends eine Parade mit ca. 100 verkleideten Leuten durch die Gasse zieht, keiner weiß wieso, keiner weiß warum, aber natürlich wieder sehr laut – sehr bunt.


Die Busfahrt von Mexico City nach Oaxaca verlief auch problemlos. ADO, das führende Busunternehmen für Fernreisen hat uns bequem ans Ziel gebracht. Das Fernsehen bestand natürlich,  wie in diversen Foren und Reiseführern angekündigt, aus vorwiegend brutalen Filmen und das ganze in einer Lautstärke die unseren Erfahrungen bisher gerecht wurde. Der Höhepunkt war dann eine Art Doku über Unfälle auf Rennstrecken.

Nach ca 6,5 Stunden Fahrt endlich in Oaxaca. Das Hostel Casa Angel ist gemütlich, familiär, sauber. Eine Mitarbeiterin ist aus Bielefeld, die vor ein paar Jahren eingecheckt hat - und seitdem in Oaxaca wohnt.

Die Stadt selbst bietet einem einen schönen Hauptplatz, gepflegte Straßen, wieder Massen von Polizei und an jeder Ecke (keine Übertreibung!) eine riesige und pompöse Kirche. Wenn man sich ein wenig außerhalb der Stadt umsieht, häuft sich das Elend und Wellblechhütten ziehen sich wie die Glieder einer riesigen Kette die Berge rauf. Aber Hauptsache die Kirchen sind schön…


Auch wenn es hier ganz anders ist als in Europa, hat es trotzdem Vieles mit uns gemein.  In den urbanen Gegenden sind meistens nur die Häuserfronten zur Straße hin bunt bemalt, frisch gestrichen und verziert, die anderen 3 Seiten sind nur grau. Es reicht also auch hier, wenn nach vorne hin alles gut ausschaut.
Tja, ein bisschen Sightseeing haben wir natürlich auch gemacht – Monte Albán, eine ehemalige Zapotekenstadt am Berg und Hierve de Agua, Kalkwasserfälle ebenfalls am Berg mit Badegelegenheit. Ich denke die Bilder sprechen für sich – beides wunderschön!

Die Fahrt zu den Hierve de Agua war das erste Hineinschnuppern in die Abenteuer , die uns noch bevorstehen. Zuerst eine Stunde mit dem Bus aus der Stadt – ok, noch wenig abenteuerlich – dann jedoch die Fahrt mit einem „taxi collectivo“ – im Prinzip ein Pritschenwagen mit 2 Bänken drinnen und überdacht, das Abenteuerliche daran war jedoch die Straße über die wir damit gefahren sind.  Serpentinen, Straßen mit Schlaglöchern, dann wieder alle 200 m eine „TOPE“, was soviel heißt wie jetzt kommt a grebane Schupfen, damit die Leute nicht zu schnell fahren. Nach 2 solchen Fahrten mit jeweils einer Stunde Fahrzeit waren wir dermaßen durchgerüttelt, dass uns 2 Tage nachher der Hintern noch wehgetan hat! Jedoch die Aussicht und die Bekanntschaft mit 2 Amis, die ein Hostel in Nicaragua haben, waren die paar Qualen wert, und lustig wars ja schließlich auch. Wieder in Oaxaca haben wir uns dann gehörig mit den besagten Amis mit dem Bus verfahren und sind irgendwo in den Favelas gelandet. Aber kein Problem für Nate, der in perfektem Spanisch dem Fahrer ausgedeutscht (haha!) hat, wohin wir eigentlich müssten. Der ganze Bus inklusive wir hat über uns gelacht, wir hatten eine Stadtrundfahrt um 6 Pesos und sind nach nur gut einer Stunde mehr wieder im Zentrum gelandet.

Zu diesem Zeitpunkt hätten wir noch gedacht, dass dies jetzt die wildeste Busfahrt für eine Zeit lang bleiben wird. Da haben wir uns jedoch gewaltig getäuscht!

Die Fahrt von Oaxaca nach Puerto Escondido war nochmal eine Spur härter und nichts für empfindliche Mägen. Gestartet sind wir zur verabredeten Zeit um 9.30 vor unserem Hostel. Der Plan war, dass wir mit einem Kleinbus fahren, der zwar über die Berge fährt und es da Serpentinen usw geben soll, aber statt den 11 Stunden im ADO nur 6,5 Stunden dauern soll. Der Busfahrer hat uns dann durch die Stadt kutschiert und dann haben wir bei  einem Busbahnhof (10 dreckige weiße Gartensesseln nebeneinander) 1,5 Stunden gewartet, bis wir starten konnten. Naja. Zumindest sind wir gefahren. Der Bus war ganz in mexikanischer Manier. Laut, hat gequietscht, die Türen waren die ganze Fahrt über 3cm geöffnet und die Kofferraumtür wo unsere Rucksäcke verstaut waren, war auch nicht mehr die zuverlässigste. Zuerst war die Fahrt sehr heiß, weil – erstens keine Klimaanlage, zweitens sind wir in jedem Kaff stehengeblieben, damit noch Leute zusteigen konnten und irgendwann hat sich ein alter Mann, der bei 30 Grad eine Jeansjacke mit Fellbesatz anhatte, neben uns auf den Sitz gequetscht und hat dort 4 Stunden ausgeharrt, obwohl in der Zwischenzeit 6 andere Plätze frei waren.  Irgendwo auf der Strecke ist der Mann dann endlich ausgestiegen und wir haben uns schon gefreut. Dann hat es dann Hurricane Barbara angefangen zu schütten wie aus Eimern und wir mussten feststellen, dass der Bus nicht wirklich wasserdicht ist und dem Busfahrer selbst hat es auch an Dichtheit gefehlt. Vermutlich die Reinkarnation eines verstorbenen Rallyefahrers.


Nichtsdestotrotz sind wir heil in der Surfmetropole Puerto Escondido angekommen, wo wir seit paar Tagen nun endlich Meer, Strand,  Sonne und ein tolles Quartier genießen können. Die ersten Surfstunden sind  erfolgreich absolviert, weitere folgen.  Rudi wartet bereits sehnlichst auf einen Anruf von Billabong oder Red Bull.

So, nun ist Schluss, Rudi hat Hunger und muss dringend gefüttert werden.

Bis bald!

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Bilder:




Fotos sind nun aktuell!