Wieder liegt über ein Monat des Reisens hinter uns. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht!
Kleine Warnung am Anfang - da kommt was auf euch zu!
Kleine Warnung am Anfang - da kommt was auf euch zu!
Letzte Station des Eintrags Anfang September war Cusco nachdem wir vom Machu Picchu Trek wiedergekehrt sind. Von Cusco ging es nach Puno, einer Stadt am peruanischen Ufer des Titicacasees. Doch hier steht nicht der See im Vordergrund sondern die Musik. Denn Puno ist die Folklore-Hauptstadt Perus. Und das leben die Punenos voll und ganz. So wurden wir 2 Mal morgens um 7 Uhr von einer Folklore-Parade geweckt, zu Mittag wurde unser Mittagessen von Folkloremusik begleitet und natürlich darf man auch die wichtige 17-20 Uhr Parade nicht vergessen. Auf gut Deutsch – nach 2 Tagen ist uns dieses Gedüdel und Getröte schon ziemlich auf den Wecker gegangen. In Puno selbst gibt es nicht sehr viel zu tun. Es gibt immer wieder die Üblichen witzigen und absurden Erfahrungen wie zum Beispiel Kinder oder Jugendliche, die in ein Restaurant gehen und anfangen unendlich laut und falsch zu singen und dafür ein bisschen Geld abstauben möchten.
Aber das Absurdeste sind die „Schwimmenden Inseln“ namens Uros am Titicacasee. Nach ca. einer Stunde Bootsfahrt gibt es in diesem See “Inseln“ aus einer 3 Meter dicken Schilfschicht auf denen tatsächlich Leute wohnen. Und da Schilf das Material ist, das am meisten verfügbar ist, sind ihre Häuser, Boote, Betten… alles aus Schilf! Derzeit leben 2000 Menschen auf 49 Schilfinseln verteilt. Die Leute leben hauptsächlich vom Tourismus und der Fischerei. Wir haben zwar nur einen Bruchteil der Inseln gesehen, aber anscheinend gibt es dort eine Schule, einen kleinen Shop und sogar eine Kirche! Einfach unvorstellbar.
Von Puno ging es in NUR 5 Stunden Busfahrt auf die bolivianische Seite des Titicacasees. Nach vollführter Grenzkontrolle (wir sind inzwischen schon geübt darin) steuerten wir Copacabana an. Nein, nicht in Brasilien sondern in Bolivien hats anscheinend das erste Copacabana gegeben und der berühmte Strand wurde danach benannt (hat uns ein Brasilianer erklärt!). Copacabana ist ein kleines touristisches Städtchen, aber noch alles im Rahmen und „angenehm“ touristisch. Sicher, man wird beim Spazierengehen vor jedem Haus mit etwas anderem bedrängt, aber was tut man nicht alles für eine gute Busverbindung und ein bisschen Infrastruktur. Das bewährte System ist: Busunternehmen, Restaurant, Bootsfahrt, Busunternehmen, Restaurant, Bootsfahrt, Busunternehmen, usw… und überall steht jemand vor der Tür und hält dir die jeweiligen Angebote unter die Nase. Doch trotzdem lässt es sich hier gut für ein paar Tage aushalten. Fabelhafte Forellen in den Kiosks am See (Unser Tipp: Kiosko Numero 19 – Pamela) und Kuchen für umgerechnet 25 Cent. Ah, ein Traum für jeden Sparfuchs. Und weil uns die Forellen um 2 Euro so geschmeckt haben, haben wir auf 2 Tage gemeinsam 8 Forellen gegessen und so eine ganze Fischfamilie ausgerottet. Auch die Landschaft ist nicht zu verachten. Wir sind in den 2 Tagen auf alles hinaufgeklettert, was uns eine gute Aussicht auf die Stadt und den riesengroßen See geboten hat. Und bei 3800 Metern über dem Meeresspiegel hört man sich nach 10 Metern bergauf an wie ein 80-Jähriger Kettenraucher mit Asthma. Unglaublich wie schnell man da aus der Puste ist!
Nach 3 Nächten in Copacabana haben wir uns genug ausgeruht gefühlt für die nächste Herausforderung: La Paz. Also wieder ab in den Bus – es geht in die Hauptstadt! (zumindest mal in eine der BEIDEN!) In La Paz angekommen brauchten wir mal einen Tag um uns einzugewöhnen. Denn nach dem ästhetisch schönen Cusco, dem kleinen Puno und dem gemütlichen Copacabana war La Paz hm, einfach anders. Keine wirkliche Struktur, keine wirklich schönen Gebäude, viele Autos, viele Leute. Aber irgendwie passt La Paz einfach zu Bolivien. Laut, dreckig, chaotisch, arm, ab und zu wieder ein paar nette Plätze. Und vor allem eine Stadt, die auf der Straße lebt. Hier spielt sich alles draußen ab. Es gibt in der ganzen Stadt vielleicht einen oder zwei Supermärkte, weil jeder auf der Straße oder am Markt kauft was er zum Leben braucht. Straßen für Kleidung, Obst, gefälschte Elektronik, gebrannte CDs, Filme, man bekommt vom Glätteisen bis hin zur Zahnpasta wirklich alles und muss in keinen Shop gehen. Das Samsung Galaxy heißt hier Samsung Caleyx, es hat zwar eine Antenne zum Ausziehen, aber es sieht aus wie das Original und mehr interessiert hier niemanden. Es ist einfach alles gefälscht, manches schlecht, manches erstaunlich gut. Sogar das Hardrock Cafe La Paz ist fake! J
La Paz versucht auch bedingt touristisch zu sein. Der „Hexermarkt“, der in jedem Reiseführer als DIE Attraktion angepriesen wird – Schmarrn. 5 Geschäfte vor denen getrocknete Lamaföten baumeln und im Geschäft selber gibt’s irgendwelchen Schund. Cremes und Safterl für alles Mögliche, Glück, Liebe, Schönheit, Potenz. Naja, jeden Tag steht ein Dummer auf. Vermutlich macht man mit denen mehr Profit, als mit den Leuten, die gerade ihren letzten Lamafötus aufgebraucht haben.
Hier hat auch das Labyrinth der falschen Aussagen und unendlich viel Gerenne um nichts begonnen. Wenn man in Bolivien irgendjemand nach etwas fragt, hat man eine 50/50 Chance, dass das Gesagte stimmt. Doch in La Paz dachten wir noch, das wäre ein Einzelfall gewesen. Wir wollten an einem Sonntag das Fußballstadion besichtigen. Es war kein Mensch beim Kartenverkauf, doch das Tor zur Parkgarage war offen. Also sind wir rein, haben den Parkwächter gefragt, ob es eine Möglichkeit gibt ins Stadium reinzukommen. Er sagt ja, geht zu Tor 9. Wir rennen von 4 zu 9. Tor ist zwar nicht abgesperrt, aber auch nicht geöffnet und wieder kein Mensch da. Plötzlich rennt eine Putzfrau vorbei und sagt: Geht zu 4. Wir sagen: Da waren wir schon. Dann sagt sie: Ich frage euch nach. – Und kommt nie wieder. Dann gehen 2 Jungs rein, sperren die Tür ab und sagen: Fragt bei 6. Wir rennen zurück zu 6. Abgesperrt. Der von 4 ruft uns zu: KLOPFEN! Wir klopfen. Es tut sich nichts. Dann sagt er: Um 2 ist vielleicht wer da. Blabla, keine Sau hier. Nach 10 Mal hin und her, haben wir es schließlich aufgegeben. Dann halt nicht. Später stellte sich heraus, dass das ziemlich typisch für Bolivien ist.
Und noch etwas, das zu Bolivien gehört. Cholitas! Gemeint sind die traditionell gekleideten Frauen, mit dicken Samtröcken, haufenweise Kleiderschichten, langen geflochtenen Zöpfen und grellbunten Schultertüchern. Diese Schultertücher beinhalten immer eine Überraschung. Die etwas Jüngeren (man kann nie wirklich sagen, wie alt die sind!) transportieren ihre Kinder und Babies darin, andere haben ihren Verkaufsladen drinnen, andere ihre Einkäufe. Man sieht keine Cholita ohne ihr vollgestopftes Tuch. Unser Spiel war: Rate was im Tuch ist! Oft hat es den Anschein gehabt, sie hätten Steine drinnen, einfach nur um etwas in dem Tuch zu transportieren, wie sie es ihr ganzes Leben lang getan haben. Aber wenn ihr glaubt, das ist schon absurd, dann stellt euch mal eine Cholita mit einem Baby im Tuch vor, die mitten auf der Straße hockt und in ein Kanalgitter pinkelt! Sachen gibt’s.
Nachdem ich mich geweigert habe, auf ein Mountainbike zu steigen und eine Straße runterzubrettern, die sich Death Road nennt, hatte Rudi mal einen Tag frei von mir. (und ich von ihm!)
Absurd beschreibt La Paz ziemlich gut. Und so wurde auch die Busfahrt nach Cochabamba zu einem Erlebnis. Nachdem wir zum Frühstück heißen Kaffee aus einem Plastiksackerl getrunken haben (zum Mitnehmen halt!) saßen wir im Bus zusammen mit 4 sturzbetrunkenen Transvestiten, die vermutlich die Nacht durchgemacht hatten, da sie so aussahen, so rochen und sich so benahmen. Der ganze Bus wurde durch ihr Geschreie und ihr Gelächter unterhalten, jedoch mit einem Sicherheitsabstand von mindestens einer Sitzreihe dazwischen. Irgendwann sind sie jedoch eingeschlafen und plötzlich war es angenehm leise im Bus. Leise war es auch, als wir kurz vor Cochabamba bei der Bergung eines Buswrackes vorbeigefahren sind, der in der Schlucht gelegen ist. Kleiner Tipp am Rande: Wenn man in dieser Gegend mit dem Bus unterwegs ist – NICHT nach Busunfällen googeln!
Heil, aber ein bisschen nachdenklich in Cochabamba angekommen, quartierten wir uns ein und fragten wie so oft nach einheimischer Kost und einem guten Lokal dafür. Palacio del Sillpancho! Sillpancho ist ein Rindsschnitzel mit Spiegelei, Reis, Kartoffeln, Tomatensalat und Salsa, ein bisschen fettiger als daheim, dafür bekommt man eine Riesenportion für ganze EUR 1,60.
Tja, was gibt es sonst in Cochabamba… die größte Christusstatue der Welt (nein, nicht Rio!), Kirchen, Hauptplätze, Sillpancho, frischgepressten Orangensaft auf der Straße, und – achja – einen riesigen, riesigen, riiiiiiiiesigen Markt!
Obwohl wir eigentlich in jedem Land unserer bisherigen Reise immer viel auf Märkte unterwegs sind, haben wir sowas wie in Cochabamba noch nie gesehen. Und ganz nach bolivianischer Art – völlig unorganisiert. Man rennt zuerst durch Obststände, plötzlich findet man sich in Bergen von Schuhen. Danach Kochtöpfe, nächste Ecke Blumen. Was kommt danach? Ah, man riecht es schon von weitem – Fisch. Irgendwo kommen dann 5 kleine Shops mit Gitarren und dann – logischerweise Käse. Irgendwo fährt wieder ein Mann mit einer Scheibtruhe voller Schweinefüße und Kuhschnauzen vorbei und biegt hinter die Ecke mit dem Holz. Und wenn man nicht aufpasst, steigt man auf die Gewürze der Cholita, die ihr Tuch am Boden ausgebreitet hat. Wir sind sicher eine Stunde durch diesen Markt gerannt, ein ewiges Auf und Ab für unsere Mägen, zwischen Blumenduft, dem Geruch von rohen Hühnern und der ewigen Ungewissenheit, ob man um die nächste Ecke lieber die Luft anhalten soll und für wie lange.
Abgesehen von dem Markt, haben wir auch ein wichtiges Ereignis in Cochabamba besucht. Das Fußballspiel der heimischen Mannschaft Wilstermann gegen Bolivar aus La Paz. Das 35.000 Mann umfassende Stadion war gesteckt voll, die Fans haben gebebt und die Herzen der Wilstermanns schlugen höher als ihre Mannschaft den Tabellenführer mit einem 3:1 vernichtend geschlagen hat. Für mich war eher das Rundherum das Interessantere: Der alte Grantler, der zur Empanada-Verkäuferin sagt: „Geh auf dSeitn, deine Empanadas braucht koa Mensch, wenn de da Fußball spielen“ , die Zuckerwatteverkäuferin, die im Stadion auf das große Geschäft hofft oder die Kinder, die ihre Eltern um einen Luftballon anbetteln und sich dann eins grinsen, wenn der Papa dem Verkäufer winkt, damit die lieben Kleinen endlich ruhig sind.
Von Cochabamba geht’s dann mit einem etwas mulmigen Gefühl im Bauch Richtung Sucre, der zweiten Hauptstadt Boliviens. Mulmig deshalb, weil dies der letzte Nachtbus in Bolivien ist und wir die Strecke wieder zurückmüssen, in der der Bus in der Schlucht lag. Die Fahrt war holprig, unruhig und voller Kurven. Und wir haben aufgrund unserer lieben Paranoia und den schlechten Straßenverhältnissen circa 2 Stunden geschlafen. Aber auch diese Fahrt haben wir unbeschadet, wenn auch sehr geschlaucht, überstanden.
Ca 2 Stunden zu früh in Sucre angekommen, standen wir also um halb 6 am Busbahnhof und dachten: Scheiße! Was tun wir jetzt hier? Nachdem wir wiedermal kein Quartier gebucht hatten, weil wir es uns lieber vor Ort suchen wollten. Um halb 8 oder 8 nach einer durchgeschlafenen Nacht wäre das vielleicht eine gute Idee gewesen, aber unter diesen Umständen nicht. Also sind wir in ein Taxi gestiegen und sind in ein Hostel. Dort sind wir dann mal eine Zeit lang gesessen, weil es uns ganz und gar nicht gefallen hat und haben ein bisschen im Internet recherchiert. Um 8 Uhr sind wir dann in ein anderes, viiiiiiiiiiiiiel besseres, gleich die Straße runter. Hier wurden wir nett empfangen, alles wurde uns erklärt und die Besitzerin aus der Schweiz hat sich auch gar nicht anmerken lassen, dass wir ausgesehen haben wie Obdachlose (vermutlich haben wir nach dieser Nacht auch so gerochen – Angstschweiß!). Nachdem wir das Zimmer nicht gleich beziehen konnten, sind wir frühstücken gegangen und haben uns zum ersten Mal ein wenig entspannen können. Zurück im Hostel haben wir eins der schönsten Zimmer vorgefunden, die wir bisher hatten.
Nach dem Sightseeing-Marathon in Peru und Bolivien haben wir in Sucre 5 Tage lang nur eines getan – GAR NICHTS. Einkaufen, kochen, essen gehen, ein bisschen fortgehen, sich die Sonne auf der Terrasse auf den Bauch scheinen lassen und eine ruhige, entspannte Stadt genießen. Achja – einen halben Tag haben wir uns Dinosaurierspuren angesehen, also doch ein bisschen Sightseeing.
Doch nach 5 Tagen „Urlaub“ war es wieder an der Zeit weiterzuziehen. Potosì wartet! Am Tag der Abreise machte uns jedoch eine alte bolivianische Tradition einen kleinen Strich durch die Rechnung. Straßenblockade zwischen Sucre und Potosì. Also halt kein Bus, sondern ein Taxi. Also sind wir ganz cool mit einem Collectivo zur Blockade nach Bolivianischer Art, haufenweise große Felsbrocken auf der Straße, friedliche Leute, die sich ein wenig mit Chicha, vergorenem Maissaft, betrinken (wir haben auch einen auf die Blockade mitgetrunken!) und ein paar anderen Blockadenläufern. Nach ca. 1,5km Fußmarsch (uns hätten 100m auch gereicht) waren wir auf der anderen Seite und sind ins nächste Collectivo nach Potosì.
Dort angekommen haben wir unser Hostel bezogen und für den nächsten Tag eine Tour für die Silbermine gebucht, wegen der man Potosì überhaupt besucht, denn sonst gibt es eigentlich nichts Nennenswertes.
Die Mine selbst war jedoch wahnsinnig imposant. Die Touranbieter werben nicht umsonst mit: Danach werden Sie Ihren Job lieben! Denn was diese Minenarbeiter jeden Tag leisten und ihrem Körper antun, ist mit keinem normalen Job vergleichbar. Doch fangen wir ganz vorne an. Am Anfang wurden wir eingekleidet – Helm mit Lampe, Jacke, Hose, Gummistiefel und Tuch für Mund und Nase. Danach ging es zum „Miners Market“. Dort kaufen die Minenarbeiter was sie für die Arbeit brauchen und die Touristen, die an einer Tour teilnehmen, kaufen dort Wasser und Säfte sowie Kokablätter als Geschenke für die Arbeiter. Interessant ist auch, dass auf diesem Markt JEDER Dynamit + Zündschnur für umgerechnet 2 EUR kaufen kann. Denn diese Mine ist keine Show-Mine, alles echt. Nächster Stop war die Anlage zur Aufbereitung der verschiedensten Mineralien in den Felsbrocken, die die Arbeiter hinbringen. Wir dachten, dass es hier schon unangenehm wäre zu arbeiten, weil es wahnsinnig laut und stickig war wegen der ganzen Chemikalien. Doch dann in der Mine angekommen, wurden wir eines Besseren belehrt. Zuerst mal einige hundert Meter in den Berg rein, die meiste Zeit mussten wir gebückt gehen, weil alles sehr niedrig war. Das erste Mal außer Atem wegen der stickigen Luft und der Hitze ging es dann auf den Knien weiter. Nach ein paar Metern waren alle durchgeschwitzt. Dort haben wir den „Tìo“ besucht. Tìo symbolisiert den Teufel, dem die Bergarbeiter „Opfer“ in Form von Alkohol und Koka-Blättern darbieten, damit er ihnen bei ihrer Arbeit wohlgesinnt ist, denn so tief im Berg hat Gott nichts mehr zu sagen. Tio heißt auf spanisch Onkel, hat aber gar nichts damit zu tun. Als die Spanier in Potosì ankamen, zwangen sie die Einwohner in der Mine zu arbeiten. Sie haben ihnen gedroht, dass Gott (Dios) sie bestraft, wenn sie nicht gehorchen. Die Spanier traten für sie schon wie Götter auf, deshalb hatten sie vor diesem "Übergott", der noch brutaler sein musste, furchtbare Angst. Da sie in ihrer Sprache jedoch kein D kannten, wurde aus Dios Tio.
Wir haben Arbeiter getroffen, die zwischen 18 und 55 Jahre alt waren und zum Teil jeden Tag 12 Stunden in diesem Loch sitzen. Doch die 18-Jährigen sahen wie 35 und die 55-Jährigen wie 70 aus. Manche arbeiten in Gruppen, manche sitzen alleine in der kleinen Höhle, in der sie nicht mal aufrecht stehen können und stemmen und sprengen um den 50kg (!) Sack anzufüllen und dann auf dem Rücken raus zu transportieren. In der Mine kann jeder ab 14 Jahren arbeiten, der will oder schlichtweg keine andere Alternative hat um seine Familie zu erhalten und das rund um die Uhr. Die Leute werden nach dem bezahlt, was sie raus schaffen. Wir waren insgesamt 600m im Berg und 120m tief unten. Wir sind zum Teil durch Löcher gekrochen, durch die wir kaum durchgepasst haben und immer wieder haben wir Arbeiter vorgefunden, die da Tag für Tag durch Staub, Stein, Gestank, Wasser und Finsternis kriechen – mit 50kg Steine auf dem Rücken. Gegessen wird nichts, denn wie wir verstehen konnten, schmeckt da unten kein Essen. Also kauen sie den ganzen Tag auf Kokablättern herum, um den Hunger zu vertreiben und wach zu bleiben. Wir waren nur 2 Stunden in der Mine, jeder von uns war erschöpft, verschwitzt, froh, wieder draußen zu sein und nachdenklich – denn unsere Gedanken waren bei den 15.000 Leuten in insgesamt 150 aktiven Minen da drinnen, die nicht nach 2 Stunden wieder raus können.
Wir haben Arbeiter getroffen, die zwischen 18 und 55 Jahre alt waren und zum Teil jeden Tag 12 Stunden in diesem Loch sitzen. Doch die 18-Jährigen sahen wie 35 und die 55-Jährigen wie 70 aus. Manche arbeiten in Gruppen, manche sitzen alleine in der kleinen Höhle, in der sie nicht mal aufrecht stehen können und stemmen und sprengen um den 50kg (!) Sack anzufüllen und dann auf dem Rücken raus zu transportieren. In der Mine kann jeder ab 14 Jahren arbeiten, der will oder schlichtweg keine andere Alternative hat um seine Familie zu erhalten und das rund um die Uhr. Die Leute werden nach dem bezahlt, was sie raus schaffen. Wir waren insgesamt 600m im Berg und 120m tief unten. Wir sind zum Teil durch Löcher gekrochen, durch die wir kaum durchgepasst haben und immer wieder haben wir Arbeiter vorgefunden, die da Tag für Tag durch Staub, Stein, Gestank, Wasser und Finsternis kriechen – mit 50kg Steine auf dem Rücken. Gegessen wird nichts, denn wie wir verstehen konnten, schmeckt da unten kein Essen. Also kauen sie den ganzen Tag auf Kokablättern herum, um den Hunger zu vertreiben und wach zu bleiben. Wir waren nur 2 Stunden in der Mine, jeder von uns war erschöpft, verschwitzt, froh, wieder draußen zu sein und nachdenklich – denn unsere Gedanken waren bei den 15.000 Leuten in insgesamt 150 aktiven Minen da drinnen, die nicht nach 2 Stunden wieder raus können.
Nach diesem beeindruckenden Erlebnis ging es weiter nach Uyuni, dem Ausgangspunkt für unsere 3-tägige Tour in die Salzwüste. Nachdem wir den „vertrauenswürdigsten“ Anbieter ausgewählt hatten, der uns, wie wir später erfuhren, das Blaue vom Himmel erzählt hatte, saßen wir am nächsten Tag mit 4 Brasilianern im Jeep. Die hatten über eine andere Agentur gebucht, denen wurde jedoch auch alles Mögliche erzählt, was nicht stimmte. Wir hatten 3 witzige Tage miteinander, unser Fahrer war nicht betrunken (da war unserer scheinbar wirklich eine Ausnahme!), wir fuhren durch beeindruckende Landschaften, froren uns in den Nächten fast den Hintern ab und kamen danach heil in Chile an. Ich erspar mir jetzt die Beschreibung der Gegenden – schauts euch die Bilder an!
Wir landeten in San Pedro de Atacama mit einem schönen Sonnenbrand im Gesicht und 4 Freunden aus Rio de Janeiro, die wir im Dezember wiedersehen werden. Hier taten wir, was vermutlich 90% aller Touristen hier machen, wir liehen uns Fahrräder aus und fuhren in die Atacamawüste. Wüste ist jedoch nicht gleich Wüste, denn hier sind es gewaltige rote Canyons und faszinierende Felsformationen. Für Rudi also eine abenteuerliche Radstrecke – für mich zerkratzte Beine vom Gestrüpp, Angstschweiß und Krämpfe in den Fingern vom um den Lenker krallen. Nach 5 Stunden Flussüberquerungen, Irrfahrten, aber dafür fast surreal schönen Landschaften und dem guten Gefühl etwas geleistet zu haben, kamen wir wieder zurück nach San Pedro. Und auch hier sprechen die Bilder wieder für sich!
Nach unserem vorerst kurzen Gastspiel in Chile gings auch schon weiter nach Salta in Argentinien. Nach 11 Stunden Busfahrt kamen wir abends dort an und wieder einmal war kein Hostel gebucht – aber dieses Mal, weil das Internet in San Pedro nicht funktioniert hat. Also erneut die unbequeme Suche mit dem immer schwerer werdenden Rucksack auf dem Rücken und keinem einzigen argentinischen Peso in der Tasche in einer fremden Stadt am Abend. Es gibt kaum was Schöneres! Schlussendlich sind wir dann doch fündig geworden und wurden freundlich in einem Hostel aufgenommen. Wieder einmal brauchten wir eine Pause. Die 2 Tage in Salta verbrachten wir mit Fleisch essen (ja, das Klischee stimmt!), Eis essen, herumschlendern und uns darüber freuen, dass wir dank der Inflation so einen guten USD-Kurs in einer halboffiziellen Wechselstelle bekommen haben.
Von Salta reisten wir endlich wieder einmal bequem per Nachtbus nach Cordoba (ja, Fußballfans – DIESES Cordoba!). Dort angekommen wurde uns klar: Argentinier sind echt wahnsinnig freundlich! Kaum steht man mit einer Straßenkarte oder einem Reiseführer auf der Straße und diskutiert genervt darüber, welche Richtung jetzt die richtige ist und wer von uns beiden die Karte nicht lesen kann, steht auch schon ein freundlicher Argentinier da und fragt, wo man denn hinmöchte, dann wird der Weg KORREKT erklärt (hört euch das an, Bolivianer!) und schon sind sie wieder verschwunden. Das passiert uns ständig. Außerdem sind die Leute dermaßen interessiert, dass sie schon von Weitem fragen, wo wir denn herkommen und wie es uns hier gefällt. Kellner, Leute hinter der Theke, auf der Straße – erst gestern hat uns eine alte Frau auf dem Weg zum Bus einfach so aufgehalten und gefragt, wo wir herkommen und ob uns Mendoza gefällt und ob wir hier wohnen möchten!? Dann hat sie uns freundlicherweise im Namen Gottes noch gesegnet und uns mit unseren schweren Rucksäcken weitergehen lassen. Sogar die etwas abgedrehten Menschen sind in Argentinien nett J
Apropos abgedreht: In Cordoba haben wir ein paar Tagesausflüge etwas außerhalb der Stadt gemacht, da wir wieder etwas in der Natur sein wollten. Also sind wir nach Altagracia um das Che Guevara-Museum dort zu besichtigen.
Und weils so schön auf der Strecke lag am selben Tag von Altagracia nach Villa General Belgrano – denn dort gibt es das „Oktoberfest“ Argentiniens. Hahaha – wir haben den nächsten Anwärter für unsere Sammlung „Absurditäten aus aller Herren Länder“. Ein Open-Air-Festival bei dem man sich einen eigenen Krug sauteuer kaufen muss (dafür hat er ein schönes Band in den Farben der deutschen Flagge zum Umhängen wie eine Handtasche!) und bei den verschiedenen Ständen kann man sich dann seinen Krug (ebenfalls teuer) anfüllen lassen. Ein bisschen was zum Hintergrund. Villa General Belgrano besteht aus Nachkommen deutscher, Schweizer und norditalienischer Einwanderer - unter anderem von Überlebenden des im Zweiten Weltkrieg vor Montevideo versenkten Kriegsschiffes Admiral Graf Spee.
Um ein bisschen Heimat in die Fremde zu bringen, wurde vor 50 Jahren das Oktoberfest eingeführt und ist heute eine riesige Touristenattraktion in Argentinien. Doch das Absurde ist, wie das Ganze aussieht. Die Leute tragen Filzhüte ala Robin Hood mit langen Federn und Lederhosen, die meistens keine Lederhosen sind, sondern nur so aussehen. Außerdem sind schwarze Mönchskutten aus Satin sehr beliebt, sowie „Dirndl“, die aussehen wie die Kleider auf den Mittelaltermärkten. Es bleibt also nichts unversucht um so „deutsch“ wie möglich auszusehen. Das Essen hingegen hat rein gar nichts mit dem zu tun, was wir kennen. Eine Wurst „Viena Berna“ ist eine aufgeschnittene dicke Wurst mit einer Scheibe Käse dazwischen und umwickelt mit Fleisch – das Ganze wird dann noch in ein Bosna-Semmerl gequetscht und haufenweise Sauerkraut drauf. Bernerwürstel halt. Wie eine Pancho Knack oder Frankfurt Knack aussieht – so als ob es von uns keiner essen würde… Außerdem sind in dem ganzen Dörfchen wahllos deutsche Wörter verteilt. Ein paar Beispiele – Blasenhaus, BierHaus Franz y Fritz, Wein Keller, Die Rotlicht Sandwich, Blau Bart, usw. Unsere Lieblinge waren jedoch die Bierkrüge mit Oktoberfest Saarbrücken oder Oktoberfest Tirol oder Das Handwerk Bier Handwerker - frost und lecker (steht tatsächlich so auf einem Krug). Tja, typisch deutsch eben, garniert mit dem einem oder anderem Polka, der durch die Lautsprecher grölt.
Ein anderer Ausflug war nach La Falda, ein kleines Freizeitparadies vorwiegend für Argentinier. Ein netter, kleiner See, viel Grünes und wieder mal ein wahnsinnig freundliches älteres Paar mit dem wir ein bisschen herumspaziert sind. Wieder Schema F: Wo seid IHR denn her? Ah, Österreich, da war ich auch schon, 1994. Wohnt ihr in Wien? Ich war dort am 12. Mai, da hab ich nämlich Geburtstag – und in Graz und Klagenfurt war ich auch. Da hab ich mir eine Uhr gekauft, geht noch immer sehr genau. Zum Abschied gibt’s noch ein Küsschen – auch die Männer küssen sich hier. Pfiat eich, Rodolfo und Maria aus Santa Fe.
Cordoba selbst ist eher unspektakulär, schön, gemütlich, aber nichts Außergewöhnliches. Aber mit den Ausflügen hielten wir uns auch hier 4 Nächte auf. Nächster Halt Mendoza. Eine Stadt bekannt für Rotwein und Oliven, da liegt es natürlich auf der Hand, dass das natürlich auch gut vermarktet wird. Ein bisschen außerhalb kann man von einem Weingut und einer Olivenfarm zur nächsten radeln und das haben wir natürlich auch gemacht. Ein bisschen Toskanafeeling in Südamerika. Die Straßen sind sehr flach und gesäumt von Olivenbäumen und Weinreben. Selbstverständlich haben wir auch ein wenig verkostet – Cabernet Sauvignon und Malbec sind definitiv besser als Pancho Knack mit Sauerkraut!
Außerdem haben wir uns in Cordoba zum ersten Mal im Couchsurfen versucht. Und gleich mit vollem Erfolg. Xavier war ein freundlicher, aufgeschlossener Gastgeber, hat uns sein Haus anvertraut als ob er uns ewig kennen würde und zu guter letzt wurden wir auch noch zu einem Asado (Grillerei) mit seinen Freunden eingeladen. Grillen in Argentinien ist quasi ein Trendsport. Überall wird gegrillt – bei jedem Rastplatz und sogar im Außenbereich der Therme in Cacheuta kann man sich sein Fleisch selbst auf einen der mindestens 50 Grillplätze hauen. Da die Argentinier so ein geselliges Volk sind, wird alles zu einer Zeremonie. Ein kurzes Treffen zum Matetee dauert ein paar Stunden und beim Asado ist es dasselbe. Hier verwendet niemand Grillkohle oder Spiritus. Man kauft spezielles Holz, dieses wird dann verbrannt bis es zur Kohle wird, dann wird die Kohle im Griller verteilt und das Fleisch (riesige Fleischstücke!) wird dann ganz langsam darüber gebruzzelt bis es außen knusprig und innen weich ist. Und nachdem sich dieses Spektakel über Stunden zieht, trinkt man in der Zwischenzeit literweise Rotwein und unterhält sich. So war es auch bei uns. Um 1 Uhr in der Früh war es dann soweit – das Fleisch kam auf den Tisch und jeder war bereits SEHR gut drauf. Es war ein toller Abend, gutes Essen, witzige Leute, ein Bursch, der ein Jahr im Mühlviertel war und Deutsch mit komplett österreichischem Akzent spricht und dann noch 2 exzellente Klavierspieler, die sich eine Schlacht am Instrument lieferten. Einfach unvergesslich, danke Xavier!
Von Mendoza geht’s Richtung Chile mit Zwischenstopp in Uspallata, einem Dorf in den argentinischen Anden. Zum ersten Mal sahen wir hier das Bild von Argentinien, das man komischerweise im Kopf hat. Pferde, die auf den weitläufigen, saftig grünen Wiesen weiden, Berge mit Schnee im Hintergrund.
Erwachsene und auch Kinder, die durch das Dorf galoppieren und immer wieder riecht es irgendwo nach Asado. Man fährt 30 Minuten mit dem Fahrrad und findet sich mitten im Nirgendwo zwischen Bergen mit 7 verschiedenen Farben. Endlich die Natur, die wir wieder einmal brauchten, bevor es über den Pass nach Santiago ging, wo wir derzeit in der Wohnung von Victor und Javiera sitzen und den Ausblick über die Stadt aus dem 18. Stockwerk genießen.
Bis demnächst - viel Spaß mit den Bildern!






























































