Wir melden uns mit einem schlechtem Gewissen zurück. Gerade
sitzen wir im chaotischen und völlig andersartigen Kathmandu, verdauen die Eindrücke des letzten Monats, die wir mit unseren Freunden quer durch Nepal gesammelt haben und zählen die
Tage bis zu unserem Flug nach Delhi. Aber dazu später....
Also wo sind wir stehen geblieben?! Ah ja, Buenos Aires…
liegt inzwischen schon weit hinter uns, aber zum Glück funktioniert unser
Gedächtnis noch ziemlich gut. Nach 3 Nächten Couchsurfen bei Bartolome sind wir
aufgrund eines neuen Gastes in ein Hostel/Hotel umgezogen. Die Besitzer waren
ein relativ betagtes und ein wenig verwirrtes, dafür aber sehr herzliches Paar.
Dank ihm machten wir die Entdeckung der Woche: Cordon Bleu für 30 Pesos (ca.
3€) gleich um die Ecke! Somit war unser Speiseplan in Buenos Aires fix. Mittags
Cordon Bleu, abends Steak und dazwischen Maracuya-Eis im Viertelkilo-Kübel. Und
nein – wir sind dort nicht fett geworden!
Außerdem verbrachten wir einen sehr netten Abend mit Lukas
(oder Torben, wir wissen noch immer nicht genau wie er heißt) aus Berlin, der
in Buenos Aires sein Auslandssemester absolviert. Kennengelernt haben wir den
netten Deutschen in Cordoba und weil beide Seiten erfreut waren einen
„Nachbarn“ zu treffen hat er uns kurzerhand zu einem Asado mit seinen Eltern
und seinen Freunden eingeladen hat. So weit weg von der Heimat sind eben auch
die deutsch-österreichischen Streitigkeiten beiseite gelegt. J
Doch die sehr entspannte Zeit in Buenos Aires hatte ein sehr
unentspanntes Ende. Am Tag unserer Abreise per Bus nach Puerto Iguazu hat
unerklärlicherweise die Metro-Linie zum Busbahnhof des Geist aufgegeben, die
Busse waren daher mehr als überfüllt, es war Freitag, Rush Hour und ein
bisschen spät waren wir natürlich auch wieder mal dran. Tja, nach ca. dreißig Minuten verzweifelter Taxisuche
mit anschließend schweißgetränkten Kleidern haben wir den EINEN Taxifahrer
gefunden. Quasi den Taxidriver des wahren Lebens. Der sichtlich motivierte Herr beförderte uns
ohne Rücksicht auf Verkehrsschilder, Ampeln oder sonstigen seiner Meinung nach
unnötigen Einrichtungen auf direktem Weg zum Busbahnhof in Buenos Aires. Nach
einer fünfzehn-minütigen hollywoodreifen Fahrt durch Downtown Buenos Aires,
schafften wir es doch noch rechtzeitig zum Bus. Ganze 2 Minuten vor Abfahrt.
Phu, das war knapp!
Eine Nacht und 21 Stunden später im Bus kamen wir ausgeruht
im tropisch heißen Puerto Iguazu an. Dieser kleine Ort ist der Ausgangspunkt
für die Iguazu-Fälle auf der argentinischen Seite und hat sonst nicht viel mehr
zu bieten. Klein, touristisch und natürlich alles ein bisschen teurer als
sonst. Das für Argentinien unübliche tropische Klima in Iguazu
bringt einen nach 100 Metern zu Fuß zum Schwitzen als ob man einen Marathon
läuft. Willkommen zurück in den Tropen!
Die Wasserfälle halten jedoch auf jeden Fall was sie
versprechen. Wir hatten Sehenswürdigkeiten, die uns ein wenig enttäuschten,
aber Iguazu gehört auf keinen Fall dazu. Man weiß, was einen erwartet, weil man
sie schon auf tausend Bildern gesehen hat, aber wenn man davorsteht, ist es trotzdem
so beeindruckend, dass man erstmal für ein paar Minuten sprachlos ist. Also
definitiv ein HIGHLIGHT unserer Reise!
Am nächsten Tag machten wir den ersten Abstecher nach
Brasilien um uns den Itaipu-Damm in der Nähe von Foz de Iguazu anzusehen. Das leistungsmäßig
größte Wasserkraftwerk der Welt hat mit der vierzigfachen Wasserdurchflussmenge
der Iguazu Wasserfälle eine Energieausbeute von 98 Millionen MWh pro Jahr. Das
entspricht der Leistung von 7 Atomkraftwerken! Ebenfalls beeindruckend und sehr
sehenswert!
Einen Tag später ging es dann endgültig nach Brasilien, das
letzte Land unseres Südamerika-Abenteuers. Brasilien begrüßte uns gleich mal
auf Deutsch, in der Gestalt von Oldimar, unserem Couchsurfing-Host in Sao
Paulo.
Oldimar ist ein sehr freundlicher, großzügiger und vor allem beeindruckender Mensch mit vielen verschiedenen Facetten und Talenten. Der Aufenthalt bei ihm hat uns sehr viel Freude bereitet – besonders während er mit seiner 5-jährigen Tochter Clara musiziert hat. Sao Paulo selbst hat uns eher ein bisschen eingeschüchtert. Eine Stadt mit 20 Millionen Einwohnern ist trotz unseren Erfahrungen doch ein wenig zu groß für uns Landeier. Es gibt zwar viele Straßenmusiker, Graffiti, schöne Parks und eine tolle Kunstszene – Oldimar hat uns viel gezeigt und gute Tipps gegeben, jedoch das Ausmaß der Stadt und die Sprache hat uns trotzdem ein wenig zugesetzt. Oldimar blickt mit kritischen Augen auf Sao Paulo und Brasilien und hat uns Dinge erzählt, die einem Touristen gleich mal die rosa Brille abnehmen. Zum Beispiel über das alte wunderschöne Zentrum, das langsam verfällt und von den Einheimischen Cracklandia genannt wird, weil sich dort nur noch die in Decken eingehüllten Drogensüchtigen herumtreiben. Alle anderen machen einen großen Bogen darum. Auch wir mussten dieses Spektakel nicht live sehen und begnügten uns mit einem YouTube-Video. Wir hatten keine schlechten Erfahrungen dort, aber so richtig warm geworden sind wir nicht mit Sao Paulo, dafür haben wir einen besonderen Menschen kennengelernt, der uns hoffentlich mal besuchen kommt!
Oldimar ist ein sehr freundlicher, großzügiger und vor allem beeindruckender Mensch mit vielen verschiedenen Facetten und Talenten. Der Aufenthalt bei ihm hat uns sehr viel Freude bereitet – besonders während er mit seiner 5-jährigen Tochter Clara musiziert hat. Sao Paulo selbst hat uns eher ein bisschen eingeschüchtert. Eine Stadt mit 20 Millionen Einwohnern ist trotz unseren Erfahrungen doch ein wenig zu groß für uns Landeier. Es gibt zwar viele Straßenmusiker, Graffiti, schöne Parks und eine tolle Kunstszene – Oldimar hat uns viel gezeigt und gute Tipps gegeben, jedoch das Ausmaß der Stadt und die Sprache hat uns trotzdem ein wenig zugesetzt. Oldimar blickt mit kritischen Augen auf Sao Paulo und Brasilien und hat uns Dinge erzählt, die einem Touristen gleich mal die rosa Brille abnehmen. Zum Beispiel über das alte wunderschöne Zentrum, das langsam verfällt und von den Einheimischen Cracklandia genannt wird, weil sich dort nur noch die in Decken eingehüllten Drogensüchtigen herumtreiben. Alle anderen machen einen großen Bogen darum. Auch wir mussten dieses Spektakel nicht live sehen und begnügten uns mit einem YouTube-Video. Wir hatten keine schlechten Erfahrungen dort, aber so richtig warm geworden sind wir nicht mit Sao Paulo, dafür haben wir einen besonderen Menschen kennengelernt, der uns hoffentlich mal besuchen kommt!
Auf den Rat von Oldimar hin, machten wir uns auf den Weg zur
Ilha Grande, einer wunderschönen Insel nahe der brasilianischen Küste. Nach
einem zweitägigen Zwischenstopp im veregneten Parati, das bei gutem Wetter
eigentlich auch sehr schön sein soll (was bei uns aber leider nicht der Fall
war), machten wir uns auf die Suche nach Sonnenschein und daher auf nach Ilha
Grande. Eine Stunde Bootsfahrt und schon waren wir im karibischen Paradies.
Drei Nächte blieben wir im Hauptort Abraao um den nahe gelegenen Strand Lopez
Mendes , eine Bootsfahrt um die halbe Insel und das deftige Essen unserer
Hostelbesitzerin Christina zu genießen. Diese karibische Perle ist den ganzen
Tag in der Küche gestanden um die hungrigen Backpackermäuler zu stopfen, leider
hat sie dabei ganz auf das Putzen vergessen. Oder sie wollte die Leute damit
ein wenig bestechen. Auf jeden Fall war das Essen wirklich gut und hat uns
tatsächlich für die schwülen, moskitogeplagten Nächte in einem heruntergekommenen Zimmer ein wenig
entschädigt. Wahrscheinlich muss ich nicht erwähnen, dass dieses Hostel das
billigste auf der Insel war.
Da wir jedoch auch den unberührteren Teil dieser Insel sehen
wollten, fragten wir uns von „Tourismusbüro“ zu „Tourismusbüro“ durch, ob es
denn eine Möglichkeit gibt in den kleineren Orten rund um die Insel zu campen.
Wir bekamen keine eindeutige Antwort, manche vermuteten, dass es schon einen
Campingplatz gibt, andere haben schon von Leuten gehört, die gecampt haben,
andere haben uns empfohlen auf einem Fischerboot per Anhalter einen Strand zu überqueren… Tja, und
natürlich wusste niemand weder einen Preis, noch einen Namen oder ob man sich
da auch ein Zelt ausleihen kann. Da aber die Mehrheit meinte, dass es auf
diesem Strand etwas gibt, haben wir unsere kleinen Rucksäcke gepackt und sind
mit Schlafsack, Moskitonetz und Essen versorgt aus der Touristenfalle ins
Inselparadies gewandert. 16 km und 6 Stunden später sind wir am Strand
Parnaioca angelangt – und uns wurde
zuerst ein wenig mulmig, weil es dort nur ein paar verlassene Häuschen gab.
Nach ein bisschen Suchen fanden wir dann doch eine kleine Fischbraterei, die
von einem Ehepaar betrieben wurde – für den Fall, dass sich doch mal jemand
hierher verirrte. Die Frau war vom ersten Moment an sehr herzlich, sie hat
geredet und geredet und geredet – und das Ganze in schönstem Portugiesisch, von
dem wir kaum ein Wort verstanden. Unser Teil der Unterhaltung bestand
hauptsächlich aus Nicken und Lächeln, aber somit waren wir uns wenigstens immer
einig. Wir dachten zuerst, wir hatten Glück gleich auf die Richtige zu treffen,
da sie auch für den Campingplatz gleich daneben zuständig war. Aber da an
diesem Strand, wie wir später erfuhren, insgesamt nur 5 Leute wohnten, hatte
das Ganze wahrscheinlich wenig mit Glück zu tun. Nachdem wir uns auf dem leeren
Campingplatz als alleinige Herrscher häuslich gemacht hatten und den Strand erkundeten,
auf dem wir ebenfalls alleine waren, kochte Marta am Abend ihr Spezialgericht
(ihr einziges Gericht) für uns – Fisch mit Reis, Bohnen und Salat in rauen
Mengen – und wir haben zugeschlagen als ob wir 5 Tage lang zu Fuß gegangen
wären. Sie hatte sichtlich Freude daran, dass wir den ganzen Berg aufgegessen
haben und wir hatten ebenfalls unsere Freude, weil das Essen einfach umwerfend
gut und zudem noch billig war. Am nächsten Tag machten wir uns gleich
frühmorgens auf den Weg in das angrenzende Naturreservat, da Marta uns
VERMUTLICH geraten hat, gleich am Morgen zu gehen (so genau konnten wir uns das
dank der Sprachbarriere nicht zusammenreimen, wann wir jetzt wohin gehen
sollten). Wir wussten nur, dass es eigentlich verboten war, das Reservat zu
betreten und es laut Marta einen Trampelpfad dorthin gibt. Nach 2 Stunden
schweißtreibendem Morgensport durch das Dickicht und vorbei an dem Schild auf
dem stand, dass man gefälligst umkehren soll, waren wir wieder einmal allein an
einem verlassenen Strand, mit dem einzigen Unterschied, dass man sich hier
eigentlich nicht aufhalten durfte und niemand den angeschwemmten Plastikmüll
entsorgte. Wir liefen also den Strand auf und ab, empörten uns über das ganze
Plastik, sagten: „Ja, schon schön hier“ und machten uns wieder auf den Weg
zurück zu unserem Campingplatz. Auch der zweite Tag nahm seinen geregelten Lauf
bestehend aus Karten spielen, Strandspaziergang, Martas gebackenen Fisch
verputzen und sich währenddessen von ihren 2 Hunden, dem famosen Nick, einem
aufgeweckten Pudel und Miau (?!), einer jungen Shih Tzu-Dame unterhalten
lassen. So entspannt die Tage waren, so unentspannt war ich während der Nächte
in unserem Zelt. Denn die Geräuschumgebung des angrenzenden Dschungels mit
seinen Brüllaffen und Wetterkapriolen raubten mir fast vollständig den Schlaf
während Rudi gemütlich vor sich hin schlummerte. Schon seltsam wie man sich in
so einer „ruhigen“ Gegend so beunruhigt fühlen kann, wenn es dunkel ist.
Irgendwann in der Nacht nachdem ich circa 2 Stunden lang paranoid mit meiner
Stirnlampe auf dem Kopf beim Zelt rausgeleuchtet habe um eventuelle Gefahren zu
„vertreiben“ (tolle Idee, ich weiß!), habe ich dann doch noch ein wenig Schlaf
gefunden. Am nächsten Morgen packten wir unsere Sachen und gingen zu Marta um
dort zu frühstücken. Der Plan war, dass wir nur kurz eine Tasse Kaffee mit
geschätzten 4 Löffeln Zucker, wie es in Brasilien so üblich ist und den Kuchen
essen, den wir von Marta bekommen haben und uns danach gleich auf den Rückweg
machen. Der Plan hielt solange bis Marta mit den Fotos ihrer Enkel, Töchter, Urlaube
und Lernunterlagen ankam. Letztere gehörten einer Österreicherin, die vor 7
Jahren für ein Monat bei Marta wohnte und die sie ins Herz geschlossen hatte
wie eine Tochter. Wir hörten uns also die Geschichte von Marta und Julia Berger
an, von ihren Töchtern, die leider viel zu selten zu Besuch kamen, weil sie in
Rio arbeiteten und sahen uns dutzende Fotos von ihren niedlichen Enkeltöchtern
an, bei denen sie ganz wehmütig wurde. Gute 3 Stunden später als geplant
verabschiedeten wir uns mit einem dicken Kloß im Hals und einer sehr herzlichen
Umarmung, ließen uns von ihr segnen und mussten ihr versprechen, dass wir bald
heiraten, denn wir werden ja schließlich nicht jünger.
Nach einem beschwerlichen Rückweg blieben wir noch eine
Nacht in Abraao bevor wir uns am nächsten Morgen zum letzten Punkt unseres
Südamerikaabenteuers aufmachten – Rio de Janeiro!
Aufgrund einer Empfehlung anderer Reisender haben wir ein
Hostel in Lapa, einem Viertel Rios gebucht. Das Hostel war top, die Leute
freundlich, die Caipirinhas gut und günstig, doch wir mussten erkennen, dass
Lapa nicht zu den besten Vierteln Rios zählt, außer man ist Crack süchtig und
schläft gerne in Unterhosen auf dem Gehsteig. Daher haben wir unsere
Erkundungen auf andere Viertel verlegt und das übliche Touristen-Programm
absolviert. Zuckerhut, Corcovado, Copacabana, Ipanema. Wir haben nichts
ausgelassen. Die Stadt ist von einem der höhergelegenen Aussichtspunkte
wunderschön, der Nationalpark rundherum sorgt für den nötigen Auslauf aus der
Betonhölle und auf den weißen Stränden zeigen die Cariocas was sie unter ihrer
Kleidung zu bieten haben. Ja, und manche zeigen fast alles! Wir haben selten so
viel unbedeckte Haut gesehen, obwohl niemand oben ohne oder nackt war. Die
Sonnenanbeterinnen in Ipanema kaufen Bikinis wie sich die Leute bei uns im
Freibad ein Eis kaufen, und das Motto lautet: Je kleiner, umso besser. Doch das
genaue Gegenteil gilt für Hinterteile. Die brasilianischen Frauen tragen ihre
Rundungen mit einem unvergleichlichen Selbstbewusstsein, und die
brasilianischen Männer in ihren knappen Speedos sind sichtlich begeistert.
Nach 4 Nächten im heruntergekommenen Lapa sind wir ein paar
Viertel weitergezogen, diesmal nach Tijuca zu Felipe und Lais, unseren nächsten
Couchsurfing-Hosts. Das nette Paar mit ihrem etwas verwirrten Hund Anita hat
uns ein Rio gezeigt, das wir bisher noch nicht gesehen hatten. So gingen wir
zuerst auf einen gemütlichen Freiluft-Samba auf einem kleinen Platz umsäumt
irgendwo in einem älteren Teil Rios, wo sich die Leute einen oder zwei
Caipirinhas gönnen, der Musik lauschen und ein wenig tanzen. Der zweite Teil
des Abends drehte sich auch um Samba, jedoch war der mit dem ersten Teil nicht
zu vergleichen. Eine riesige Sambaschule, die samstags in einen Pfuhl aus
Sambarhythmen und wackelnden Hinterteilen aller Größen, Formen und Farben
verwandelt wird. Auch hier fanden wir sofort wieder die brasilianische Vorliebe
für knapp bedeckte und üppige Bäckchen vor, der Ausdruck „etwas ins Auge
springen“ bekam eine etwas andere aber durchaus passende Bedeutung. Zum
Abschluss eines gelungenen Abends haben wir auch noch gleich einen unserer
Begleiter verloren, der zu späterer Stunde an einem Paar Backen und deren Inhaberin
hängen geblieben ist.
Am nächsten Tag (aber nicht zu früh nach der vorherigen
Nacht) machten wir zusammen mit Felipe eine spontane Fahrt ins Grüne. Der
Nationalpark rund um Rio ist mit einer halbstündigen Busfahrt von Zentrum zu
erreichen. Hier hat sich die Metropole wieder von einer ganz anderen Seite
präsentiert. Von der Großstadt in den Dschungel mit Wanderwegen, Flüssen und
versteckten Wasserfällen in einem Katzensprung. Man fühlt sich so ganz und gar
nicht mehr wie in einer Millionenstadt und auch die Ausblicke zeigten weder Hochhäuser noch
Smog, sondern einfach nur Natur. Vielfältiges Rio!
Unser Aufenthalt in Rio und somit auch auf diesem Kontinent
neigte sich schön langsam dem Ende zu, doch ein Highlight für Rudi sparten wir
uns auf den letzten Tag vor dem Abflug. Ein Fußballspiel im Maracana-Stadion.
Dafür haben wir 2 unserer Bekanntschaften aus der Salar de Uyuni kontaktiert
und die beiden eingefleischten Botafogo-Fans Miguel und Victor haben sich
sofort dazu bereiterklärt, sich mit uns am Nachmittag beim Maracana zu treffen,
vorher noch ein Bier zu trinken und dann mit uns das Spiel anzusehen. Gesagt,
getan, Zeit- und Treffpunkt waren verabredet und auch die Vorfreude war auf
Rudis Gesicht kaum mehr zu übersehen. Diese trübte sich jedoch fatal nach fast 2
Stunden des Wartens auf die beiden am verabredeten Eingang zum Stadion, denn
sie hatten unsere Karten und Spielbeginn war bereits in gut 30 Minuten, doch
noch immer keine Spur von den beiden. Rudis Teint spielte schon alle Farben,
von nervös-bleich bis verärgert-rot war auf der Farbpalette alles dabei, und
trotzdem wollten wir uns noch nicht eingestehen, dass uns die beiden versetzt
hatten. Und tatsächlich, plötzlich kamen die beiden angerannt, schweißgebadet
und gehetzt, und erklärten uns, dass sie bereits seit 2 Stunden auf uns
warteten – nur eben auf der anderen Seite des Stadions, die quasi der eineiige
Zwilling unseres Einganges war. Victor hat vermutlich in diesem Moment
eingesehen, dass es doch nicht die beste Methode war, ein Bild vom Eingang zu
schicken, um uns zu beschreiben, wo wir uns treffen sollten, nachdem es 2 gleiche gibt. So, dachten wir,
endlich kanns losgehen – doch falsch gedacht. Denn aufgrund eines
Kreditkartenproblems haben die beiden nur zwei Karten im Voraus kaufen können.
Also noch kurz einen Abstecher auf den Schwarzmarkt, zwei Karten zum doppelten
Preis gekauft – und dann haben wir es endlich ins Stadion geschafft. Das Spiel
ließ uns jedoch alle vorangegangenen Strapazen vergessen, die Fans waren gut
gelaunt, die Teams motiviert und Botafogo siegte über Criciuma mit einem vernichtenden 3:0. Danach machten
wir uns zu viert auf in eine typische „Bar“, eine Art Garagenraum neben der
Straße, wo sich die Bierkisten stapeln und die Leute auf Plastikmöbeln draußen am
Gehsteig sitzen und sich unterhalten. Nach Stunden voll von angeregten
Gesprächen und Tränen in den Augen vor Lachen, haben wir uns von den beiden
verabschiedet – mit einem „hoffentlich auf Wiedersehen“.
Der nächste und letzte Tag begann mit dem Gefühl
alles unter Kontrolle zu haben. Frisch geduscht, frische Kleidung und trotz der
Hitze kaum schweißgetränkt, kamen wir über 2 Stunden vor dem Abflug am
Flughafen an. Doch beim Check-In wurde zum zweiten Mal innerhalb von 2 Tagen
die ganze Farbpalette unserer Gesichter abgespielt. Denn geplant war, dass wir nicht
Rio-Paris-München anfliegen wie vor gut einem Jahr gebucht, sondern in Paris
aussteigen und den Flug nach München verfallen lassen. Laut unserem Reisebüro
kein Problem, doch anscheinend waren sie sich da nicht mit den Mitarbeitern von
AirFrance in Rio einig. Denn diese haben uns klargemacht, dass wir in Paris 275
Euro pro Person zahlen müssen, wenn wir dort aussteigen und unser Gepäck haben
wollen. Hm, somit war das Gefühl von frisch geduscht zu einem Schlag in den
Magen gewechselt. Und da es am internationalen Flughafen von Rio weder
funktionierendes WLAN, funktionierende Münztelefone oder hilfreiche Mitarbeiter
von AirFrance gibt, tauchten kurzerhand nochmals neue Gefühle auf –
schweißgebadet, gestresst und ziemlich angefressen. Nachdem man uns zuerst mit „das
Gepäck geht ohne euch nach München, wenn ihr nicht zahlt“ verängstigt, dann mit
„man könnte umbuchen, dann würds nur 120 Euro kosten, aber, ach, leider geht
das jetzt nicht“ verärgert, mit „wenn ihr sagt, ihr könnt nicht nach München fliegen,
weil irgendwer von euch krank ist, dann müsst ihr vielleicht nicht zahlen“ versucht
zu beruhigen und zu guter Letzt mit „kein Gepäck geht ohne Passagier an Board
eines Flugzeugs“ wirklich beruhigt hat, sind wir dann eben ins Flugzeug
eingestiegen und haben uns gesagt, wie‘s kommt, so kommt‘s. 8 Uhr morgens in
Paris, der Flieger landet, wir befragen uns, wo wir wegen unseres Gepäckes
hinmüssen. Die Damen sehen uns ungläubig an: „Ihr wollt wirklich zahlen? Geht
zum Ticketschalter, vielleicht kann man den Flug noch umbuchen.“ Der Mann vom
Ticketschalter hatte ebenfalls sichtlich Mitleid mit uns, doch leider – keine Chance,
man kann nicht mehr umbuchen. Wir mussten uns also wohl oder übel mit der Situation
abfinden und konnten nur auf eine Rückerstattung unseres Reisebüros hoffen. Ein
wenig niedergeschlagen kamen wir wieder bei den Damen von der Gepäckreklamation an,
die Kreditkarte bereits gezückt um unsere Gepäckgeiseln freizukaufen. Die
beiden schauten uns an, dann einander und sagten schließlich: „Wir lassen die
Rucksäcke holen, nehmt sie und geht, aber sagt keinem was, das ist unser Weihnachtsgeschenk.“
Trotz des Wirbels ums Gepäck, hatte das Ganze auch etwas Gutes – wir konnten
unsere Eltern, die fast 3 Stunden später ankamen, gleich am Flughafen empfangen.
Eigentlich ist es schon schade, so etwas sagen zu müssen,
aber es ist so. Die schönste Stadt unserer bisherigen Reise ist eindeutig
Paris! Vielleicht war es auch die Mischung aus Wiedersehensfreude, dem Überfluss
an Kunst, Kultur und alten Gebäuden, dem wunderschönen Weihnachtsmarkt an der Champs Elysees und
unserem gemütlichen Quartier, in dem man sich über die vergangenen
Erlebnisse daheim und auf Reise ausgetauscht hat. Etwas Besonderes war auch das
herzliche Wiedersehen mit Aurelie und Aurelien, die uns in Guatemala für einige
Zeit begleitet haben und uns sofort ans Herz gewachsen sind. MERCI! J
Für allgemeine
Erheiterung bzw. in manchen Fällen leichte Entrüstung sorgte die freizügige
Gestaltung der Toiletten in manchen Lokalen.
Tja, hier in Nepal geht es schon ein wenig konservativer zu.
Da wäre es wirklich undenkbar, wenn das Waschbecken für beide Geschlechter
gleich neben dem Pissoir platziert ist. Denn erstens gibt es hier keine
Pissoirs, sondern nur ein Keramik-Loch im Boden, das für jegliche Bedürfnisse
verwendet wird und das Waschbecken ist meist nur ein Wasserhahn mit Eimer neben
besagtem Loch, der gleichzeitig die Spülung darstellt. J
Die 3 Tage vergingen wie im Flug und der Abschied kam fast
ein wenig zu schnell. Doch gemeinsam das vorweihnachtliche Paris zu erkunden
war ein Punkt unserer Reise, den wir um keinen Preis missen möchten. Danke
für die gelungene, wenn auch kurze Rückkehr nach Europa!
So, das war unser Halbzeitbericht aus Kathmandu!
Der nächste Eintrag über unsere Zeit in Nepal lässt nicht so lange auf sich warten - VERSPROCHEN! J
Der nächste Eintrag über unsere Zeit in Nepal lässt nicht so lange auf sich warten - VERSPROCHEN! J






























