Dienstag, 15. Juli 2014

Blablabla, i find keinen Titel mehr der ned komplett abgedroschen is.

Es wird Zeit für einen letzten richtigen Reiseeintrag. Unfassbar, aber wahr, das tatsächliche Reisen ist schon so gut wie vorbei. Hier sitzen wir auf Bali, überdenken die letzten Monate, genießen nochmal ein paar Wochen ohne Verantwortung, ohne Rechtfertigungen, Pflichten. Aber eine Pflicht gibt es ja noch zu erfüllen. Wir sind euch noch den Reisebericht von Bangkok bis hierher schuldig!


Also los.


Man hört ja so einiges über Bangkok. Wie verrückt und laut es ist, wie touristisch und vollkommen andersartig. Und wir waren überrascht, ja – aber eigentlich nur darüber, wie unspektakulär es uns nach so vielen Städten vorkam. Ja, in der Khao San Road und dessen Nachbarstraßen, die sich zufällig auch Khao San Road nennen, geht es verrückt zu. Aber hauptsächlich wegen der ganzen sturzbetrunkenen Touristen, die auf Dauerparty aus sind und den findigen Thais, die versuchen, den angeheiterten Fremden alles Mögliche von Lachgas über Wrestling-T-Shirts bis hin zu Ping-Pong-Shows zu verkaufen. Aber ganz abgesehen von diesem Touristenmoloch war Bangkok echt in Ordnung für uns. Nicht so staugeplagt wie Saigon, bei Weitem nicht so dreckig wie Chennai, nicht so teuer wie Singapur, nicht so gefährlich wie Rio. Irgendwie basieren unsere Eindrücke von neuen Orten nur noch aus Vergleichen, wahrscheinlich ein Anzeichen von Reisemüdigkeit. Wir haben inzwischen nicht mehr den Drang alles zu sehen und so haben wir Bangkok auf die einfachen Dinge beschränkt. Freunde, Essen - und was leicht zu erreichen ist.


Wie es (nicht nur) der Zufall so haben will, waren wir zu selben Zeit wie Theresa und Klaus, die wir bereits in Vietnam getroffen haben, in Bangkok. So feierten wir das Wiedersehen Nummer 2, genossen die thailändische Küche, verbrachten einen halben Tag im Chatuchak-Markt mit Shoppen und holten uns zum Abschluss noch die obligatorischen Magenbeschwerden in Chinatown. Als dann Abschied Nummer 2 gekommen war, machten wir uns auf die Suche nach einer Gitarre. Wir klapperten genau die falschen Märkte ab, bekamen dafür aber einen guten Eindruck vom Alltagsleben und den Preisen abseits der Touristenplätze, wir liefen durch ruhige Straßen ohne auch nur einen einzigen Menschen und besuchten ein(en) Wat (Tempel), bei dem wir uns nicht anstellen mussten um ein Ticket zu bekommen. Von den Unruhen haben wir jedoch so ganz und gar nichts mitbekommen, eine Gruppe friedvoller Menschen mit gelben T-Shirts, die uns am Gehsteig entgegengekommen ist, war alles, was wir davon gesehen haben. Nach 5 Tagen wurde es wieder Zeit die Rucksäcke zu packen und weiterzureisen.



Der Weg führte uns per Zug und Boot nach Koh Tao, das Taucherparadies Thailands. Wir ließen uns noch am Boot von einem Werber für eine Tauchschule aufgabeln und als wir dann vor einem Münchner saßen (und natürlich auch der Preis stimmte), hatten wir uns auch schon für einen Open-Water-Kurs angemeldet. Und wir haben echt eine gute Wahl getroffen. Die Schule war klein, aber immer gut besucht, sozial, freundlich und unserer Tauchlehrer Rich trotz seiner jugendlichen 22 Jahre sehr kompetent und absolut vertrauenswürdig. Ein Highlight war Tony, ein ewig verkaterter, fluchender Südafrikaner mit einer wahnsinnigen Lebensgeschichte, vom 17-jährigen Soldaten in Angola zum 50-jährigen Aussteiger in Thailand und dazwischen der Versuch sein Leben wieder hinzukriegen, was irgendwie nicht zu 100 % gelingen will. Tony war der Kameramann für unsere letzten richtigen Tauchgänge, der uns mit seiner schonungslosen Ehrlichkeit, seinem intelligenten Zynismus und seinem zerknitterten Gesicht zum Lachen brachte und uns eine ziemlich coole Erinnerung bescherte, die uns sofort wieder Lust aufs Tauchen macht. Auf den Rat von Tony hin, machten wir auch noch einen Deep Dive auf 30m, der uns auch ohne einen weiteren Kurs dazu bevollmächtigt in Zukunft bis zu 30m tief zu tauchen. Nach über einer Woche auf Koh Tao wurde es wieder Zeit für uns aufzubrechen, obwohl wir nicht weiter als bis nach Koh Phangan kamen. Hier „feierten“ wir Rudis Geburtstag und genossen die Zeit in unserer schönen Unterkunft, erkundeten die Insel und hielten uns von jeglichen Partys fern, denn die Typen in den geschmacklosen neonfärbigen Tanktops mit der Aufschrift „Full Moon Party“ waren nicht unbedingt das Publikum, das uns einmal quer über die ganze Insel lockte.


Wieder eine Woche später mussten wir uns schön langsam der Grenze zu Malaysia nähern, da unsere Visa in ein paar Tagen ablaufen sollten. Während unserer Zeit in Thailand waren wir immer wieder fast so etwas wie empört, wie touristisch hier alles ist. Rucksackreisen durch Thailand? Man kauft im Hotel ein Ticket, wird in einen klimatisierten Bus gesteckt, wird in den nächsten geschoben und schon ist man im nächsten Touristenort. Einfacher geht’s ja gar nicht mehr. Irgendwie war das alles zu glatt, nicht mehr authentisch. Wir hatten das Gefühl, die Thais arbeiten nur noch für die „Weißen“ in ihrem eigenen Land und ich glaube, sie sind den Massen auch schon ein wenig überdrüssig, ich kanns verstehen. Ein bisschen echtes Thailand durften wir dann endlich auf der Fahrt nach Hat Yai erfahren, als wir vom Touristenbus in einen 9-Sitzer gekarrt wurden, der Fahrer kaum mehr Englisch sprach und wir die einzigen Westies waren. Und plötzlich war unsere Reiselust wieder etwas aufgeflammt. Als wir in Hat Yai ankamen, fühlten wir uns absolut wohl, obwohl es nichts Spezielles war, eine Stadt eben. Aber hier gab es doch tatsächlich Einheimische auf beiden Seiten des Tresens und sogar deren Preise! Wir überlegten schon ernsthaft darüber nach noch eine Nacht zu bleiben, bis wir durch Zufall auf etwas Interessantes stießen. Im Nachbarort Pattani sind am selben Tag einige Autobomben hochgegangen und in Hat Yai ist erst vor ein paar Wochen ein Auto vor einem Supermarkt explodiert. Somit sind unsere Pläne sozusagen in Luft aufgegangen und am nächsten Morgen saßen wir auch schon auf der Fähre nach Langkawi, einer malaysischen Insel.



Anfangs waren wir, bzw. ich Malaysia gegenüber skeptisch, die eingeimpften Vorurteile schlugen wieder einmal zu. Denn wenn mir schon der Umgang mit den Frauen in Indien zu schaffen machte, was würde mich dann in einem muslimischen Land erwarten? Wie soll ich mich den Leuten gegenüber verhalten, was darf ich auf offener Straße tragen, damit ich nicht angestarrt werde oder respektlos wirke? Doch was genau wissen wir, wenn wir es nie mit eigenen Augen gesehen haben und am eigenen Leib erfahren haben? Wie oft kommen wir anderen Kulturen wirklich so nahe, dass wir uns tatsächlich ein objektives Bild darüber machen können? Wenn wir in der Türkei, Ägypten, Tunesien in einem Urlaubsresort am Pool liegen? Wenn wir unsere sensationsgeilen Nachrichten lesen? Wenn wir auf irgendwelche primitiven Hetzer hören, die auf die Fremdenangst der breiten Masse abzielen? Wieso machen wir uns denn nicht einfach ein eigenes Bild darüber? Warum trauen wir unseren eigenen Augen nicht mehr als dem abgekarteten politischen Hick-Hack, das nur auf Kosten von anderen geht? Warum lassen wir uns einreden, wir müssen Angst haben? Vor Menschen, die auf demselben Weg zur Welt gekommen sind wie wir alle? Die dieselben Schmerzen empfinden, die auch verzweifeln und Ängste haben? Denkt mal darüber nach: Sind Menschen, die Angst haben, leichter zu kontrollieren? Wird es nicht an der Zeit uns weiterzuentwickeln oder wollen wir uns ewig im Kreis drehen?


Ok, genug. Sorry für die Abschweifung. Was ich eigentlich damit sagen wollte: Wir hatten rundum nur positive Erfahrungen mit den Menschen in Malaysia und was ich dazusagen muss, wir hatten ebenso nur positive Erfahrungen mit Muslimen, egal woher, egal wo, egal welches Geschlecht. Wir hatten das Gefühl, dass die Leute offener waren als in vielen anderen Ländern. Frauen in Burkas oder mit Kopftuch, Inderinnen in Saris und dazwischen Chinesinnen in Miniröcken. Da fällt man als Touristin gar nicht mehr auf und es interessiert sich auch keiner dafür was man trägt. Die Paare gehen Händchen haltend durch die Straßen, alle sind freundlich und offen. Nur mit der hoch gepriesenen malaysischen Küche konnten wir uns nicht so richtig anfreunden. Irgendwie war alles fischig, jedoch ohne Fisch, wie zum Beispiel Laksa, eine Suppe mit Nudeln und Huhn, in der aber auch kleine Muscheln schwimmen und dem ganzen einen fischigen Geruch verleihen. Aber naja, trotz abgehärteter Geschmacksnerven kann ja nicht alles schmecken, außer Rudi, der inzwischen wirklich ALLES isst, was ihm aufs Teller kommt.



Unsere Unterkunft auf Langkawi war eine richtige Backpackerunterkunft. Ein bisschen abgenutzt, nicht zu 100 Prozent sauber, aber gemütlich und viele nette Leute. Natürlich darf man auch nicht auf die ca. 20 Katzen vergessen, die den ganzen Tag auf den Tischen herumlagen und somit zur Gemütlichkeit als auch zu diesem schmuddelig-charmanten Touch beitrugen. Ein Allergiker-Paradies! Langkawi selbst war eine richtige Urlaubsinsel, vor allem für einheimische und asiatische Touristen, die zum Duty-Free Shoppen kommen... Wir hätten es schon noch länger dort aushalten können, aber da die Regenzeit immer näher rückte und es täglich nachmittags wie aus Eimern schüttete, arbeiteten wir uns langsam Richtung Kuala Lumpur vor. Also ab nach Penang.



Penang, eine charmante Stadt, zwar findet man dort keine großen Sehenswürdigkeiten, aber viel (touristisch optimiertes) Flair. Es gibt viele kleine Läden mit kreativen Designs, viel Kunst- und Stilvolles an den Hauswänden, aber auch viele Essensmärkte auf denen regelmäßig Karaoke gesungen wird. Man dreht seine Runden durch Chinatown, schaut sich in den durchgestylten Cafes um, die richtig viel Geld für ihre Leckereien verlangen und sucht abends am Straßenmarkt etwas Billiges, das auch noch schmeckt. Apropos geschmackvoll: Wer einmal etwas richtig „Geschmackvolles“ versuchen will, sollte es mal mit dem König der Früchte, der Durianfrucht aufnehmen. Dafür sollte man wissen, dass Durian auf Deutsch den Namen Stinkfrucht trägt. Da wir schon öfters etwas gegessen haben, das eigentlich stank aber schlussendlich gut schmeckte, probierten wir natürlich auch Durian. Zum Glück war es eine Gratiskostprobe, denn Durian schmeckt tatsächlich noch scheußlicher als es riecht. Stellt euch eine verrottete, cremige, rohe Zwiebel vor, deren Konsistenz sich an jede Geschmacksknospe eurer Zunge schmiegt und dort für einige Zeit bleibt, der König der Früchte eben.


Da ich auch nach einigen Versuchen einfach kein Freund des malaysischen Essens wurde, besuchten wir (auf mein Drängen hin) Little India und dort machten wir eine witzige Erfahrung. Wir schlenderten durch die breiten Straßen auf denen man tatsächlich gehen konnte, vorbei an wunderschönen bunten Tempeln und Ganesha-Statuen, rochen den Duft der Räucherstäbchen und verschiedenen Gewürzen vor den Geschäften mit bunten Saris und goldenem Schmuck, hörten stimmungsvolle Sitar-Musik, die durchs ganze Viertel tönte und dachten uns: Genau so sieht das  romantische Touristen-Indien in den Köpfen der Leute aus und es existiert wirklich – nur eben nicht in Indien. Man sah die Leute in den Rikshaws mit offenem Mund durch das Viertel fahren, in ihrem Kopf schon grübelnd, was wohl ein Flug nach Indien kostet. Der nächste Urlaub wird bestimmt eine Überraschung für sie bereithalten.

Von der schwülen Hitze in Penang, riefen uns die kühleren Gefilde, nach einer Busfahrt mit einigen verwirrenden Umstiegen erreichten wir die Cameron Highlands im Landesinneren. Wir erwarteten ein verschlafenes Nestchen wie Munnar in Südindien. Aber eigentlich müssten wir es besser wissen, etwas Konkretes zu erwarten ist selten gut. Also landeten wir im tatsächlich kühlen und regnerischen Cameron Highlands, während malaysischer Feiertage – und das war keine so gute Idee. Denn wie bei uns die meisten Urlauber dahin flüchten wo es konstant Sonne und Wärme gibt, so sind andere Teile der Erde ganz wild auf Regen und Kälte in ihren Ferien. Komisch, dass ich den Gedanken vorher noch nie hatte, aber irgendwie ist es doch logisch, oder nicht? Menschen, die das ganze Jahr über in Hitze und Sonne leben sind vermutlich nicht erfreut über noch mehr Hitze und noch mehr Sonne, vor allem, wenn die Leute wegen ihrer Religion oder der allgemeinen Traditionen meist lange Kleidung und/oder Kopfbedeckung tragen. Da wir aber trotz unserer Reise noch immer den Sommer genießen können, nicht so wild sind auf Wandern im Regen, die versprochenen Teeplantagen nicht mit denen in Munnar mithalten konnten und uns außerdem die Menschenmassen sowie der obligate Starbucks ein wenig empörten, entschlossen wir uns nach nur 2 Nächten wieder weiterzureisen. Die Spannung stieg, denn wir hatten kaum eine Vorstellung von Kuala Lumpur.


Wie ich bei Bangkok schon erwähnt habe, ist es für uns schon relativ schwer von großen Städten begeistert zu sein. Und das war auch so bei Kuala Lumpur. Wahrscheinlich fehlt der richtige Einblick, den man durch Couchsurfing gewinnen könnte, aber wir sind schlichtweg schon zu faul dafür. Wir genießen es, mit niemandem sprechen zu müssen, wenn wir nicht hundertprozentig wollen und wir ziehen gerne unser eigenes Ding durch, unsere Geschichten sind schon zu oft erzählt und außerdem halten wir gerne ein kleines Mittagsschläfchen, wenn wir nichts Besseres zu tun haben. Also haben wir in KL, wie die coolen Leute sagen, eigentlich nichts Besonderes gemacht. Wir sind wahllos herumgelaufen, haben uns durch die verschiedensten Geschmäcker probiert, Leute beobachtet, sind für 2 EURO ins Kino gegangen und durch Shoppingmalls gestreunt, weil die so schön klimatisiert waren. Da unser Flug nach Bali bereits gebucht war, wir aber noch ein paar Tage bis zum Abflug hatten, entschieden wir uns ins zwei Stunden entfernte Melacca zu fahren.


Melacca, UNESCO-Kulturerbe, hochgelobt als weitere Kulinarik-Hauptstadt Malaysias und das am Wochenende – wir hätten vorher überlegen sollen. Melacca, vielleicht war es die unbarmherzige Hitze oder die Menschenmengen, dass wir die Besonderheit Melaccas nicht so richtig entdecken konnten. Touristenboote auf einem schmalen Fluss, eine rote Kirche, ein paar alte Mauern mit einer Kanone und Massen von asiatischen Touristen, die in bunt blinkenden, plüschigen Hello Kitty-Rikshaws mit Kuschelrock-Beschallung durch die Straßen kutschiert wurden. Abends dann der Jonker-Heritage-Walk, eine hoffnungslos überfüllte Straße, links und rechts von Straßenständen gesäumt, von Schuhcreme über I love Melacca-Ansteckern bis hin zu Straßensushi wurde alles angeboten und vermutlich auch gekauft. Ein Highlight war die Karaoke-Bühne am Hauptplatz, wo sich wieder bestätigte, dass das echt ein großes Ding ist in Asien. Ganz alleine auf der Bühne eine 70-jährige Frau mit grauen Haaren, die ihr Innerstes in Form von katzenähnlichen Lauten zum Besten gibt, auf der Treppe sitzend ein noch älterer Herr mit Krücken, der schon ganz gespannt auf seinen Einsatz wartet. Davor 200 ebenso weißhaarige Herrschaften auf Plastikstühlen, die den Takt ziemlich improvisiert mitklatschen. Ein anderes Highlight war ein Laden mit Durianpuffs (gesprochen PAFF), vor dem zu jeder Tageszeit eine lange Schlange mit begeisterten Käufern stand. Wir gaben der Durian noch eine zweite Chance, in Form dieses besagten Puffs, der eine süße Teigtasche ähnlich einem Windbeutel darstellt. Vielleicht standen ja soviele Menschen dort, weil Durian nach irgendeiner speziellen Zubereitungsform seinen Geschmack ändert und sich in eine Köstlichkeit verwandelt? Kurz gesagt -  nein.

Nachdem uns der Duriangeschmack nach 2 Tagen endlich verlassen hatte, wurde es auch für uns Zeit wieder nach KL zu „verduften“. Wir machten weiter mit unserem Programm vor Melacca, abkühlen in den Shoppingmalls und schwitzen auf den Straßen. Eine Sehenswürdigkeit hatten wir aber noch vor uns: Die Petronas-Towers. Das glänzende Wahrzeichen Malaysias, ein Ausdruck wie groß die Macht des Öls auf dieser Welt sowie eine Erklärung, warum Treibstoff in Malaysia so unendlich billig ist. Aber was soll ich mehr dazu sagen: Natürlich ist es beeindruckend aus einem Fenster des 88. Stockwerkes zu schauen! Das war nun endgültig der letzte Höhepunkt (erkennt ihr die Zweideutigkeit?) unserer Zeit in Malaysia und wir fieberten schon langsam dem Grande Finale entgegen – Bali. Wir erlebten wieder einmal das beste Gefühl des Reisens - man verlässt ein Land, das einen mehr als positiv überrascht hat mit seiner Gastfreundlichkeit und Kultur, empfindet aber dennoch eine gehörige Portion Vorfreude für sein nächstes Ziel.


Entgegen aller pietätlosen Witze, die man in dieser Zeit in Verbindung mit Malaysia und Fliegen hört, kamen wir wie geplant auf Bali an. Dort gab es die üblichen Verhandlungen mit den Taxifahrern und wie immer war die volle schauspielerische Leistung von beiden Seiten gegeben bis man sich schließlich auf einen Preis einigen konnte. Wir sagten dem Fahrer, die Region und navigierten uns mit unserem Tablet durch, denn er hatte genauso wenig Ahnung wie wir. Wir sahen kein Problem, wir hatten die genaue Adresse und auch Google Maps war einverstanden. Bis wir dann dort vor dem Nichts standen, alle Straßen denselben Namen und auch die Einheimischen keinen Plan hatten. Zum Glück erreichten wir Julia, die Freundin einer Freundin, die uns schon vorher mit wertvollen Tipps versorgte und uns sofort ihre Hilfe anbot. Und so fanden wir schließlich unser Ziel, kannten die Lebensgeschichte unseres geduldigen Fahrers und genossen bald das erste leckere Essen in einem Warung, einem traditionellen Lokal. Die erste Nacht schliefen wir in einem halbfertigen Hostel, das Julias Freunden gehörte, einem Platz voller netter Leute, den wir auch noch nach unserem Umzug in einen Bungalow in einem tollen Garten mit Swimmingpool fast täglich besuchen. An dieser Stelle vielen Dank an Julia, die uns sofort und so ganz selbstverständlich unter die Fittiche genommen hat und natürlich auch Danke an Steffi, die uns so zuverlässig vermittelt hat!




Hier sitzen wir nun, im Guesthouse von Nyoman und Ketut, genießen billiges, extrem gutes Essen, Ruhe, den Strand, das Meer, Sport, Zeit zum Nichtstun, die Zeit mit den Leuten aus dem Hostel, die verschiedensten Landschaften Balis, wundern uns über den verrückten Verkehr. Tja, das ist, was wir den ganzen Tag tun – und trotzdem hat es so lange gebraucht, bis dieser Eintrag fertig war.




Einmal müsst ihr noch reinbeißen, dann ist es geschafft, der letzte Eintrag folgt in Kürze!

Wir freuen uns auf euch!

Bis bald,

Donnerstag, 22. Mai 2014

Der Jubiläumspost - is jo wurscht wias hoasst, hauptsoch glesen wirds!

Aus dem üblichen Takt, aber pünktlich zum Jubiläum: Genau heute vor einem Jahr haben wir die Heimat verlassen. Aber hier auf Koh Phangan schmecken die Weißwürste wie in München!

Von Indien oder genauer gesagt von Chennai nach Singapur traf uns wieder einmal der Kulturschock – nur dieses Mal in die andere Richtung. Denn nach insgesamt 3 Monaten in Nepal und Indien fühlten wir uns als hätte uns der 2-Stunden-Flug von 1930 ins Jahr 2080 katapultiert. Nachdem wir uns nun schon relativ „erfahren“ fühlen, was das Reisen und neue Länder betrifft, war es wirklich schön, wenn einem wieder mal so richtig die Kinnlade runterfällt. Denn der Kontrast zwischen Indien, bzw. ALLEM was wir bisher gesehen haben und dieser Stadt der Superlative hätte nicht größer sein können. Wir sind raus aus dem großzügigen, sauberen, ruhigen Changi-Airport in dessen eigene U-Bahnstation, eine Angestellte hat uns unaufgefordert alles genauestens und in bestem Englisch erklärt, hat uns dann noch angeboten, das Geld für den Automaten zu wechseln und schon saßen wir in der blitzeblanken U-Bahn zwischen den top gepflegten und in Edelmarken gekleideten Einheimischen, die alle mucksmäuschenstill in ihr neuestes Smartphone von der Größe eines mittleren Jausenbrettls starrten. Wir dachten an unsere letzte U-Bahnfahrt – nämlich die in Delhi. Dort kamen wir uns noch überdurchschnittlich gut gekleidet, gepflegt und halbwegs wohlhabend vor. Außerdem konnte man kaum atmen, kaum stehen oder sich bewegen. Doch in Singapur sah auch unsere noch am besten erhaltene Kleidung ziemlich schäbig aus, und vor allem unser gewohntes Reiseoutfit, eine bequeme Kombination aus löchrig, abgetragen und fleckig, und dazu noch unsere dreckigen Rucksäcke als Accessoires, konnten mit den hier gegebenen Standards nicht so wirklich mithalten.

Und wie wir eine Zeit brauchten um uns an die indische Kultur zu gewöhnen, dauerte es auch eine Weile sich wieder in das zivilisiertere Leben einzufinden. Die ersten paar Tage waren wir fast sowas wie Rowdies – wir liefen einfach über die Straßen, obwohl die Fahrer hier wieder Verkehrsregeln und Zebrastreifen beachteten, wir irritierten die Passanten, indem wir uns auf eine beliebige Seite der Rolltreppe stellten und drängelten in der U-Bahn.

Der absurde Mix aus verschiedensten Religionen, Wolkenkratzern, hochmodernen und riesigen Shoppingmalls, die alle eine eigene U-Bahnstation besaßen, durchgestylten Parkanlagen, Kunst und die enorme Auswahl an großartigem Essen legte uns einen straffen Zeitplan bis zu unserem nächsten Flug nach Kambodscha vor.


Doch so modern und sicher Singapur auch ist, mit seiner Offenheit gegenüber Religionen, mit seinen VIER Amtssprachen, irgendwie ist es auch ziemlich verklemmt und mittelalterlich. Die Gesetzeslage ist streng und auch ganz schön absurd. Hier das Kurioseste kurz zusammengefasst:

  • ·         3 bis 8 Schläge mit dem Rohrstock sowie eine hohe Geldstrafe, wenn einem nachgewiesen werden kann, dass man gelogen hat.
  • ·         Kaugummi darf nur gegen Rezept und Vorlage des Personalausweises ausgegeben werden.
  • ·        Hohe Geld- und Sozialarbeitsstrafen, wenn man Müll (auch Zigaretten) wegwirft. (ein Knüller nach Indien!)
  • ·         Bei Essen und Trinken in der U-Bahn muss man bis zu 3000,00 EUR Strafe zahlen.
  • ·         Man darf keine geruchsintensiven Lebensmittel in öffentlichen Verkehrsmitteln transportieren.
  • ·         Wenn man Zigaretten aus anderen Ländern einführt, darf die Packung nicht mehr als 17 Stück enthalten.
  • ·         Pressefreiheit existiert in Singapur nicht, die Regierung zensiert jedes Medium.

In den 5 Tagen verbrachten wir unsere Zeit in diversen Nobelmalls, zwei Shoppingmalls (jeweils 3 oder mehrstöckig) nur für Elektronikwaren (Rudis persönlicher Himmel auf Erden), dem größten Buchshop Südostasiens, im IMAX-Kino, auf der künstlich angelegten Insel Sentosa mitsamt Freizeitpark und Strand, im Kolonialviertel, in der riesigen Parkanlage Gardens by the Bay, im gigantischen Hotel Marina Bay Sands, Chinatown und unzähligen Essensständen – doch unser wichtigster Programmpunkt war mit Sicherheit die Live-Übertragung des Rolling Stones-Konzertes vor dem Marina Bay Sands.


Nachdem wir erst eine Woche zuvor entdeckten, dass die Stones genau während unseres Aufenthaltes im Marina Bay Sands spielen und das Konzert sowieso 2 Stunden nach der Beginn des Ticketverkaufes voll war, waren wir zunächst ein wenig betrübt – aber als wir dann eine Woche darauf vor der riesigen HD-Leinwand vor der großartigen Skyline Singapurs standen, freuten wir uns schon drauf. Die frischen Fruchtsäfte, ein bisschen mit Rum aufgebessert, halfen natürlich auch. Als dann aber die Stones vor dem Konzert in „Echt“ vor uns standen um auch den finanziell „armen“ Fans viel Spaß zu wünschen, war die Stimmung perfekt. Zumindest bei uns. Denn auch hier sah man den Unterschied zwischen den Mentalitäten. Wir schüttelten uns gemeinsam mit einer 55-jährigen Italienerin und einem Kolumbianer zu den ersehnten Klassikern bis wir schweißdurchtränkt waren und die Einheimischen standen da und machten Videos mit ihren Tablets.


Singapur, eine beeindruckende Stadt voll mit modernen Sehenswürdigkeiten, Technik, Kunst, Konsum, Luxus. Aber irgendwie auch ein goldener Käfig mit immensem Druck auf die Arbeitnehmer, kurzlebigen Branchen und eine „Zeig was du hast“-Einstellung, die einem das Leben trotz vieler Annehmlichkeiten nicht gerade einfach macht. Doch wir wissen jetzt schon: Singapur wird uns mit Sicherheit wiedersehen.

Mit einem „Bis Bald!“ verabschiedet, ging es weiter in die Hauptstadt Kambodschas mit dem komplizierten Namen – Phnom Penh. Kaum hatten wir uns ein bisschen an das komfortable, moderne Leben Singapurs gewöhnt, wurden wir auch schon wieder einige Jahrzehnte zurückversetzt. Statt mit einer U-Bahn, die ihre Stationen in 4 Sprachen ankündigt, tuckerten wir nach harten Preisverhandlungen zu unseren Gunsten in einem kutschenähnlichen Mopedanhänger vom Flughafen in die Stadt. Stockender Verkehr, lautes Hupen, Motorräder mit voll ausgestattetem Grillwagen, die an einem vorbeirasen und gleichzeitig mit der Grillzange das Fleisch umdrehen. Unser Fahrer fängt langsam an zu fragen: „First time in Cambodia?“ Wir bejahen vorsichtig, denn diese Frage bedeutet meistens mehr, aber zum Glück haben wir ja zwei Monate Indienerfahrung hinter uns und außerdem ganz neu im Repertoire: ein Tablet, mit dem man die Strecke überprüfen kann. Als wir dann bereits nach halber Strecke wieder im Stau steckten, stieg er mit gespielt bedrückter Miene vom Moped ab und teilte uns oscar-reif mit: „Ah, I forgot to tell – this price is per person.“ Aber wir stehen diesem Kasperltheater eh in nichts mehr nach, griffen sofort nach unserem Gepäck und sagten: „Ok, no problem, then we leave and you‘ll get nothing.“ Der Stau löste sich auf und mit ihm auch das betrübte Gesicht unseres Fahrers, der es sich dann plötzlich doch wieder überlegt hat und dann sagte: „Hahaha, you know me, I was just joking.“ Mal so richtig herzhaft über seinen tollen „Witz“ gelacht, gelangten wir schlussendlich doch noch mit ihm zu unserem Hostel. Am Ende hätte er noch versucht uns beim Wechselgeld über den Tisch zu ziehen, aber das wars dann auch schon. Im „Mad Monkey“ angekommen, ging das Affentheater auch schon los. Die kambodschanischen Angestellten perfekt auf Kunden ansäuseln trainiert, wurden wir mit Piepstimmen belagert bis uns die Ohren fast bluteten, die Barkeeper kündigten bereits die ersten St.Patricks-Day-Angebote und die Partylöwen wärmten sich schon für das intensive Umwerben der paarungswilligen Weibchen auf. Ein lustiges Schauspiel!

Am ersten Morgenspaziergang durch die Stadt wurden wir gleich einmal von einem gehörigen Kater begleitet. Doch auch durch den Dunst der vorangegangenen Nacht waren wir von Phnom Penh wirklich positiv überrascht. Eine saubere Innenstadt, schöne Anlagen, das Hostel war gut organisiert – touristisch sehr bequem. Aber nicht nur Backpacker verirrten sich hierher. Schon in unserem Hostel wurden Andeutungen gemacht, dass allein reisende Herren nicht unbedingt wegen dem Angkor Wat nach Kambodscha kommen. Als wir so durch die Stadt liefen sahen wir einige mehr oder weniger ergraute Männer durch die Gegend ziehen. Oft allein und suchend, oder schon in Begleitung einer jungen Kambodschanerin, die mindestens als Tochter, wenn nicht sogar als Enkeltochter durchgehen könnte. Ein Tourismuszweig, der anscheinend auch in Kambodscha boomt!


Wir klapperten diverse Sehenswürdigkeiten in der Stadt ab, den Citypalace mit der Silberpagoda, Parks, Statuen. Aber das Eindruckvollste und auch Bedrückendste war Choeung Ek, oder auch die Killing Fields südlich von Phnom Penh. Dazu ein bisschen Geschichte: Die Roten Khmer war eine nationalistische Bewegung, die 1975 bis 1978 versuchten, Kambodscha gewaltvoll zum Agrarkommunismus zu zwingen. Während dieser Zeit töteten sie ca. 2,2 Millionen Kambodschaner. Sie errichteten Arbeitslager und töteten fast die gesamte intellektuelle Elite des Landes und deren Angehörige. In Kambodscha gibt es rund 300 Killing Fields, allein in Choeung Ek wurden um die 17.000 Menschen mit Äxten, Eisenstangen und Bäumen erschlagen, denn Munition war zu teuer. Heute bekommt jeder Besucher einen Audioguide, der einen durch das Gelände führt. Man sieht Massengräber, den Baum, an dem die Kinder zerschlagen wurden, den Gedächtnisstupa mit tausenden von menschlichen Schädeln und anderen Knochen, verbunden mit dem toll gemachten Audioguide wird dieser Besuch zu einer tränennahen Führung durch die unglaublich grausame und brutale Vergangenheit Kambodschas. Noch Stunden danach waren wir kaum zu einem Wort fähig. Anschließend machten wir uns immer noch sehr einsilbig auf den Weg zu Tuol Sleng, dem ehemaligen Verhör- und Folterzentrum der Roten Khmer. Hier bedrückten vor allem hunderte Fotos an den Wänden, denn jeder Gefangene der Roten Khmer, wurde nach seiner Festnahme fotografiert und erfasst. Die Gesichtsausdrücke der teils sehr jungen Menschen brennen sich einem in die Netzhäute und wir verstummten aufs Neue.


Nach 3 Nächten in Phnom Penh führte uns der Weg zu unserer letzten, großen (bisher bekannten) Sehenswürdigkeit, dem Angkor Wat in Siem Reap. Siem Reap war vielleicht mal vor Jahrzehnten ein beschauliches Städtchen, aber inzwischen ist es zur Touristenhochburg herangewachsen. Die Hotelstandards sind unglaublich, und das zum Spottpreis. Wir hatten ein schickes, neues Boutiquehotel mit unglaublichem Swimmingpool für stolze 9,00 USD pro Person inklusive Frühstück. Aber nach Siem Reap kommt man nicht wegen des Pools, wegen der hundert Bars und Kneipen, sondern vorwiegend wegen der weltgrößten Tempelstadt, dem Angkor Wat. Da es tagsüber nur gute 35 Grad Celsius hatte, haben wir uns für die sportliche Variante entschieden die antike Tempelanlage zu erkunden. Am ersten Tag sind wir bei sengender Hitze 50km geradelt um die Tempel um das Angkor Wat zu erkunden, und den zweiten Tag noch schlappe 30km. Hört sich jetzt für die Radbegeisterten unter euch Lesern nicht so spektakulär an – aber wir sind ja nicht nur um die Tempel herumgefahren, wir sind ja auch auf jeden rauf- und rundherumgelaufen. Dafür wars danach im Pool umso angenehmer und die Cocktails hatten wir uns auch redlich verdient! 



Siem Reap hielt aber noch eine zweite Sehenswürdigkeit für uns bereit – „die Schnitzelwirtin“. Als wir Tripadvisor nach einem guten Lokal absuchten, ist uns der Name natürlich sofort ins Auge gesprungen. Die Bewertungen waren ausschließlich von Österreichern und Deutschen, die alle restlos begeistert waren. Und wie es der Teufel so haben wollte, es ist Sonntag, wir waren wieder mal ein wenig verkatert – was gibt es da Besseres als ein Schnitzel! Die Schnitzelwirtin stellte sich als Wirt aus Niederösterreich heraus, der mit einer Thailänderin verheiratet war. Auch die jahrelange Abwesenheit aus Österreich schmälerte weder seinen derben Schmäh noch seine Leibesfülle. Außer uns befanden sich noch ein paar Gäste aus Norddeutschland im Restaurant, die ihn höflich fragten, wieso sein Lokal „Schnitzelwirtin“ hieß, wenn er doch ein Wirt war. Seine Antwort fiel typisch österreichisch aus: „Is jo wurscht wias hoasst, hauptsoch Leid keman!“ Wir fühlten uns für 2 Stunden wie daheim, spitzenmäßige Schnitzel mit Erdäpfelsalat wie daheim, Bayern 3 im Radio und einem „gscherden“ Niederösterreicher, der auf jegliche Etikette verzichtet, aber uns dafür eine Portio Heimat serviert hat.

Nachdem wir in Kambodscha das Pflichtprogramm erfüllt hatten, wurde es auch schon Zeit für uns nach Vietnam zu eilen, weil dort schon bald die ersten Gäste auf uns warteten. In Ho-Chi-Minh-City, ehemals Saigon angekommen, fiel uns sofort das Unübersehbare auf. Motorroller soweit das Auge reicht. Ein Fakt zur Veranschaulichung: In Saigon wohnen ca. 9 Millionen Menschen und die bewegen sich auf 6 Millionen Rollern durch die Stadt. Doch trotz aller Hektik und der schlechten Luft, irgendetwas hatte die Stadt an sich, was uns gefiel. Der Park, in dem die Einheimischen abends tanzen oder spielen gingen, die kleinen Märkte in den engen Gassen (auch wenn der Geruch jedes Mal eine Herausforderung für mich darstellte), und die Leute, die an den Straßenständen Tag für Tag ihre dampfende Pho bo (Nudelsuppe mit Rindfleisch) frühstückten. Trotz aller Touristen mit der zugehörigen Infrastruktur wie Hotels, Reisebüros, Massagen, Bars, internationale Restaurants, gibt es noch ein authentisches Saigon mit ihren Frauen in Pyjamas, Reishüten, Märkten, das sich irgendwie perfekt ergänzt und den Fremden somit einen guten Blick hinter die Kulissen bietet.

Nach 2 Tagen bekamen wir den bereits angekündigten Besuch. Rudis Eltern begleiteten uns für zwei Wochen durch den Süden Vietnams. Der erste Ausbruch aus Saigon stellte die zweitägige Fahrt ins Mekong-Delta dar. Nachdem wir uns durch unzählige Reisebüros durchgekämpft hatten, die schlussendlich das Gleiche zu verschiedenen Preisen anboten, entschieden wir uns für das preisliche Mittelfeld und hofften auf das Beste. Der erste Tag der Tour erwies sich als, naja, nicht besonders spannend. Man wurde vom Bus aufs Boot verladen, probierte dies und das und verließ natürlich nichts ohne nicht vorher durch den Verkaufsraum gejagt worden zu sein. Der zweite Tag war ereignisreicher, wir besuchten einen schwimmenden Markt und zu Mittag gab es eine besondere Spezialität – Ratte vom Reisfeld. Unser Resümee: Voll wird man davon wirklich nicht, aber andererseits – wer will das schon? Eine kleine Flasche Reisschnaps zum Desinfizieren später, ging es dann wieder ab aufs Boot und von dort wieder nach Saigon. 


Wir steuerten unser nächstes Ziel an: Mui Ne. Internet und Reiseführer preisen das kleine Fischerdorf am Meer mit einigen Hotels und halbfertigen Ressorts als idyllischen kleinen Badeort mit viel Charme an. Wir fanden leider ungepflegte Strände, aber zum Glück auch eine gemütliche Unterkunft mit einem herrlichen Garten und Pool, interessante rote und weiße Sanddünen und eine schöne Aussicht auf die bunten Fischerboote im Hafen vor. Ein paar Busstunden später befanden wir uns in Nha Trang, wo wir schlussendlich doch noch auf den erhofften schönen Strand trafen. Zwar ist die Stadt überrannt mit Russen, hat aber durch die vielen Restaurants, guten Hotels und die vorgelagerten Inseln doch auch einiges zu bieten.


Nach den anstrengenden Busfahrten und Stadtrundgängen in der Hitze Südvietnams hat man sich ein paar entspannende Tage am Meer und die dazugehörigen Abende auf der Dachterrasse mit Bar im 15. Stock doch wirklich verdient. Die vierzehn Tage vergingen wie im Flug und wir mussten wieder den Rückweg nach Saigon antreten. Dieses Mal ersparten wir uns aber die lange Busfahrt und nahmen stattdessen den bequemeren und deutlich kürzeren Luftweg. Wir erkannten in den zwei Wochen, dass uns schon viele Dinge gar nicht mehr auffallen, weil sie in den letzten Monaten schon so selbstverständlich für uns geworden sind, aber daheim in Österreich völlig undenkbar wären. Sich Moped für Moped zu Fuß über die Straße hanteln, Leute, die am Boden sitzen oder liegen, Standardausstattungen in Hotels, Hygiene in Restaurants, bettelnde Menschen… In vielen Dingen gehen wir schon blind vor uns hin, einfach weil wir es schon so gewohnt sind. Wahrscheinlich macht es uns in einigen Angelegenheiten toleranter, vielleicht aber auch ein wenig abgebrühter und härter.

Wir blieben noch einen Tag länger in Saigon um uns die Cu Chi Tunnel, die selbstgegrabene und ausgeklügelte Wehranlage der Vietcong außerhalb der Stadt, anzusehen. Unser Tourguide war Mister Binh, der eine sonderbare Vergangenheit hinter sich hatte und deshalb vermutlich auch selbst ziemlich sonderbar war. Binh war ein vietnamesischer Veteran, der im Vietnamkrieg jedoch für die amerikanische Seite kämpfte, da er dorthin ausgewandert war. Aufgrund seiner Muttersprache wurde er Anführer eines Platoons, der gegen den Vietcong eingesetzt wurde. Mr. Binh war eine schizophrene Persönlichkeit, irgendwie zwischen Amerika und seinem Heimatland hin- und hergerissen, die Schrecken und Grauen des Krieges noch immer nicht vergessen. Ich hoffe, er wird irgendwann seinen Frieden mit der Vergangenheit finden.


Einen Tag nachdem wir uns von den ersten Gästen verabschiedet haben, stiegen wir in den Nachtbus zurück nach Nha Trang um dort von den nächsten Begleitern am nächsten Morgen zerrupft und zerdrückt in Empfang genommen zu werden. Nun zogen wir mit Theresa und Klaus durch Nha Trangs Russen verseuchte Straßen und spielten Billard bis uns die Finger bluteten. Ein bisschen getrunken haben wir natürlich auch, denn so ein Wiedersehen muss schließlich gebührend gefeiert werden. Nach zwei Abenden des Feierns und den darauffolgenden verkaterten Morgenstunden am Strand, wurde es Zeit wieder aufzubrechen. 


Für uns ging es nach Hoi An, einem charmanten, alten Städtchen, das touristisch vollständig aufgeputzt wurde. Teure Restaurants und Bars in der restaurierten Altstadt, in jeder Häuserreihe mindestens 3 Schneidereien und dazwischen noch ein bisschen Kultur in Form von Handwerksmuseen und Versammlungshäusern. Wir haben zwar auf maßgeschneiderte Anzüge und Kleider verzichtet, dafür haben wir unser Geld in die typischen Gerichte Hoi Ans investiert. White Rose, Teigtaschen aus Reisnudeln mit gehackten Shrimps und vorallem das deftige Cau Lao, das wie Nudeln mit Schweinsbraten schmeckte, eine durchaus genießbare Kombination! Wir verbrachten einen Tag am Strand in Da Nang und erkundeten eher „beim Vorbeifahren“ einen der wunderschönen Marmorberge mit eindrucksvollen Höhlen und einem Buddhistenkloster. Wie schon so oft – man erwartet nichts Besonderes und dann haut es einen fast von den Socken. Wir radelten durch das ländliche Gebiet rund um die Stadt und genossen mal ein wenig Frieden. Nach 4 Nächten in Hoi An haben wir aber auch schon wieder genug gesehen. Mit der üblichen Ausstattung (Oropax und geklaute Schlafmaske aus dem Flieger) rein in den nächsten Bus  und ab nach Hue.



Hue bezeichnet sich als ehemalige Kaiserstadt und wirbt damit auch ganz eifrig. Doch Dank des Vietnamkrieges ist nicht mehr viel von dieser Kaiserstadt zu sehen. Kaiserliche Zitadelle, purpurne Stadt, Kaisergräber, Parfümfluss… Hört sich alles ein bisschen spektakulärer an, als es in Realität war, aber naja, den Eintrittspreisen nach hätte es schon ein bisschen mehr sein können.


Drei Nächte waren somit mehr als genug und wir wollten ein bisschen Abstand von einer Kultur, die uns viel zu fremd ist, als dass wir uns in irgendeiner Weise damit identifizieren könnten. Wir wollten etwas Beeindruckendes, wir sehnten uns nach Natur und beides bekamen wir im Phong Nha Nationalpark, aber dafür mussten wir zuerst ein bisschen kämpfen. Wir fuhren mit einer Tour nach Dong Hoi, dem Ausgangspunkt für die Tagestouristen. Dort liehen wir uns ein Moped aus und fuhren ganz nach asiatischer Art mit zwei riesigen Rucksäcken bepackt über löchrige Straßen ins 30 km entfernte Phong Nha. Die Vietnamesen sind wirklich Meister im Beladen von Mopeds, aber wie man an ihren Blicken sehen konnte, waren sie dieses Schauspiel nicht von den Touristen gewohnt. Nach einigen Duellen mit den Schlaglöchern kamen wir gut verschwitzt, halb verrenkt und natürlich mit plattem Reifen im Pepperhouse Farmstay an. 


Farmstay auf Vietnamesisch sieht so aus: Ein Garten mit Obst und Gemüse, eine Familie bei der man wohnt und eine Holzkiste mit Loch im Badezimmer sowie eine Schüssel mit trockenen Reisschalen, die man nachher über sein Geschäft streut. Laut dem australischem Hippie mit seiner vietnamesischen Frau, die diese Unterkunft führten, fängt das Ganze nicht an zu stinken. Das ganze Bad roch zwar scheußlich, aber naja, muss dann was anderes gewesen sein, den von den Fäkalien von den 6 Leuten, die im Dorm schliefen, konnte es nun ja wirklich nicht sein! Nichtsdestotrotz, der Aufenthalt dort war etwas, das wir wirklich wieder mal brauchten, allein schon wegen der Reisfelder, der Karstberge, das Baden in den türkisen Flüssen - und dabei wurde die Hauptattraktion noch gar nicht erwähnt. Denn in Phong Nha und Umgebung gibt es riesige natürliche Höhlen mit unzähligen Stalagmiten und Stalagtiten, durch eine kann man mit einem Boot fahren, bei der anderen wurde der erste der DREISSIG Kilometer langen und somit zweitgrößten Höhle der Welt für Touristen schön ausgebaut und ist nun begehbar. Alles ist stimmungsvoll beleuchtet und wenn grad keine asiatischen Touristen schreiend durchlaufen, bekommt man für kurze Zeit das Gefühl als befände man sich grade in einer anderen Welt. Also Phong Nha ist eine absolute Empfehlung für jeden Vietnam-Reisenden! Trotzdem wurde es nach zwei Nächten wieder Zeit aufzubrechen, also wieder die Rucksäcke aufgeladen und zurück nach Dong Hoi um den Nachtbus nach Hanoi zu erwischen.


Hanoi, die Erste startete schon mal gut. Irgendwann während den letzten Minuten der Busfahrt stieg ein Mann zu, der allen erklärte, der Bus hält heute nicht im Old Quarter, aber es gibt einen gratis Minibus dorthin. Allen war es relativ gleichgültig, orientierungslos und noch im Halbschlaf wurden alle aus dem Bus geleitet und an einer Straße mit 10 wartenden und gewohnt aufdringlichen Taxifahrern abgestellt. Dort wurde uns erklärt, der Bus kommt in einer halben Stunde. Das war den meisten Touristen zu lange und schon saßen sie im Taxi. Als der zuständige „Vermittler“ sah, dass wir es ernst meinten mit dem Warten und kein überteuertes Taxi nehmen wollten, gab er Rudi den gutgemeinten Rat, dass wir doch einfach mal 200m um die Ecke gehen sollten, denn dort befand sich schließlich das Old Quarter! Ein wenig Beharrlichkeit schadet oft nicht, schon gar nicht in Hanoi.


Tja, was soll man sonst noch so über diese Stadt sagen. Es gibt nicht sehr viel zu tun dort, die Stadt besteht hauptsächlich aus zweistöckigen Häusern, wovon der erste Stock meistens als Geschäft, Restaurant, oder wenn ganz wenig Platz im Haus ist: als Lagerraum für das Bia Hoi. Bia Hoi ist maximal 10 Tage junges Bier aus dem Fass und das Ganze gibt es für nicht mal 20 Cent pro Glas. Die Straßen in Hanoi sind abends vollgestopft mit den kleinsten Plastikhockern die ihr euch vorstellen könnt und alle, Einheimische sowie Touristen, sitzen selig vor ihrem spottbilligen Bier vom Fass. Nachdem ich noch immer kaum einen Schluck dieses Gebräus runterbringe und Wein in Vietnam leider nicht auf der Straße zu finden ist, bin ich auf den süchtig machenden vietnamesischen Eiskaffee ausgewichen. Denn neben dem Bia Hoi zählt auch Ca Phe Sua Da zu den Spezialitäten Vietnams. Dieser Kaffee rinnt durch ein doppeltes Sieb und sickert ganz langsam Tropfen für Tropfen in das Glas. Dadurch wird der Kaffee richtig dickflüssig und sehr stark, das Ganze noch mit süßer Kondensmilch und haufenweise Eis, ergibt eines der besten Geschmackserlebnisse dieser Reise. Ma, jetzt so einen Kaffee…

Nach 3 Tagen Sightseeing-Pause in Hanoi ging es dann zur berühmten Halong-Bucht. Als jedoch wir am Morgen der Abreise fast bis zu den Knöcheln im Wasser standen, weil es so schüttete, bekamen wir leise Bedenken, ob die geplante Nacht am Boot denn nicht wortwörtlich ins Wasser fallen sollte. Aber nix da, wir haben ja bereits angezahlt und diesmal haben wir nicht das Billigste genommen – denn ein sogenanntes Partyboot mit mehr Ratten als Gästen an Board wollten wir uns ersparen, man hört ja so einiges. Und wir haben endlich mal eine richtig gute Entscheidung getroffen. Das Boot war top, schon fast ein wenig zu nobel für uns, das Essen ein Traum, das Wetter zumindest besser, die Halong-Bucht mit den riesigen aus dem Meer ragenden Felsbrocken, und die anderen 4 Gäste – zwei "Olgas" aus Moskau und ein Paar aus Deutschland – waren auch ganz witzig. Unser Reiseführer war zwar ein wenig verkatert, aber gewährte uns ein paar interessante Einblicke in den vietnamesischen Alltag. So lebt er mit 4 Familienmitgliedern in einer 20m²-Wohnung und alle schlafen in einem Bett und die Mopeds werden natürlich auch noch drinnen verstaut, er hat vor 3 Wochen geheiratet und seine Frau ist im 3. Monat schwanger, denn es muss zuerst sichergestellt werden, dass die Frau Kinder bekommen kann. Wie das genau funktioniert, wenn alle im selben Bett schlafen? Aber naja, er hat uns erklärt, in Vietnam brauchen die Menschen nur wenig Privatsphäre. Tja. Bevor es jedoch soweit kommt, dass aus zwei Menschen ein Paar wird, muss natürlich vorher abgeklärt werden, ob die beiden Tierkreiszeichen denn überhaupt zusammenpassen. Ein wenig skurril ist es schon, aber wie er selber sagte: „Naja… Tradition ist Tradition, und bevor meine Eltern wütend werden…“ Er erklärte uns auch, dass fast jeder Bursche 2 Mopeds hat. Warum, fragt ihr euch? Ein gutes um Mädchen zu beeindrucken und eines um durch den verrückten Verkehr zu kommen, ganz logisch.



Dass das Ganze mit den Beziehungen in Vietnam wirklich so kompliziert war, wollten wir irgendwie nicht so ganz glauben. Bis wir nach dem Ausflug in die Halong-Bucht nochmal einen Abstecher ins Grüne machten. In der sogenannten „trockenen Halong-Bucht“ in der Nähe von Ninh Binh lernten wir Tham kennen, die mit ihren 23 Jahren genug Mumm hatte ein eigenes Hotel zu führen, aber fürchterliche Angst vor der Sonne hatte und davor, dass sie keinen passenden Mann finden würde, bevor sie zu alt ist, denn ihre Freundinnen haben schon Babies und sind verheiratet. Nachdem wir ein paar Tage durch die Reisfelder gestromert sind und Tham nochmal gut zugeredet haben, stiegen wir in den Bus zurück nach Hanoi. Im Bus fingen wir mit einer jungen Frau mit Kind an zu reden. Phuong hatte ebenfalls eine Geschichte zu erzählen. Sie und ihr Mann sind geschieden, er wohnt in Saigon und sie wohnt mit ihrem Sohn bei ihrer (Ex-)Schwiegermutter. Zuerst benutzte sie Ausdrücke wie „ihr Mann sei kein guter Mann“ gewesen, und deshalb haben seine Eltern den Kontakt zu ihm abgebrochen. Die Geschichte begann typisch vietnamesisch. Die Tierkreiszeichen stimmten, schwanger, geheiratet, ein Sohn wurde geboren. Nur war Phuongs Exmann nicht wie andere „schlechte“ vietnamesische Männer, die gerne Reisschnaps und Bia Hoi trinken und Karaoke singen, sondern sie ertappte ihren Mann, als er in Begleitung in ein Hotel eincheckte – und zwar in männlicher Begleitung. Also ließen sie sich aufgrund unüberbrückbarer Differenzen scheiden, ihr Mann blieb Hairstylist in Saigon, sie ging nach Hanoi. Doch Phuong strebt nach mehr und nimmt die nächste Bürde auf sich. In zwei Monaten fliegt sie nach Japan und will sich dort ein besseres Leben aufbauen. Zuerst alleine und wenn alles klappt, soll in einem Jahr ihr Sohn nachkommen. Wir wünschen dieser beeindruckenden Persönlichkeit alles Gute – may all your wishes come true, dear Phuong!




Wieder zurück in Hanoi, verabschiedeten wir uns von Phuong und ihrem Sohn, tranken ein letztes Mal 
Ca Phe und Bia Hoi und genossen ein denkwürdiges Straßenbarbeque zum Abschied – nächster Stopp Bangkok, aber das erzählen wir euch das nächste Mal!

Bis bald!


Bilder: